Baden

45 Jahre Einsatz für die Menschenrechte

Unter dem Motto lokal handeln global wirken engagieren sich Joy Kramer, Martin Schnieder, Melanie Senn und Gioia da Silva (von links) in der Badener Gruppe von Amensty Internation

Unter dem Motto lokal handeln global wirken engagieren sich Joy Kramer, Martin Schnieder, Melanie Senn und Gioia da Silva (von links) in der Badener Gruppe von Amensty Internation

Die Lokalgruppe Amnesty International Baden feiert im 2017 ihr 45-jähriges Bestehen. Das Jubiläumsjahr steht ganz im Zeichen der Flüchtlingskrise.

Im Jahr 1972 gründete Ingo Knaup die Lokalgruppe von Amnesty International Baden. Hätte es damals den Kurznachrichtendienst Twitter und den Hashtag #localhero schon gegeben, hätte Ingo Knaup ihn wohl getragen.

Nach der Gründung leitete Knaup, gebürtiger Wettinger, die Gruppe für viele Jahre – mit grossem persönlichen Einsatz und viel Erfolg. «Wir sind stolz, dass die Amnesty-Gruppe Baden auch noch nach 45 Jahren aktiv ist», sagt Martin Schnieder, der seit 25 Jahren Amnesty-Mitglied und damit der Gruppenälteste ist. «Unsere Arbeit ist heute so wichtig wie eh und je», fügt er an.

In Zeiten der Flüchtlingskrise und des Vormarschs der Rechtspopulisten in der westlichen Hemisphäre seien Menschenrechte auch in Europa, in der Schweiz und damit in Baden ein wichtiges Thema. «Lokal handeln, global wirken. Das ist auch heute noch unsere Devise», sagt Joy Kramer, die mit ihren 17 Jahren bei Amnesty International Baden ebenfalls eine der erfahrensten Aktivistinnen der Gruppe ist.

Archivierte Schicksale

Für das Jubiläum hat sich die Gruppe in den vergangenen Wochen durch das Vereinsarchiv gearbeitet. Wer sich jetzt verstaubte Ordner mit endlosen Sitzungsprotokollen vorstellt, der liegt falsch. Die teilweise handgeschriebenen Archivunterlagen aus den 1970er-Jahren lesen sich wie Krimis.

Mal geht es um einen auf Sansibar zum Tode verurteilten Gewissensgefangenen, der von Tansania nicht ausgeliefert wird; mal geht es um einen chilenisch-schweizerischen Doppelbürger, der wegen Verdacht auf «oppositionelle Tätigkeiten» verurteilt und später in die Schweiz «ausgeschafft» wird, wo er schliesslich in der Region Baden ein neues Zuhause findet.

Die Amnesty-Gruppe Baden schrieb schon Briefe an Bundesräte, Könige, Präsidenten, Behörden und Botschafter in aller Welt. «Mit Briefaktionen machen wir immer wieder deutlich, dass wir unserer Regierung, aber auch jener von anderen Ländern genau auf die Finger schauen», sagt Melanie Senn, die dieses Jahr trotz Maturaarbeit und Abschlussprüfungen bei der Amnesty-Gruppe mit anpackt.

Lust, die Ärmel hochzukrempeln

Nach getaner Archivarbeit kommt die lokale Amnesty-Gruppe zu einer positiven Erkenntnis: «Heute scheint es so einfach wie noch nie, sich für mehr Respekt der Menschenrechte einzusetzen», sagt Gioia da Silva , aktuelle Gruppenleiterin. «Heute kann man mit einer E-Mail Hunderte von Menschen erreichen. Ingo Knaup, unser Gründervater und #localhero von 1972, hätte dafür wohl Stunden, wenn nicht Tage gebraucht.» Man merkt, das Team hat Lust, die Ärmel hochzukrempeln und sich zu engagieren. Es gibt auch im 2017 viel zu tun, denn die Gruppe möchte im Jubiläumsjahr die Situation der Flüchtlinge ins Zentrum stellen. (az)

Podium: Am Dienstag, 25. April, organisiert die Gruppe ein öffentliches Podiumsgespräch mit Denise Graf (Asylrechtsexpertin, Amnesty International) und Natalie Trummer (Geschäftsleiterin, Terre des Femmes) zum Thema «Frauen auf der Flucht – und ihre Situation in der Schweiz» im Royal. Türöffnung, 19.30 Uhr, Eintritt frei.

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