Bezirksgericht Baden
3600 Franken Strafe: Lehrer verbrennt sich an der Lust auf Busen die Finger

Ein 41-jähriger Schweizer wird wegen Pornografie und Ausweisfälschung zu unbedingter Geldstrafe verurteilt. Bei ihm wurden auch Bilder mit kinderpornografischem Inhalt gefunden, die er erst noch weitergeleitet hatte.

Rosmarie Mehlin
Merken
Drucken
Teilen
Er war schon vorbestraft wegen Fälschung von Ausweisen. (Gestellte Szene)

Er war schon vorbestraft wegen Fälschung von Ausweisen. (Gestellte Szene)

Oliver Menge

Robert (Name geändert) mit Gel im Haar und Dreitagebart, ist eher klein von Wuchs. Seine Sehnsucht nach weiblichen Geschlechtsmerkmalen hingegen ist offensichtlich gross.

So gross, dass sie den 41-Jährigen vor das Bezirksgericht Baden brachte. Schuld war allerdings nicht direkt Roberts Lust auf Busen, sondern vielmehr, dass er dieses Verlangen via Internet stillte.

Eines Tages im Dezember 2010 hatte es an der Wohnungstür geklingelt, hinter der Robert mit seiner Freundin lebt. Draussen standen Kobik-Mitarbeiter mit einem Hausdurchsuchungsbefehl.

Kobik ist die Abkürzung von «Koordinationsstelle zur Bekämpfung von Internetkriminalität» und die Mitarbeiter stellten diverse EDV-Materialien sicher. Nachdem bei deren Auswertung elf Bilder mit verbotenem kinderpornografischem Inhalt gefunden worden waren, wurde Robert angeklagt.

Scharf auf nackte Busen

Der machte vor Gericht keinen Hehl daraus, von einem einschlägigen Server in Deutschland regelmässig pornografisches Material heruntergeladen zu haben.

«Wenn ich jeweils ‚Busen' oder ‚Titten' eingab, habe ich Hunderte von Bildern bekommen. War darunter etwas mit Kindern, habe ich das jeweils immer sofort gelöscht», versicherte er vor Gericht.

Nein, die Dateinamen habe er nicht gelesen, «das sind immer so Rattenschwänze von Bezeichnungen, die eigentlich auf nichts Konkretes schliessen lassen.»

Auf die Frage von Gerichtspräsident Lukas Cotti, ob er denn nicht gesehen habe, dass da zum Beispiel «Young» oder «Lolita» gestanden habe, schüttelte Robert energisch den Kopf, solche Aufnahmen habe er immer sofort gelöscht.

Die Kobik-Leute hatten eruiert, dass fünf der elf entdeckten verbotenen Bilder über eine Pear-to-Pear-Connection (Rechner-Rechner-Verbindung) von Roberts Rechnernetz weitergeleitet worden waren.

Er habe damit verbotene Pornografie zwar nicht ordinär hergestellt, aber doch vervielfältigt. Deshalb war er auch der Herstellung von Pornografie angeklagt war.

Falscher Pass statt Knast

Und obendrein der Fälschung von Ausweisen. Unter anderem deswegen ist Robert vorbestraft. Er hatte eine KV-Lehre gemacht, im Verkauf gearbeitet und ist - als er arbeitslos wurde - mit seiner Freundin auf Reisen gegangen.

Zurück von einer solchen hatte er am Zoll in Kloten einen gefälschten Pass vorgelegt. «Ich hatte Angst, dass ich verhaftet werde und ins Gefängnis muss, wo ich doch meine Eltern, meine Freundin und alle Kollegen hier habe.»

Tatsächlich ist für ihn in Hamburg noch eine unbedingte zweijährige Gefängnisstrafe wegen gewerbsmässigen Betrugs offen.

Seit kurzer Zeit hat Robert hier eine Teilzeitstelle als Lehrer an einer Privatschule: «Man ist sehr zufrieden mit mir. Ich bin zuversichtlich, dass ich bald vollzeitlich angestellt werde.»

Spiel mit dem Feuer

Gemäss Staatsanwalt sollte Robert zu einer unbedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen von je 30 Franken verurteilt werden.

Der amtliche Verteidiger forderte einen Freispruch vom Vorwurf der Pornografie: «Weder das Herunterladen, noch der Datenaustausch von pornografischen Bildern, wie sie mein Mandant gesucht hat, ist strafbar.

Er musste nicht damit rechnen, dass dazwischen kinderpornografische Aufnahmen waren, und hat also solches auch nicht in Kauf genommen.»

Es könne davon ausgegangen werden, dass Robert rund 30 000 Bilder heruntergeladen habe.

Die Kobik-Leute hätten bei ihm 299 verdächtige Aufnahmen sichergestellt, darunter waren aber nur elf, die gesetzlich verboten sind.

Wegen Fälschung von Ausweisen, so der Verteidiger, sei Robert zu 60 Tagessätzen von 30 Franken unbedingt zu verurteilen.

Das Gericht aber folgte vollumfänglich dem Staatsanwalt. Robert wurde gemäss Anklage verurteilt und zu einer unbedingten Geldstrafe von 3600 Franken verurteilt.

Das System an sich biete ein grosses Risiko und Robert habe keine Sicherheitsvorkehrungen getroffen.

Er habe zwar gehofft, dass nichts passiere, aber dies letztlich in Kauf genommen. «Sie haben mit dem Feuer gespielt und sich die Finger verbrannt», schloss Präsident Cotti die Begründung.