An der diesjährigen Badenfahrt gibt es keinen Umzug, dafür ein Freilichtspektakel: «Universus» heisst das humorvolle und  actionreiche Stück, das an der Badenfahrt fast jeden Abend rund 850 Zuschauer durch die 2000-jährige Geschichte der Stadt schleudert und den Kurpark in eine riesige Theaterbühne verwandelt. Die Story: Ein Gartenarbeiter verliert sich im Kurpark in einem Tagtraum, als er aufschnappt, wie ein überambitionierter Regisseur eine grandiose Inszenierung über die Bäderstadt plant.

«Das Stück ist kein historisches Spektakel», stellt Regisseur Philipp Boë klar. «Sondern eine traumartige, surreale Überhöhung der Geschichte, die wir als historische Fetzen präsentieren.» Dabei werde weder der Anspruch auf Vollständigkeit noch auf historische Korrektheit gestellt, so Boë. «Der Humor steht im Vordergrund.»

Da «Universus» ohne fixe Bühnenbauten auskommt, bleibt der Kurpark tagsüber öffentlich zugänglich. Am Abend aber verwandeln Boë und sein Team den Park, die Bäume und den Gehweg in eine riesige Theaterbühne – mithilfe von tragbaren Bühnenelementen und Videoprojektionen: Säulen deuten die Römerzeit an und verschwinden wieder, auf eine alte BBC-Maschine folgen Wände, die das Hotelzimmer von Hermann Hesse andeuten, der ab den 1920er-Jahren jedes Jahr in Baden zur Kur weilte. «Wir wollen die Zuschauer in eine andere Welt, in ein anderes Universum entführen», sagt Boë, der dem Publikum magische Momente verspricht.

Seit Ende März laufen die Proben in der grossen Halle der Alten Schmiede. 65 Laiendarstellern aus der Region spielen mit, darunter auch Schüler der Badener Tanzschule «Natmove», die in einer Szene auftreten. Bis zum ersten Augustwochenende finden die Proben auf freiwilliger Basis statt – wer Zeit hat, der kommt. «Wir müssen immer etwas knobeln, was wir wie proben», sagt Boë. Obwohl neben den Haupt- und der Generalprobe nur die letzten vier Proben verbindlich sind, sei das Engagement der Schauspieler riesig. «Es ist extrem inspirierend, mit welcher Freude sie immer zahlreich in die Proben kommen», sagt Boë und ergänzt: «Sie geben alle Vollgas.» Ursprünglich wollte der Regisseur «Universus» mit 80 Schauspielern inszenieren. Viele aus dem Raum Baden seien aber schon an anderen Badenfahrt-Projekten beteiligt. Dass jetzt nicht ganz so viele mitmachen, wie ursprünglich geplant, beeinträchtige das Stück aber nicht. «Ausserdem gestalten sich die Proben so logistisch und planerisch etwas einfacher.» Unterdessen stossen auch die fünf professionellen Schauspieler Matthias Rüttimann, Moritz Haase, Moira Buser, Richard Geppert und Mick Holsbeke nach und nach dazu. Holsbeke gilt als einer der weltbesten Clowns und sei ein Garant für ein humorvolles Stück.

Kleinere Regiearbeiten brachten den Bieler Philipp Boë schon öfters nach Baden. So spielte er auch schon im ehemaligen «Theater im Brennpunkt» oder im «Thik». «An der Badenfahrt bin ich aber zum ersten Mal dabei», sagt Boë und ergänzt schmunzelnd: «Ich musste zuerst einmal Nachhilfestunden in Sachen Badenfahrt besuchen.»