Porträt
22-jährig und schon Chef einer Autogarage: Dieser Aargauer Mech hat sich seinen Traum erfüllt

Direkt nach dem Abschluss seiner Lehre als Automechaniker hat sich Benjamin Frey seinen grossen Traum erfüllt: die eigene Autogarage. Bereits seit drei Jahren legt der ambitionierte Jung-Unternehmer beachtliches Engagement an den Tag.

Joel Kälin
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Chris Iseli

Er ist ein besonderer Blickfang im überschaubaren 1200-Seelen-Dorf Hendschiken: der gut 20-jährige orangefarbene Subaru Impreza. Er steht auf dem Parkplatz der Freylis Dorfgarage an der Hauptstrasse. Speziell: Sein Besitzer, der Gebenstorfer Benjamin Frey, dem die Autowerkstatt gehört, ist nur wenig älter als das Gefährt.

Im Inneren der markenunabhängigen Werkstatt herrscht emsiges Treiben: Der 22-jährige Jung-Unternehmer ist in seinem Element. An einem Kundenwagen prüft er die Luft in den Pneus und wechselt den Luftfilter aus. Wer ihm beim Hantieren zusieht, merkt ihm sofort die Begeisterung an, mit der er zu Werke geht.

Benzin im Blut

«Motorensound und Pferdestärken begeistern mich seit Kindertagen», sagt Frey. Man könnte meinen, er hätte Benzin im Blut. Tatsächlich ist auch Vater Urs ein grosser Auto-Fan. Frey erinnert sich: «Als ich zwei Jahre alt war, bastelte mir mein Vater einen Gokart. Häufig drehten wir im Freien unsere Runden. Mit vier erhielt ich dann von meinen Eltern das erste Motocross-Motorrad.» War das nicht gefährlich? «Nein, das ist wie Velofahren», sagt er. Beherrsche man den Töff, sei es ungefährlich.

Als Frey älter wurde, entdeckte er die Leidenschaft fürs Herumschrauben. «Egal ob Velo, Mofa oder Gokart – er schraubte alles auseinander und wieder zusammen», sagt seine Mutter Michelle, die im Betrieb für die Buchhaltung zuständig ist. Sie fügt an: «Und er reparierte immer die Fahrräder unserer Familie und seiner Freunde.»

«Vom ‹Schrüble und Flicke› konnte ich nie genug bekommen», sagt Frey. Logisch kam für ihn als Berufsziel nur eine Lehre als Automechaniker infrage. Seine Leidenschaft war so gross, dass er jeweils nach Feierabend von seinem Lehrbetrieb in Hausen nach Muri fuhr, wo er sich einen Raum gemietet und zur Hobbygarage umfunktioniert hatte.

Hauptsache: Motor und vier Räder

Ein Lieblingsfahrzeug hat Frey nicht: «Von Oldtimern bis modernen Modellen gefällt mir alles. Solange vier Räder und ein Motor drin sind», sagt Frey und lacht. Darum wolle er sich auch nicht nur auf einen einzelnen Autohersteller fokussieren.

Per Zufall erfuhr Frey im Sommer 2014, dass in Hendschiken nach einem Nachfolger für die Dorfgarage Eichenberger gesucht wurde. Kurze Zeit später konnte er – gerade mal 19-jährig – sich seinen grossen Traum verwirklichen: eine eigene Autogarage. Es sei cool, sein eigener Chef zu sein, sagt Frey. «Die Maschinen und Werkzeuge waren zwar nicht mehr auf dem neusten Stand, aber alles funktionierte», sagt er. Sofort konnte er sich an die Arbeit machen. Ganz so einfach lief der Start in die Selbstständigkeit jedoch nicht. Zu Beginn mangelte es noch an Aufträgen.

Doch allmählich sprach es sich im Dorf herum, dass ein neuer Automechaniker seine Dienste anbietet. So fanden immer mehr Kunden den Weg in die Freylis Dorfgarage. Freyli ist übrigens der Spitzname des jungen Geschäftsführers. «Ich glaube, diesen Namen kann man sich gut merken.»

Die Nachfrage nach seinen Diensten stieg ständig und die Arbeitstage wurden länger und länger. Frey: «Die Garage wurde quasi mein zweites Zuhause.» Man müsse flexibel sein. «Es darf dich nicht stören, um vier Uhr morgens anzufangen und erst sehr spät Feierabend zu machen.» Bisher lag in rund drei Jahren lediglich eine einzige Woche Ferien drin. «Ich beschäftige mich im Grunde nonstop mit meinem Hobby – und das liebe ich», sagt Frey begeistert.

«Vorurteile und Bedenken, das Fahrzeug einem selbstständigen Lehrabsolventen anzuvertrauen, gab es keine, glaube ich.» Und wenn doch, habe er viele vom Gegenteil überzeugt. Er überlegt kurz und sagt: «Ich habe jedenfalls noch keine negative Rückmeldung erhalten.» Man lerne immer dazu, so Frey. Wenn doch mal ein Problem auftauche, frage er halt kurz einen befreundeten Automechaniker um Rat.

Heute ist Frey bereits seit drei Jahren selbstständig. «Ich habe den Schritt nie bereut», sagt er. Die ganze Bandbreite an Fahrzeugen fuhren schon in die Garage vor. Darunter teure Ferraris, aber auch Oldtimer. «Ich durfte sogar schon an einem Lamborghini Gallardo die Reifen wechseln. Jeden Tag kommen andere Fahrzeuge vorbei. So macht es Spass», sagt Frey.

Gratis-Wurst für die Kundschaft

Doch wie reagiert der Freundeskreis auf seinen enthusiastischen Arbeitseifer? «Kein Problem – die Kollegen und auch die Familie kommen oft vorbei. Wir bestellen dann Pizza oder grillen zusammen im Freien vor der Garage.» Komme gleichzeitig ein Kunde, erhalte dieser zum Service auch mal eine Gratis-Wurst dazu.

Seit Mai 2016 beschäftigt er mit Simon Vollenweider einen Mitarbeiter. Die beiden kennen sich noch von der Ausbildung und sind seither gut befreundet. «Ich bin sehr froh, kann mir Simon unter die Arme greifen», so Frey. Die Tatsache, dass Vollenweiders ehemaliger Klassenkamerad heute sein Chef ist, mag speziell sein. «Ich bin der Chef und erteile die Aufträge, aber wir verstehen uns super. Und wie es doch so schön heisst: Geteilte Freude ist doppelte Freude.» Das nächste Ziel hat sich der ambitionierte Jung-Unternehmer übrigens auch schon gesetzt: einen Lehrling in seiner Dorfgarage auszubilden.