Das schmiedeiserne Tor steht offen, während der Turm mit seiner Zwiebelkuppel wie ein Wächter über das Anwesen späht. Auf dem Kopfsteinpflaster, vorbei am Buchsbaumgarten, geht es zum Eingang. «Einen Moment, ich komme herunter», ruft der Hafner (Ofenbauer) Fredy Mathys aus dem Fenster. Kurze Zeit später öffnet er die massive Eichentüre und führt die Wendeltreppe den Turm hoch in den ersten Stock. Seine Hände sind braun vom Lehm, mit dem er den 200 Jahre alten Kachelofen Louis XVI restauriert.

Der Ofen bröckelt von innen

«Der Kachelofen war bei uns regelmässig in Betrieb. 2009 entdeckten wir, dass sich Steine im Ofengewölbe gelockert hatten», erklärt die Besitzerin des Schlössli Andrea Wicki. Nach einem Augenschein durch den Hafner Fredi Mathys stellt sich heraus, dass die Brennkammer kaputt ist. «Es bestand die Gefahr, dass die Decke des Ofens einbricht. Die Zeit hinterlässt ihre Spuren», erklärt Mathys den Schaden.

Interview mit Isabel Haupt vom Denkmalschutz

Das Interview

Damit eine neue Brennkammer gebaut werden kann, muss der Ofen Kachel für Kachel ab- und wieder aufgebaut werden. Zwei Jahre musste die Familie Wicki auf die Restauration warten: «Historische Öfen müssen durch einen Spezialisten auf- und abgebaut werden. Mathys hatte einen Auftrag im Landesmuseum fertigzustellen», erklärt Wicki das Warten.

40 Tage für Auf- und Abbau

Seit Anfang Oktober ist Mathys mit dem Kachelofen beschäftigt. Rund 40 Arbeitstage benötigt er für den Ab- und für den Aufbau. Mit einem Holzhammer hat er jede einzelne Kachel gelöst und sie von Hand in einem Wasserbad von Lehm und Kieslesteinen befreit. Damit die Kacheln wieder dort sind, wo sie hingehören, hat er jede einzelne beschriftet. «Der Ofen darf seinen Charakter nicht verlieren», betont Mathys.

Die Herausforderung? «Es macht mir Freude, dieses alte Stück wieder zum Leben zu erwecken.» Er brauche vor allem Ruhe bei der Arbeit. «Natürlich muss man wissen, was man tut und welche Materialien man verwenden muss, damit der Ofen weitere Jahrhunderte hält», fügt Mathys hinzu. Die Flusskieselsteine habe er selber aus der Thur geholt.

Vollständiger Abbau ist selten

Da das Schlössli seit 64 Jahren unter kantonalem Denkmalschutz steht, wird die Arbeit am Kachelofen von der Denkmalpflegerin Isabel Haupt betreut und dokumentiert. «Es handelt sich um die erste Restauration des Ofens seit dem Umbau des Schlössli um 1800. Wir unterstützen die Familie dabei fachlich und finanziell», erklärt sie. Der Kanton beteilige sich mit knapp 15 Prozent an den Kosten. Wie hoch diese sind, darüber will niemand Auskunft geben. «Für mich ist dieser seltene Louis-XVI-Kachelofen ein ganz besonderes Schmuckstück», freut sich Haupt. Dass ein Ab- und Wiederaufbau eines historischen Ofens mitverfolgt werden könne, gebe es zudem selten.

Bis in zwei Wochen wird der Hafner seine Arbeit am Ofen beendet haben - einen Moment, den die Familie Wicki kaum erwarten kann. Dann werden sie den Ofen wieder anfeuern können und «die angenehme Wärme geniessen, die eine Zentralheizung nicht bieten kann», sagt Wicki. Gebacken wird in dem Ofen übrigens auch: «Wir freuen uns auf ein knuspriges Brot aus dem neuen alten Kachelofen», freut sich Wicki.