Über Musik zu sprechen, sei, wie über Architektur zu tanzen, meinte einst der amerikanische Schauspieler und Musiker Steve Martin. Ähnlich dachten wohl die fünf Senioren, die im Frühjahr 1984 – vor genau 30 Jahren – in der Villa Brown Boveri in Baden den Entschluss fassten, ein Senioren-Orchester zu gründen. Heute zählt das Senioren-Orchester der Region Baden mehr als 30 aktive Streicher und Bläser und tritt regelmässig an Matinees und Serenaden auf.

Das besondere Jubiläumskonzert

Zur Feier des 30. Orchester-Geburtstags luden die musizierenden Senioren am Sonntag zur Matinée in die Aula des Wettinger Schulhauses Margeläcker. Und wenn sich Jahrhunderte musikalischer Erfahrung auf einer Bühne zum gemeinsamen Konzertieren vereinen, dann zieht das die Zuhörer an. Vor vollen Rängen startete das Senioren-Orchester unter der Leitung seines Dirigenten Hans-Jürg Jetzer mit der Sinfonia in D-Dur des französischen Revolutions-Komponisten François-Joseph Gossec. Das virtuos gespielte Presto zum Schluss von Gossecs Komposition wirkte wie ein Befreiungsschlag nach dem von tiefer Sentimentalität durchzogenen Andante.

Keine Frage des Alters

Heiterer gings bei Beethovens Musik zu einem Ritterballett zu und her. Die acht kurzen Sätze waren mal geprägt von zur Jagd aufrufenden Bläser-Melodien, mal von kräftigen Pizzicati, dann wieder von breiten Orchester-Harmonien.

Den Höhepunkt der Matinée markierten Georg Philipp Telemanns Kompositionen l’Armement, La Grâce und La Gaillardise, bei denen das Senioren-Orchester die Rolle des besänftigenden Begleiters übernahm. Im Zentrum des musikalischen Geschehens stand der virtuos aufspielende Solo-Trompeter Dieter Studer. Bei Giuseppe Aldrovandinis Sonata No. 3 stand mit dem Oboisten Dieter Wintergerst ein zweiter Solist auf der Bühne. Das Zusammenspiel zwischen den beiden Solo-Bläsern und den begleitenden Streichern passte perfekt.

Mit Johann Strauss’ Walzer «Rosen aus dem Süden» und Josef Strauss’ «Feuerfest Polka» beschloss das Senioren-Orchester sein musikalisches Geburtstagsfest und zeigte, dass Spiellust, Taktgefühl und die Freude am gemeinsamen Musizieren keine Fragen des Alters sind.