Baden
35 Rappen pro Schuss: «Für mich gehört der Schiesssport einfach dazu»

Die Sicherheit bei Jungschützenkursen hat zugenommen – nicht aber die Anzahl Teilnehmer: Die Zahl der Jungschützen geht seit Jahren zurück. Zwischen 10 und 16 Jugendliche sind es in Baden. Ein Jungschütze und eine Schützenmeisterin erzählen.

David Egger
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In den Jungschützenkursen sind auch Frauen gut vertreten. Ausländer können aber nicht teilnehmen. DEG

In den Jungschützenkursen sind auch Frauen gut vertreten. Ausländer können aber nicht teilnehmen. DEG

David Egger

2015 feiern die Stadtschützen ihr 550-Jahr-Jubiläum. Tradition in Ehren: Interessieren sich Jugendliche noch für das Schiesswesen? Die Teilnehmerzahl bei den Jungschützenkursen stagniert seit Jahren. Zwischen 10 und 16 Jugendliche sind es in Baden.

Rolf Düggelin, der Präsident der Stadtschützen, sagt: «Dem Sportschiessen wird mit Skepsis begegnet.»

Laut Jungschütze Sebastian Wenzinger wird «viel Müll» über das Schiesswesen geschrieben, verschiedene Amokläufe hätten ein schlechtes Bild auf den Sport geworfen. Einige der Jungschützen wollen sich deshalb nicht mit der Waffe in der Zeitung sehen, aus Angst davor, dass das Hobby dem Arbeitgeber nicht gefällt.

Weil Passanten falschen Verdacht schöpften, hat die Polizei schon Jungschützen kontrolliert, die die Waffe bei sich trugen, ohne sie in einer Tasche zu verstecken. Auch heute ist das Mitnehmen der Waffe noch erlaubt, allerdings muss der Verschluss, ohne den die Waffe nicht funktionsfähig ist, im Schützenhaus bleiben, genauso wie die Munition.

Die meisten Jungschützen lassen die ganze Waffe im Schützenhaus – in einem Tresor. Derjenige in der Spreitenbacher Schiessanlage «Härdli» ist elektronisch geschützt.

Nur von der Armee ausgebildete Schützenmeister können ihn öffnen und haben Zugang zu den darin aufbewahrten Waffen. Mirjam Schneider von den Badener Stadtschützen ist eine davon.

Sie führt von März bis November Jungschützenkurse durch. «Als ich Ende der 90er-Jahre selbst am Kurs teilnahm, wäre es kein Problem gewesen, die ganze Waffe inklusive Munition nach Hause zu nehmen», sagt Schneider. Heute wird Sicherheit bei den Schützen also grösser geschrieben.

«Manchmal erhalten wir verrostete Gewehre»

Geblieben ist die Subvention des Schiesssports durch die Steuerzahler. Die Armee führt Schützenmeisterkurse durch und stellt die Waffen für die Jungschützenkurse zur Verfügung. «Manchmal erhalten wir die etwas verrosteten Gewehre», so Schneider.

Wenn die Schützenvereine die Waffen erhalten, wissen sie nicht, wie viele Soldaten diese schon in der Hand hatten. Klar ist: Sie wurden in der Schweiz produziert und kosten neu über 3000 Franken. 35 Rappen kostet ein Schuss der verwendeten Munition «Gw Pat 90», die auch im Inland produziert wird. Dieser Betrag wird von der Armee rückvergütet.

Würden die Badener Jugendlichen auch am Jungschützenkurs teilnehmen, wenn sie alles selber zahlen müssten? Sebastian Wenzinger verneint dies für die meisten. Er selber würde sich Sponsoren suchen. Der 18-Jährige verdeutlicht: «Für mich gehört der Schiesssport einfach dazu.»

Denkt Wenzinger beim Schiessen auf die 300 Meter entfernte Zielscheibe daran, was er mit seinem Sportgerät sonst noch anstellen könnte? «Nein. In diesem Moment muss man im Kopf eine Art Telefonzelle bilden. Nur wer das Rundherum komplett ausblendet, kann sich voll konzentrieren», sagt der Jugendliche.

Ausländer können am Jungschützenkurs nicht mitmachen. Die Vereine können nur Schweizer Jugendliche zu den Kursen einladen, da die Gemeinden ihnen nur deren Adressen übermitteln. Rund ein Drittel der Teilnehmer sind inzwischen Frauen.

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