Die Geburtsstunde der BBC ging einher mit dem Bau des ersten Elektrizitätskraftwerks in Baden. Noch lieferte zwar das Gaswerk der Fabriken Oederlin und Wegmann die Energie für die städtische Beleuchtung.

Einzig im Grand Hotel in den Bädern leuchteten seit 1880 Badens erste Glühlampen, deren Strom aus Wegmann’s Maschinenfabrik stammte. Im Jahre 1886 folgte ein elektrischer Versuchsbetrieb im Kasino und im Kurpark.

Die übertragbar gemachte Elektrizität brachte immer mehr Fabrikanten auf den Plan. Für die Gasbeleuchtung des Stadtgebietes bestand jedoch eine Konzession bis 1893. Die Gasgesellschaft von Oederlin und Wegmann behielt noch die Oberhand.

Inspiriert von der Pariser Weltausstellung im Jahre 1889,planten die Badener Brüder Louis Theodor und Carl Pfister ein elektrisches Wasserkraftwerk im Kappelerhof. Sie hatten erkannt, dass der Elektrizität die Zukunft gehören musste,und entwickelten ein Kraftwerkprojekt.

Weltrekord in den Alpen - dank ABB

Weltrekord in den Alpen - dank ABB (Oktober 2013)

Superlative im Pumpspeicherkraftwerk Grimsel 2: ABB liefert den weltweit grössten Antriebsstromrichter mit Spannungszwischenkreis für ein Wasserkraftwerk. Dank dieser ABB-Technologie kann die Betreiberin KWO ihr Kraftwerk effizienter betreiben und mehr wertvolle Spitzenenergie erzeugen.

Für den Betrieb offerierten sie der Stadt sogar die Konzession und das Land zum Selbstkostenpreis. In dieser Zeit knüpften die Brüder Pfister Kontakt mit den jungen Ingenieuren Walter Boveri und Charles Brown, die beide bei der Maschinenfabrik Oerlikon tätig waren.

Baden war damals industrielles Entwicklungsland. Einzig entlang der Limmat hatten sich mehrere Fabriken angesiedelt, so limmataufwärts in Wettingen, in der Aue in Baden, in Ennetbaden und Rieden, Turgi und im Stroppel-Areal im Siggenthal. Deren Maschinen wurden von der Wasserkraft angetrieben.

Start für BBC und Kraftwerk

Dann ging es Schlag auf Schlag: Die beiden Ingenieure liessen sich vom Standort Baden und dessen energetischen Zukunft überzeugen. Am 23. Februar 1891 stiessen die Gebrüder Pfister, Charles Brown (damals erst 28 Jahre alt) und Walter Boveri (sogar erst 26 Jahre) sowie dessen damaliger künftiger Schwiegervater, der Seidenindustrielle Conrad Bauman, mit einem Glas Goldwändler in der Hand auf das Elektrizitätswerk an, das sie gemeinsam zu bauen gedachten.

Am 19. März erhielten die Gebrüder Pfister die Konzession für die Stromverteilung und die Strassenbeleuchtung in der Stadt Baden. Am 9. Mai wurde die Elektrizitätsgesellschaft Baden (EGB) gegründet, die das Projekt sofort an die Hand nahm. Walter Boveri wurde Vizepräsident. Am 2. Oktober erfolgte die formelle Gründung der Brown, Boveri& Cie., welche die beiden Generatoren liefern soll.

Cards: Von ABB bis Alstom

Innert weniger Monate entschied sich also die wirtschaftliche Zukunft der Stadt und Region. Brown und Boveri waren überzeugt von ihrer Idee, eine Fabrik an einem Standort zu erstellen, wo sie auch rasch wachsen konnte.

Im Februar 1892 startete die BBC mit 62 Arbeitern und 12 Konstrukteuren sowie mehreren Bürokräften. Ab Oktober 1892 lieferte das Maschinenhaus des Kraftwerks Kappelerhof Strom. BBC, bekannt geworden auch als Erfinderin des Wechselstroms, erhielt daraufhin sehr rasch Aufträge aus dem In- und Ausland.

So baute das Unternehmen 1893 das erste Wechselstrom-Grosskraftwerk für die Stadt Frankfurt am Main. Die BBC stellte an der Elektrotechnischen Ausstellung in Frankfurt ihre Erfindung aus. Damit startete die Firma die Entwicklung elektrischer Ausrüstungen für den Lokomotiv-Bau.

Brown und Boveri agierten taktisch und strategisch sehr geschickt: Um der wachsenden Firma langfristig Aufträge zu sichern, beteiligte sich Boveri an der Gründung mehrerer Elektrizitätsunternehmen, so auch an der Motor Columbus und an den Nordostschweizerischen Kraftwerken.

Brown sicherte für die BBC verschiedene Patente und baute weltweit die erste thermoelektrische Lokomotive. Damit war die Basis für die elektrische Traktion von Strassen- und Eisenbahnen gelegt.

Expansion ins Ausland

So erlebte BBC um die Jahrhundertwende eine rasante Entwicklung: Die Fabrik wuchs links und rechts der Bruggerstrasse auf dem Haselfeld um weitere Fabrikationshallen und Gebäude.

Im Jahr 1900 wurde die BBC eine Aktiengesellschaft und eröffnete in Mannheim einen wichtigen Konzern-Standort. Die Dampfturbinen machten bereits im Jahr 1905 die Hälfte des Umsatzes aus. Die Belegschaft in Baden zählte schon damals rund 2000 Arbeitnehmer.

Stadt und Region unterlagen einem starken Wandel und wurden von der industriellen Entwicklung geprägt. Durch den Zuzug von Arbeitskräften entstand ein Bevölkerungswachstum in der Zentrumsregion, aber auch ein akutes Wohnproblem, sodass bald erste Wohnsiedlungen gebaut werden mussten.

In Wettingen entstand unter Führung und Initiative der BBC das Dynamoheim, während an der Fabrikstrasse in Baden ebenfalls Wohnhäuser gebaut wurden.

Nach dem finanziellen Ruin mit der Nationalbahn ging es dank den neuen Steuerzahlern mit der Stadt Baden und der Stadtkasse schnell aufwärts, nicht zuletzt auch darum, weil der Kurort neu zu florieren begann.

So stiegen ebenfalls die Stadt Baden und das Städtische Elektrizitätswerk in den Wohnungsbau ein. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs verzeichnete die BBC in Baden über 4000 Arbeitskräfte.

Börsencrash 1929 in den USA

BBC wuchs auch international. Es folgten weitere Ableger in Frankreich, Mailand, Norwegen, Österreich und Polen. Mit dem Ersten Weltkrieg brach die Wirtschaft ein. Danach folgte der Nachkriegsboom.

Man stieg sogar in den USA ein und trat mutig den grossen Konkurrenten General Electric und Westinghouse entgegen. 1925 erfolge die Gründung ABBEC, die dann kurz nach dem Börsencrash von 1929 liquidiert wurde.

Es war dann die GE (Übernehmerin von Alstom), die bei der BBC einstieg und sogar Übernahmegelüste zeigte. So weit kam es jedoch nicht. BBC kehrte ins USA-Geschäft zurück, beschränkte sich aber auf Lieferungen und das Lizenzgeschäft.

So wurde die damals weltgrösste Dampfturbine für die Stadt New York in der legendären Halle 30 in Baden hergestellt, mit gut 110 Metern damals die längste Montagehalle weltweit.

Im Jahr 1924 starben die beiden Gründer Walter Boveri und Charles Brown kurz hintereinander. Während Brown sich bereits im Jahr 1911 zurückgezogen hatte, blieb Boveri bis zu seinem Tod Verwaltungsratspräsident.

Profitiert vom Weltkrieg

In der Folge wuchs die BBC stetig an und profitierte auch von der Kriegskonjunktur. In Mannheim baute die BBC Motoren und Antriebe für U-Boote und Schiffe, ebenso für Kriegsschiffe.

Der abermalig rasante Ausbau des Weltkonzerns wurde von einer ebensolchen technischen Entwicklung begleitet. In der Beznau baute BBC im Jahr 1949 das damals grösste Gasturbinenkraftwerk mit einer Leistung von 40 Megawatt.

Im Bereich der Konstruktion und Entwicklung von Transformatoren, Relais, Schaltern und weiteren Produkten der Stromerzeugung und -Übertragung war die BBC zuvorderst dabei, ebenso als Ausrüster elektrischer Lokomotiven.

1967 übernahm BBC die Maschinenfabrik Oerlikon, 1969 die Mehrheit an der Genfer Sécheron. BBC arbeitete zudem mit Sulzer Winterthur und Escher Wyss in Zürich zusammen. Dieses erneute Wachstum erforderte weitere Bauten.

Nebst dem Werk Münchenstein baute die BBC primär am Standort Baden, wo nebst dem Konzernsitz sich das Engineering konzentrierte. In dieser Zeit begann die BBC, auf dem Birrfeld ihre Produktion in grossen Hallen anzusiedeln.

In Baden zeichnete der Zürcher Industrie-Architekt, der hier bereits mehrere prägende Bauten realisiert hatte, einen Masterplan für weitere Ausbauten.

Es war dann die blühende Kernkraft, die dem Badener Dreigestirn BBC, Motor Columbus und NOK neuen Schub verlieh. Walter Boveri Junior gründete in Würenlingen die Reaktor AG als Versuchsstätte.

Aus ihr ging das Eidgenössische Institut für Reaktor- und Nuklearforschung hervor, das mit dem später gegründeten Schweizerischen Institut für Nuklearphysik sich zum heutigen Paul-Scherrer-Institut zusammenschloss.

Dann kam für BBC die Wende

Im Jahre 1970 zählte BBC weltweit 90 000 Mitarbeitende. Der gewachsene Konzern geriet jedoch immer mehr in strukturelle Schwierigkeiten, weil die innere Organisation mit dem Wachstum nicht mitgehalten hatte.

Den Ölschock überstand BBC nur, weil sie vom Wachstum in den Schwellenländern und der zunehmenden Substitution von Öl durch Elektrizität profitieren konnte. Doch die Überkapazitäten im Bereich des Kraftwerkbaus und der wachsende Widerstand gegen die Kernkraft drehten die Vorzeichen ins Negative.

Ein erneuter Expansionsversuch in den USA scheiterte. In den 80er-Jahren verschärften sich die schwelenden Probleme der BBC und die Krise brach über den stolzen Konzern herein. Selbst die neusten Entwicklungen im Forschungszentrum, so unter anderem die erfundene Flüssigkristallanzeige, brachten die BBC nicht mehr auf volle Touren. Andere wichtige Entwicklungen wie zum Beispiel der Turbolader für die Auto-Industrie blieben sträflicherweise auf der Strecke.

1985 wurde Fritz Leutwyler, Präsident der Nationalbank, in Baden geboren und Sohn eines Oederlin-Direktors, zum VR-Präsidenten gewählt, um die unter massiven Druck geratene BBC wieder auf Kurs zu bringen.

Er holte McKinsey-Mann Thomas Gasser und Bernd Müller-Berghoff von BBC Mannheim an die Spitze. Es wurde restrukturiert und Abteilungen wurden geschlossen. Sie schufen Sparten und Unternehmensbereiche. Die Ländergesellschaften sollten besser in den Konzern integriert, Unternehmensteile abgestossen werden.

Doch es blieb düster am Horizont, wo man nach Rettungsmöglichkeiten Ausschau hielt. Aus ersten Kontakten mit der schwedischen Asea folgten Kooperationsgespräche, die schliesslich zum Zusammenschluss führten, der am 10. August 1987, kurz vor der Badenfahrt, bekannt wurde.

Quellen: Stadtgeschichte Baden (Kapitel von Bruno Meier), Geschichte der Stadt Baden (Otto Mittler) BBC. Glanz, Krise, Fusion (Werner Catrina), div. Web-Links.