Baden
19-Jährige wegen Eifersuchtsdrama vor Gericht: "Sie hat verstanden"

Eine 19-Jährige hatte während eines Eifersuchtsdramas mit einer Flasche zugeschlagen und sass deshalb vor dem Badener Einzelrichter. Dieser konnte nicht anders als die Angeklagte freizusprechen.

Rosmarie Mehlin
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Bezirksgericht Baden: Ein Facebookbild war Anlass für einen Streit unter Frauen, der vor Gericht endete.

Bezirksgericht Baden: Ein Facebookbild war Anlass für einen Streit unter Frauen, der vor Gericht endete.

Aargauer Zeitung

Viola wedelte mit dem Strafbefehl und fragte den Badener Bezirksrichter: «Haben Sie das geschrieben?» Freundlich klärte Lukas Cotti die 19-Jährige auf, dass der Staatsanwalt der Verfasser sei. Viola (alle Namen geändert), langes braunes Haar, feingeschnittenes, hübsch geschminktes Gesicht und zierliche Figur, hatte an einem Samstag im vergangenen Juni fast 16 Stunden in U-Haft verbracht. Nun sass sie, die seit kurzem eine zweijährige Lehre im sozialen Bereich macht, in schwarzen Leggins und schwarz-weisser Bluse vor dem Einzelrichter. Sie hatte sich gegen den Strafbefehl gewehrt, mit dem sie wegen «versuchter, einfacher Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand» zu einer bedingten Geldstrafe – die U-Haft abgezogen – von 870 Franken und 300 Franken Busse verurteilt worden war.

An jenem Juni-Samstag hatte Viola frühmorgens gegen halb eins im Badener Casino-Park mit einer Martini-Flasche zugeschlagen. «Es war Notwehr.» Sie habe, so Viola, sich mit Laila aussprechen wollen. «Die war eifersüchtig, weil ihr Freund ein Foto von mir auf Facebook geliked hat.» Die Aussprache war in einen Streit ausgeartet, die zufällig anwesende Sina hatte die beiden Streithennen zu trennen versucht. «Sie hat mich am Hals gepackt und mich ein wenig gewürgt.» Sie habe Angst gehabt, keine Luft mehr zu bekommen. Weil Viola in einer Hand die Flasche gehalten hatte, kam diese bei der Abwehreaktion zum Einsatz und – päng – hatte Sina eine drei mal drei Zentimeter grosse Beule auf der Stirn.

"Sie hat verstanden"

«Es war keine Absicht, ich wollte sie nicht verletzen», betonte Viola vor Gericht mehrfach. Sie trinke eigentlich nicht viel Alkohol, habe aber damals Medikamente nehmen müssen, das sei wohl der Grund gewesen, dass sie ein bisschen betrunken gewesen sei. Nach dem Vorfall habe Sina sich via Facebook gemeldet und jetzt sei alles in Ordnung. «Ich habe mich bei ihr entschuldigt und sie hat verstanden.» Der eifersüchtigen Leila sei sie seit Juni nur einmal zufällig über den Weg gelaufen. «Sie hat mich scheel angesehen.»

Grundsätzlich sei eine Flasche zwar ein gefährlicher Gegenstand, aber da es weder Aussagen vom Opfer, noch von Drittpersonen gibt, dass Viola gezielt mit der Flasche zugeschlagen habe, sprach Richter Lukas Cotti Viola von Schuld und Strafe frei.

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