Baden
«2021 wird wohl noch härter als 2020»: Reisebüro-Chef Dominic Eckert deutet die Zukunft für seine Branche

Dominic Eckert, Geschäftsführer des Reisebüros «Dreamtime Travel» in Baden, will ohne Entlassungen durch die Krise kommen, wie er im Interview mit dem «Badener Tagblatt» erklärt.

Pirmin Kramer
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Dominic Eckert in seinem Reisebüro in Baden: «Entscheidend für uns wird der Erfolg der Impfung sein.»

Dominic Eckert in seinem Reisebüro in Baden: «Entscheidend für uns wird der Erfolg der Impfung sein.»

Severin Bigler (13. Januar 2021

Vor 23 Jahren gründete Dominic Eckert das Reisebüro Dream­time Travel. Das Unternehmen, das Reisen nach Ozeanien, Afrika und Lateinamerika anbietet, wuchs stetig auf inzwischen 15 Angestellte. Ende 2019 wurde das Büro an der Mäderstrasse in Baden zu eng, der Reiseveranstalter zog in ein Loftbüro in einer ehemaligen BBC-Industriehalle am Kreuzweg in Baden. Dann kam Corona. Doch Geschäftsführer Dominic Eckert ist überzeugt: Reisebüros werden wieder an Bedeutung gewinnen.

Wann sind Sie letztmals verreist?

Dominic Eckert: Im Juli war ich mit meiner Frau und unserem Sohn in Frankreich in den Ferien. Wir haben ein Büssli gemietet, fuhren an die Atlantikküste. Es waren Ferien, wie man sie früher machte. Geplant hatten wir eigentlich eine Familienreise nach Namibia. Wir haben bis zur letzten Sekunde abgewartet, konnten dann aber nicht ins Land einreisen. Mir geht es jetzt so wie vielen Menschen: Ich habe ein Nachholbedürfnis und will wieder losziehen.

Die Leute wollen wieder weg, sagen Sie. Wird 2021 also ein gutes Jahr für Ihr Reisebüro?

Nein, wir stellen uns darauf ein, dass es ein schlechtes Jahr wird. Vielleicht fast noch härter als 2020, weil die Kurzarbeitsentschädigung im Sommer ausläuft. Und weil im Vergleich zu 2020 die starken ersten drei Monate wegfallen. Noch nie war es so schwierig, ein Budget zu erstellen. Bis im Mai und Juni werden wir nur minimalste Einnahmen haben. Ab Sommer, spätestens September, werden wir hoffentlich einige Abreisen verzeichnen, zum Beispiel nach Afrika. Ganz entscheidend für uns wird der Erfolg der Impfung sein. Ich gehe davon aus, dass die Erholung ab 2022 definitiv eintreten wird.

Wie hart hat Corona Ihr Unternehmen getroffen?

2020 startete wie gesagt sehr gut, in den ersten drei Monaten verzeichneten wir viele Abreisen nach Neuseeland und Australien. Seit dem abrupten Stopp im März hatten wir aber keinen Ertrag mehr. Wir mussten alle Leute zurückholen, die unterwegs waren, viele Reisen annullieren. Und bis im Herbst verreiste kaum mehr jemand.

Mussten Sie Angestellte entlassen?

Bisher nicht. Und mein Ziel ist ganz klar, mit dem bestehenden Team mit 15 Angestellten durch die Krise zu kommen. Weil ich weiss, dass wir nach Corona ein sehr gutes und erfahrenes Team brauchen werden. Ich will nicht jetzt in der Krise langjährige Mitarbeitende entlassen, welche in den letzten zehn Jahren massgeblich zum Erfolg meiner Firma beigetragen haben.

Wie wollen Sie es schaffen, ohne Stellenabbau durch die Krise zu kommen?

Wir sind seit März in Kurzarbeit und sparen radikal. Wir haben einige Arbeitsplätze im Büro als Co-Working-Space untervermietet und suchen für uns auch noch alternative Tätigkeitsfelder. Jegliches Marketing machen wir selber. Wir sind als Unternehmen bereit, vorübergehend Verluste hinzunehmen. Wir versuchen natürlich trotz allem, ein paar Reisen zu verkaufen. Immerhin zehn Prozent der üblichen Anzahl Reisen verkaufen wir momentan trotz allem. Aktuell sind einige Leute in Tansania, Namibia und Costa Rica unterwegs.

Wie lange können Sie noch durchhalten?

Ich bin relativ entspannt, weil wir gut gearbeitet haben in den letzten 23 Jahren und immer wieder etwas auf die Seite legen konnten. 2020 war das erste Jahr, das wir mit einem Verlust abschlossen. Wenn die Krise nicht noch drei Jahre dauert, kommt es gut. Zudem hoffen wir auf eine Härtefallunterstützung durch den Kanton. Wir verstehen und unterstützen die meisten behördlichen Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie – aber unsere Geschäftstätigkeit wird dadurch unverschuldet praktisch verunmöglicht.

Warum braucht es Reisebüros überhaupt noch? Man kann doch selber im Internet buchen.

Ich bin felsenfest überzeugt, dass Reisebüros wie wir, die sich spezialisiert haben, wieder an Bedeutung gewinnen. Viele Leute haben begriffen, dass es wichtig ist, ein Back-up in der Schweiz zu haben, falls Unerwartetes passiert. Einige Leute haben letztes Jahr wegen geplanter Reisen und Corona Geld verloren. Wer bei uns bucht, hat die Rechtssicherheit eines Anbieters in der Schweiz. Dieser Aspekt ist in den vergangenen Jahren in den Hintergrund gerückt. Wir haben einige Anfragen von Leuten, die früher im Internet gebucht haben und nun aus diesem Grund zu uns kommen. Hinzu kommt, dass Reisen nicht einfacher wird in nächster Zeit.

Inwiefern?

Es gibt noch viele Fragezeichen. Je nach Land wird man womöglich unterschiedliche Coronatests vorweisen müssen, um einreisen zu dürfen. Oder womöglich wird eine Rolle spielen, ob man geimpft ist oder nicht. Weil wir Spezialisten sind für die Länder, in die wir Reisen anbieten, können wir die Leute beraten, ihnen Arbeit abnehmen, unsere Tipps weitergeben.

Die Reisen, die Ihr Büro vermittelt, führen auf andere Kontinente, man muss das Flugzeug nehmen. Neben Corona gibt es auch noch die Klimadebatte. Wird Ihr Business dennoch wieder zum Fliegen kommen?

Ganz sicher. Die Klimathematik wird nach Corona wohl wieder verstärkt geführt werden. Aber die Menschen buchen bei uns keine Billigtrips, sondern sie reisen ganz bewusst. Wir haben zudem betreffend CO2-Kompensation und Reisedauer schon in früheren Jahren viel unternommen.

Wohin führt Ihre nächste Reise?

Eigentlich wollen wir im Bündlerland Skiferien machen. Aber falls die Skigebiete zumachen, gehen wir nach Tansania. Das ist klimatisch machbar derzeit. Allenfalls machen wir im Sommer eine Safari in Tansania. Wir werden kurzfristig entscheiden.