Fleissige Bienen
50'0000 neue Werktätige auf dem Dach des Trafo-Centers

Es ist ein besonderes Arbeitsverhältnis: Die fleissigen Bienen arbeiten auswärts, liefern aber bereits im Juni den ersten Trafo-Honig. Imker Herbert Röösli betreut die fliegenden Mitarbeitenden fachmännisch.

Roman Huber
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Imker Herbert Roeoesli kontrolliert auf dem Dach der Trafohalle eine Wabe einer Bienenkolonie.

Imker Herbert Roeoesli kontrolliert auf dem Dach der Trafohalle eine Wabe einer Bienenkolonie.

Alex Spichale

Wenn am Morgen die Sonne über dem Höhtal aufsteigt und ihre ersten Strahlen nach Baden schickt, dann herrscht rasch Hochbetrieb auf dem Dach des Trafo-Centers. Kaum spüren die ersten Bienen die Wärme, so fliegen sie schon bald und strecken ihre Fühler nach Nektar aus.

Durch diesen Schlitz starten und landen die Bienen.

Durch diesen Schlitz starten und landen die Bienen.

Alex Spichale

Wer sich nun wundert, dem sei hier gesagt, dass es in der Stadt nämlich genügend Nahrung hat für Bienen: Die Blütenpflanzen in den Parks, in Gärten, auf Balkonen und Terrassen, aber auch die angrenzenden Naturräume stellen für Stadtbienen wahrlich ein gefundenes Fressen dar. Herbert Röösli, Imker, aus Freienwil, zweifelt keinen Moment daran, dass seine Bienen auf ihren Ausflügen genügend zu fressen haben. Es sind insgesamt zehn Völker der Rasse Carnica, die er aus seinem Bestand auf dem Dach des Trafos platziert hat. Für die Pflanzen und die Bäume bringen die Bienen aber auch einen grossen Nutzen, denn indem die Bienen die Blüten bestäuben, sichern sie deren Bestand.

Bereits im Juni werden es die fleissigen Mitarbeitenden ermöglichen, dass der erste Honig geerntet werden kann. Es werde der erste Jahrgang «Röösli-Honig, Trafo Baden Edition» sein, der abgefüllt werde, sagt Roberto Scheuer, Direktor der Trafo Baden Betriebs AG stolz. Er wie auch seine Mitarbeitenden tragen das Projekt mit. «Es ist eine wirkliche Begeisterung aufgekommen», sagt Scheuer. So sind die neuen Behausungen vom Trafo-Team bemalt worden. Es seien nicht herkömmliche Bienenhäuser, wie man sie meistens kenne, sondern Magazine, die er in genügendem Abstand zueinander auf dem Flachdach installiert habe, erklärt Röösli.

Etwa dreimal pro Woche steigt der Imker aufs Dach, um nach den Bienen zu sehen. Einmal werde das Magazin geöffnet und ein prüfender Blick hineingetan. «Dabei prüfe ich die Bienen auf mögliche Krankheiten, und ich schaue natürlich auch nach der Königin», so Röösli. Denn wenn die Königin nicht mehr da ist, gibt es keinen Nachwuchs mehr, das heisst, auch niemanden, der Honig produziert. Bienen würden in der Hochsaison nur drei bis vier Wochen leben, darum sei es wichtig, dass die Königin täglich ihre Eier lege. «Im besten Fall bis an die 2000 Stück pro Tag», erzählt Röösli. Wenn sich ein Schwarm bildet, kann der geschulte Imker rechtzeitig eingreifen und diesen platzieren, bevor er sich selbstständig macht und sich irgendwo an unerwünschtem Ort ansiedelt.

Baden ist keineswegs die erste Stadt, die Stadtbienen beherbergt. Dennoch sind Stadtbienen hierzulande wenig verbreitet. Er werde auf sein Projekt vielfach erstaunt angesprochen, sagt Röösli, der zurzeit 21 Völker Honigbienen hat und selber Königinnen züchtet. Nicht nur die Varroa-Milbe macht es heute Bienen und Imkern schwer. Der Einsatz von Pestiziden sowie von Neonikotinoiden in der Landwirtschaft lässt die Bienenbestände schwinden. Die Zahl der Völker sei in den Industriestaaten um rund 30 Prozent geschwunden, weiss Röösli. Das habe für die globale Produktion von Nahrungsmitteln Folgen. «In Teilen Chinas müssen Pflanzen von Hand bestäubt werden», fügt Röösli an.

«Die Idee, in der Stadt Bienen anzusiedeln, trug ich schon lange mit mir«, gesteht Röösli. Er sei deswegen mit der Verwaltung in Kontakt getreten. Die Innenstadt habe sich als schwierig erwiesen, denn man wollte keine Fussgänger gefährden. Schliesslich war es Dres Kern, Co-Bauherr des neuen Hotels Trafo, der für die Umsetzung der Idee sofort Feuer fing. Trafo Baden hat auf seiner Homepage einen Blog eröffnet. Und Marketing-Leiter Reto Leder hat weitere Ideen, um die Trafo-Bienen zu inszenieren.