Was die SBB seit 2012 vorangetrieben haben, soll nun auch in Baden Schule machen: Recyclingstationen für Alu, PET, Papier und Abfall sollen die herkömmlichen Abfalleimer auf öffentlichem Grund ersetzen. Robin Röösli fordert mit seiner Petition, die er auf der Online-Plattform Petitio.ch lanciert hat, dass die Stadt einen Pilotversuch macht. Röösli schlägt vor, auf grösseren öffentlichen Plätzen wie dem Theaterplatz oder dem unteren Bahnhofplatz Abfalltrennsysteme, wie sie die SBB vor wenigen Monaten auch am Bahnhof Baden installiert haben, zu testen.

Seine Begründung: Der Abfall von öffentlichen Mülleimern der Stadt Baden wird ohne Aussortieren der Wertstoffe direkt verbrannt. «Das ist ökologisch betrachtet unsinnig», sagt Röösli. Die Stadt könne damit auch ein Zeichen setzen. «Denn Baden lobe sich selber immer wieder als nachhaltige Stadt», sagt Röösli. «Dass Recycling funktioniert, zeigen die SBB, deren Quote für korrekt entsorgte Abfälle bei 95 Prozent liegt.»

Ein Freienwiler für Baden?

Mit seiner Petition hat der 21-jährige Jung-FDPler, der im Herbst noch für den Grossen Rat kandidierte, offenbar einen Nerv getroffen. Erst am Freitag wurde die Petition freigeschaltet und fand bis gestern Abend bereits über 160 Unterstützer. 200 braucht die Petition, damit das Anliegen an die kommunalen Behörden übermittelt wird. «Ich habe mich mit einigen Bekannten ausgetauscht und gemerkt, dass ich mit dem Anliegen auf grosses Interesse stosse», sagt Röösli. Deshalb sei er nicht überrascht, dass seine Petition schon so viele Unterstützer gefunden habe. «Aber es freut mich natürlich sehr.»

Doch warum setzt sich Röösli als Freienwiler auf diese Art für Baden ein? «Ich bin viel in Baden unterwegs, habe hier meine KV-Lehre gemacht, und als Jung-FDPler engagiere ich mich natürlich politisch für die ganze Region», erklärt er.

Die aktuelle Petition sei denn auch keine versteckte Wahlpropaganda für die kommunalen Gesamterneuerungswahlen, denn er kandidiere nicht. «Die Jungfreisinnigen des Bezirks Baden setzen sich immer wieder für nachhaltige Projekte ein», sagt er und betont dabei, dass Abfalltrennen auch einen ökonomischen Vorteil hat: «Beispielsweise lässt sich mit Aluminium Geld verdienen, was für die Stadt lukrativer wäre, als alles zu verbrennen und dafür auch noch zu zahlen.» Wie ernst ihm sein Anliegen ist, beweist Röösli, indem er bereits mit den SBB in Kontakt steht: «Sie haben mir zugesichert, mehrere ihrer Recyclingstationen für einen Pilotversuch zur Verfügung zu stellen», sagt er.

Werkhofleiter gibt nicht auf

Mit seinem Anliegen stösst Röösli auch beim Badener Werkhofleiter Thomas Stirnemann auf offene Ohren. Der Zufall will es, dass auch er und seine Mitarbeiter an einem Recyclingsystem für die Stadt tüfteln, wie er auf Anfrage mitteilt. Er will diesen Frühling einen Versuch starten und Stationen aufstellen, die mit witzigen Sprüchen zum richtigen Abfalltrennen animieren. Es ist nicht der erste Versuch, den er unternimmt. Stirnemann relativiert denn auch den möglichen Erfolg solcher Recyclingsysteme. «Wir haben in den letzten Jahren mehrmals Versuche mit Recyclingtrennsystemen auf dem unteren Bahnhofplatz und dem Theaterplatz gemacht und festgestellt, dass sie nicht gut funktionieren», sagt Stirnemann. Ob der Abfall richtig getrennt werde, hänge vom Publikum ab. «Auf einem Perron, wo die Pendler auf den Zug warten, mag das funktionieren, doch in der Stadt mit einem Ausgehpublikum wird am Wochenende und zu später Stunde der Müll kaum noch richtig getrennt.» Ob es dieses Mal dank den witzigen Sprüchen auf den Behältern besser funktioniert, wird sich zeigen.

Für Stirnemann ist aber klar, dass es in der Stadt schwerere und robuster gebaute Stationen braucht als jene, welche die SBB verwenden. «Sie müssen jedem Wetter und möglichem Vandalismus standhalten können», sagt Stirnemann. Das werde schnell teuer und die Stadt werde sicher kein Geld mit Recycling verdienen. «Vielmehr geht es darum, ökologisch zu handeln und Verantwortung zu übernehmen», betont er.