Konsum
450 Franken für ein Kilo Katzen-Kaffee aus Java

Erstklassige Kaffeesorten aus Afrika, Asien und Lateinamerika sind die Spezialität des Kaffeerösters Angelo Stäldi. Exklusivster Kaffee-Hit ist der «Kopi Luwak», der «Katzen-Kaffee» aus Java – ein Kilogramm der skurrilen Sorte kostet 450 Franken.

Erik Schwickardi
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«Café o muerte!» Angelo Stäldi röstet in Niederrohrdorf die aromatischen Kaffeebohnen der Castro-Insel: «Diese würzigen Bohnen aus Kuba versprühen den revolutionären Geist des Comandante!» EMANUEL FREUDIGER

«Café o muerte!» Angelo Stäldi röstet in Niederrohrdorf die aromatischen Kaffeebohnen der Castro-Insel: «Diese würzigen Bohnen aus Kuba versprühen den revolutionären Geist des Comandante!» EMANUEL FREUDIGER

Solothurner Zeitung

«Das sind 12 Kilogramm frischer Premium Arabica aus Kuba», schwärmt Angelo Stäldi (50) und lässt die würzigen und vollmundigen Spitzenbohnen mit der leichten Tabaknote durch seine Hände rieseln. «Cafe o muerto», der Name dieser Kaffeesorte ist inspiriert von Fidel Castros kämpferischer Losung «Revolución o muerte!» (Revolution oder Tod!). Die 60-jährige Trommelröstmaschine knackt und zischt. «Ich röste nach Feeling – jede Röstung ist wieder ein bisschen anders.»

Der Meisterröster aus Niederrohrdorf verwendet nur beste Bohnen kleiner Plantagen, die oft als Kooperativen geführt werden. «Ich habe grössten Respekt vor der harten Arbeit der Kaffeebauern. Ich möchte, dass man den Weg vom Kaffeebauern quasi bis in die Tasse zurückverfolgen kann», so Stäldi. «Beim Fabrikkaffee werden die Bohnen wild zusammengemixt. Keiner weiss, von welcher Plantage dieser Kaffee kommt.»

«Ich vertrage es nicht, Befehle zu empfangen»

In der Rösterei auf dem Areal des einstigen Kaffeevollautomaten-Herstellers Egro in Niederrohrdorf stapeln sich 60-Kilo-Säcke aus allen Herren Ländern: Kaffeebohnen aus Äthiopien, Brasilien, Costa Rica, Guatemala, Indien, Indonesien, Kenia, Kolumbien, Kuba, Neu-Guinea, Nicaragua oder Uganda. Ursprung aller Kaffeestauden weltweit ist Äthiopien. Erst die Kolonialisten brachten die Kaffeepflanze in andere Anbaugebiete. «In vielen Kaffee-Ländern sind die Einheimischen keine Kaffeetrinker. In Mittelamerika erhält man im Restaurant oft einen Nescafé», berichtet Angelo Stäldi.

Heute dreht sich alles im Leben von Angelo Stäldi um die braunen Bohnen. Das Logo seiner Firma «Kaffeepur», den Maya-Gott Ek Chuah, hat er sich auf den rechten Oberarm tätowieren lassen. «Das ist zwar der Kakao-Gott der alten Mayas, aber man muss nicht immer alles so dogmatisch sehen.» Stäldis Augen blitzen schalkhaft durch die schwarze Designer-Brille. «Zum Kaffee kam ich eigentlich durch Zufall», lächelt Angelo Stäldi. Seine KV-Lehre brach der gebürtige Obwaldner einen Monat vor dem Lehrabschluss ab. Auch vom Militär will der Innerschweizer Individualist nichts wissen: «Ich habe einen Autoritätskomplex. Ich vertrage es nicht, Befehle zu empfangen.»

Künstlicher und verlogener Wettbewerb

In den 80er-Jahren bewegte sich Stäldi in der Luzerner Punk-Szene, kreierte später als Künstler Rauminstallationen, stellte an der Biennale 1990 in Portugal aus. «Wie es so ist, du surfst ein bisschen durchs Leben.» Eine renommierte Werbeagentur engagierte Stäldi als Art Director. «Doch die Werbewelt war mir zu künstlich und verlogen.» Beim Johann-Jacobs-Museum in Zürich findet er eine erfüllende Aufgabe, kümmert sich um Grafik, Kataloge und Filme zu den verschiedenen Ausstellungen des Kaffeemuseums am Seefeldquai. Auf den Spuren der Kulturgeschichte des Kaffees reist er für eine Ausstellung durch Mittelamerika. «In Costa Rica und Guatemala realisierte ich zum ersten Mal, wie extrem viel harte Arbeit nötig ist, bis ein Kaffeebauer einen Sack voll mit Bohnen hat.»

Stäldi hatte den Wunsch, selbst ein Glied in der Kaffeekette vom Kaffeebauern über den Transporteur und Röster bis hin zum Trinker zu werden. Bei Rast-Kaffee in Ebikon eignete er sich die ersten Kniffe als Röster an, bevor er im Jahr 2002 seine eigene Rösterei, Kaffeepur, gründete. «Mein Ziel ist es nicht, Millionär zu werden», erläutert Stäldi. «Der Kaffee gibt mir die Möglichkeit, ein spannendes Leben zu führen.» Sein Traum sind weitere Dok-Filme wie sein Erstling «Rotes Gold aus Äthiopien», den er 2009 drehte.

Schleichkatzen fressen reife Kaffeekirschen

Immer mehr private Geniesser und Restaurateure lernen die Spezialitäten-Kaffees mit den klingenden Namen wie Amarogayo, Bonga Bonga, Buna Harrari oder Yemen Secrets schätzen – meist durch Mundpropaganda. Seine exklusivste Sorte ist der indonesische Katzen-Kaffee «Kopi Luwak»: Schleichkatzen fressen reife Kaffeekirschen, die Bohnen scheiden sie unverdaut wieder aus – derart fermentiert wird der Katzen-Kaffee zur teuersten Sorte der Welt. 450 Franken kostet ein Kilogramm.

«Keiner trinkt ihn regelmässig, aber fast alle wollen ihn einmal probieren», lacht der Niederrohrdorfer Kaffeeprofi. Sein Geheimnis ist die Frische: Täglich röstet er kleine Mengen. «Die Bohnen sind drei Wochen lang lebendig, haben so lange ein richtig gutes Aroma. Man sollte nie mehr kaufen, als man in dieser Zeit verbraucht.» Ein Gourmetkaffee trägt daher auch ein Röstdatum. Ansonsten rät Stäldi, die Vielfalt der Sorten auszuprobieren: «Ein guter Kaffee hat keine schlechte Säure, einen vollen Körper und wirkt eine Weile im Gaumen nach – wie ein guter Wein. Ein absoluter Genuss ist für mich Kaffee mit Calvados. Aber nie im Kaffee, sondern separat im Gläsli.»