Geschichte hat Walter Trippel schon immer interessiert, auch wenn er Laufbahn mässig als Maschineningenieur eine ganz andere Karriere einschlug. «Als dann meine Pensionierung immer näher rückte, wollte ich mit meiner neuen Freizeit etwas Sinnvolles anstellen», sagt der 84-Jährige. Da drängte es sich auf, sich endlich intensiver dem zu widmen, was ihn schon immer interessierte – der Ortsgeschichte von Spreitenbach.

«Meine Dokumentation beginnt im Jahr 1000, bereits damals wird Spreitenbach in Protokollen und Schriften erwähnt.» Unter anderem ging Trippel der Frage nach, wer der berühmteste Spreitenbacher war. Er wurde fündig in der Person von Xaver Wiederkehr, Advokat, Schriftsteller und Führer der aargauischen Opposition im Sonderbundskrieg. «Wegen des Umsturzes 1841 musste er fliehen und trat in die österreichische Armee ein», sagt Trippel. Die Fülle an Material bewog ihn schliesslich, eine Biografie über den berühmtesten Spreitenbacher zu verfassen, mit dem Titel: «Ich hab kein Geld, ich hab nur Mut!»

Abkürzung von Bern nach Zürich

Im Weiteren befasste sich Trippel mit dem Heitersbergweg. Diese Fussverbindung zwischen Bern und Zürich sei von grosser Bedeutung gewesen. «Ein Brief konnte dank dieser Abkürzung innerhalb von zehn Stunden von einer Stadt zur anderen überbracht werden.» Auch sämtliche Höfe und deren Entwicklung hat Trippel festgehalten. Ganz zu schweigen vom Weinbau, den im Mittelalter gegen 100 Rebbesitzer betrieben. «Damals gab es in Spreitenbach 13 Trotten!»

Für seine Recherchen suchte Walter Trippel die Staatsarchive in Aarau, Luzern und Zürich sowie das Bundesarchiv in Bern auf. Die Früchte seiner 20-jährigen Suche füllen über 500 Word-Dateien und 250 Excel-Tabellen entstanden, die er auf eine CD brannte und Valentin Schmid an der letzten Gemeindeversammlung überreichte. «Bei der Übergabe wurde mir ein tosender Applaus zuteil. Ich war überwältigt.»

Ein bewegtes Leben

Walter Trippel ist in Uetikon am See aufgewachsen und hat an der ETH Maschineningenieur studiert. Während des Studiums lernte er seine Frau kennen, mit der er noch heute verheiratet ist. Erst wohnten die beiden in Thalwil, seit 1964 nun in Spreitenbach. Walter Trippel war sein Leben lang in verschiedenen Vereinen tätig, unter anderem war er ein Gründungsmitglied des Spreitenbacher Ortsmuseumsvereins. «Leider ist das Ortsmuseum seit Jahren geschlossen», bedauert er. Zudem war er Präsident des FC Thalwil und des FC Spreitenbach. Der FC Thalwil hat heuer den Aufstieg in die 1. Liga geschafft. «Das freut mich sehr, denn ich darf als Ehrengast an der Aufstiegsfeier teilnehmen.» Freuen tut ihn aber auch, dass er die Ortsgeschichte von Spreitenbach nach 20 Jahren intensiver Recherche nun der Gemeinde übergeben durfte. Und wenn es ihm die Gesundheit erlaubt, wird er noch nach ein paar weiteren Rosinen suchen.