Würenlingen

19-Jähriger entwirft Wahnsinns-Kaiman – das erwartet die Besucher am grössten Umzug im Aargau

Die Fasnachtsgesellschaft Würenlingen kontrolliert am Samstagnachmittag die Wagen der Umzugsteilnehmer – und gibt grünes Licht: Die monatelange Arbeit der Würenlinger Gruppen kann sich sehen lassen.

«Gibt es Extra-Punkte für den Greta-Effekt?», fragt ein Wagenbauer. Gelächter. Punkte werden am grössten Umzug im Aargau keine verteilt. Ansonsten hätte die Würenlinger Fasnachtsgruppe «Reederei» aber klar die Nase vorn: Ihr Wagen – ein Kaiman – ist grösstenteils aus Pet-Flaschen erbaut.

Der riesige Alligator, der im Hallwilersee wohl den ein oder anderen Schwimmer in tiefsten Schrecken versetzt hätte, entstammt der Feder von Fabio Schneider. Der 19-jährige Würenlinger hat den Kaiman auf Papier entworfen. Neun Samstage später betrachtet er seine Arbeit während dem Kontrollgang der Fasnachtsgesellschaft vor der Schreinerei im Dorf. Zufrieden blickt er zum weit geöffneten Schlund des Pet-Reptils empor. Und wirkt etwas verlegen, als die Schreiberin ihm Fragen stellt. Beruflich mache er das nicht. «Ich absolviere derzeit die Berufsmaturität, zeichne in meiner Freizeit aber sehr gerne», sagt Schneider bescheiden. 

Nicht nur die «Reederei» setzt auf Recycling: Alle Würenlinger Umzugsgruppen verwerten für ihre Wagen Material aus früheren Sujets. Nicht nur der Umwelt zuliebe. «Es ist unglaublich schade, wenn die Wagen nach dem Umzug wieder abgerissen werden», sagt Hansueli Brauchli, Gründungsmitglied der «Höll Höckler». Seit Oktober arbeitet die Gruppe an ihrem gigantischen Pick-Up im 50er Jahre Stil. Diese monatelange Arbeit soll nicht wenige Tage nach der Fasnacht im Abfall landen. Im Herbst stellt die Gruppe den Pick-Up auch in Döttingen zur Schau: «Als Gastgemeinde präsentieren wir die Fasnacht am Winzerfest», verrät Brauchli.

Auch die Kleinsten wirken mit

Mitten in einem Wohnquartier wird auf der Strasse noch fleissig gemalt. Vier Frauen verpassen dem Hogwarts-Schloss aus Harry Potter ein wettergegerbtes Aussehen. Die Umzugsgruppe «Arge Schwanz» geht bei der Auswahl des Sujets wie die anderen demokratisch vor. Jeder darf Ideen vorbringen. Selbst die Kleinsten. Dann wird abgestimmt. Eines der jüngsten Mitglieder konnte dann auch alle anderen davon überzeugen, den weltberühmten Zauberlehrling zum Thema zu machen.

Eine Welt aus 1001 Nacht wartet etwas dorfabseits. Dschinni-Lampe, fliegender Teppich und Palmen: Hier scheint der Winter bereits vertrieben. «Wir mögen Disney und haben uns Aladdin als Sujet gesetzt», erklärt Nicole Schleuniger von den «Bachsplitter». Die Würenlingerin konnte auch ihre Kinder und ihren Vater mit dem Fasnachtsfieber anstecken. Mittlerweile wirken sie mit drei Generationen in der Gruppe mit. 

In der Scheune nebenan präsentieren die «Chäppelibööge» ihr fertiges Werk. Ausgebessert muss hier nichts mehr werden. Schon gar nicht beim SBB-Pannenzug – das Sujet der Umzugsgruppe. «Wir investieren etwa 100 Stunden pro Mitglied in unseren Wagen», sagt Patrick Ochsner. Die Fragen der Schreiberin scheinen auch ihn zu überraschen. So meint er zum Schluss schmunzelnd: «Jetzt wissen wir, was ich an der nächsten Generalversammlung machen muss: einen Mediensprecher bestimmen.»

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Vor Tausenden Zuschaueraugen fand am Sonntag der grösste Aargauer Fasnachtsumzug in Würenlingen statt.

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