Ehrendingen

46 Prozent Wachstum: Wie die Gemeinde die «Bevölkerungsexplosion» meisterte

In Ehrendingen wuchs die Bevölkerung deutlich stärker als im Bezirk.

In Ehrendingen wuchs die Bevölkerung deutlich stärker als im Bezirk.

In den letzten 20 Jahren wuchs Ehrendingen um 46 Prozent. Ein Segen – wenn man richtig darauf reagiere, sagt der Ex-Gemeindeammann.

Die Bevölkerungszahl Ehrendingens stieg zwischen 2000 und 2019 um 46 Prozent von 3314 auf 4837. Zum Vergleich: Der Kanton Aargau und der Bezirk Baden wuchsen in derselben Zeitspanne knapp halb so stark (je rund 24 Prozent). Wie kam das enorme Wachstum in Ehrendingen zu Stande, und wie hat die Gemeinde darauf reagiert? Renato Sinelli, der ein Vierteljahrhundert bis 2012 im Gemeinderat war: «Mitte der Nullerjahre gab es effektiv eine Explosion der Bevölkerungszahl. Hauptgrund dafür war die bessere Anbindung unserer Gemeinde an den öffentlichen Verkehr. Die Attraktivität Ehrendingens stieg dadurch enorm. Hinzu kam, dass wir noch Baulandreserven hatten, die zuvor nicht genutzt worden waren, es waren nicht einmal Einzonungen notwendig.» Keinen oder nur einen geringen Einfluss habe seiner Meinung nach die Fusion von Unter- und Oberehrendingen im Jahr 2006 gehabt: «Wie der Ort heisst, macht unter dem Strich für die Menschen keinen Unterschied.»

Infrastruktur muss mit Wachstum mithalten

Ist ein starkes Bevölkerungswachstum ein Segen oder ein Fluch? «Beides ist möglich», so Sinelli. «Wenn es das Ziel der Gemeinde ist, dass zahlungskräftige Steuerzahler dazukommen und es gelingt, solche anzulocken, ist das Wachstum natürlich ein Segen. Hierfür muss aber in erster Linie die Infrastruktur mit dem Wachstum mithalten können, was eine Herausforderung darstellt.» In Ehrendingen habe man insbesondere ein Augenmerk auf die Schulraumplanung gelegt. «Wir bauten Schulhäuser in beiden Ortsteilen.» Aber auch die restliche Infrastruktur sei angepasst worden: Die Abwasseranlage wurde ausgebaut, es brauchte Anpassungen bei Strom und Wasser, der Strassen, der Verwaltung, einfach überall, so Sinelli. «Man weiss natürlich nie, ob gute oder schlechte Steuerzahler in ein Dorf ziehen. Aber man kann versuchen, es zu beeinflussen.»

«Sonst wird man zum Ballenberg-Museum»

Sinelli, der politisch nicht mehr aktiv ist, aber das Geschehen in der Region verfolgt, beobachtet derzeit den Trend, dass die Gemeinden in der Region eher auf die Wachstumsbremse treten. So ganz verstehen kann er das nicht: «Man muss sich als Gemeinde entscheiden, ob man sich weiterentwickeln möchte oder zum Ballenberg-Museum werden will.» Ohne Wachstum gebe es keinen Fortschritt, ist er überzeugt. Nur: «Das Wachstum kann nicht immer ganz genau geplant, werden, wir leben ja nicht in der Planwirtschaft.»

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