Baden
60'000-Einwohnerstadt: «Es tönt ein wenig nach einem Geheimprojekt»

Eine 60'000-Einwohnerstadt Baden wird bei den Jahreszielen erwähnt, doch der Stadtrat schweigt ebenso wie umliegende Gemeinden. Letztmals waren Fusionen zu einer Stadt dieser Grösse im Jahr 2013 ein Thema.

Pirmin Kramer
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Dereinst eine einzige Stadt? Blick vom Chrüzliberg nach Wettingen und auf die Webermühle (Neuenhof).

Dereinst eine einzige Stadt? Blick vom Chrüzliberg nach Wettingen und auf die Webermühle (Neuenhof).

Sandra Ardizzone (28. Mai 2019

«Erste Resultate aus der 60'000-Einwohnermodellstadt sollen vorliegen»: So lautet eines der Jahresziele des Badener Stadtrats für 2021. Welches die konkreten Pläne sind, verrät der Badener Stadtrat aber nicht. Und auch Vertreter von umliegenden Gemeinden hüllen sich auf Anfrage in einen Mantel des Schweigens.

Dennoch scheint klar: Die Fusion von Baden mit mehreren Nachbargemeinden wird wieder diskutiert. Eine 60'000-Einwohnerstadt käme beispielsweise durch den Zusammenschluss Badens mit seinen Nachbarn Wettingen, Ennetbaden, Neuenhof, Turgi und Obersiggenthal zustande. Letztmals waren Fusionen zu einer Stadt dieser Grösse im Jahr 2013 ein Thema. Die damalige Stadträtin Daniela Berger (SP) lancierte die Debatte, die nach dem Rückzieher Ennetbadens aber wieder an Schwung verlor.

Öffentlichkeit erfährt via Jahresziel davon

In der Region Baden gibt es mit Traktandum 1 einen Verein, der sich Fusionen zum obersten Ziel gesetzt hat. Präsident Marco Kaufmann hat aus dieser Zeitung davon erfahren, dass offenbar wieder Bewegung in die Zusammenschlussdebatte kommt. «Einerseits begrüssen wir es sehr, dass sich ein Jahresziel mit der regionalen Zusammenarbeit befasst.

Dass Baden und die umliegenden Gemeinden einen gemeinsamen Lebensraum darstellen, ist längst eine Tatsache. Womöglich sind die Gespräche beim runden Tisch, an dem sich die Gemeinden zum Austausch betreffend Zusammenarbeit und Fusionen treffen, schon weiter fortgeschritten, als bisher öffentlich bekannt ist.»

Erstaunt ist Kaufmann, dass die Öffentlichkeit via Jahresziel der Stadt Baden davon erfährt, ansonsten aber keine weiteren Informationen dazu gegeben werden. «Dadurch tönt es ein wenig nach einem Geheimprojekt», sagt Kaufmann.

Auch bei den Einwohnerräten ein Thema

Auch den Begriff Modellstadt findet er erklärungsbedürftig. «Ich frage mich auch, ob die Stadt Baden mit anderen Gemeinden abgesprochen hat, dieses Jahresziel herauszugeben.» Falls nicht, könnten sich Gemeinderäte der umliegenden Orte vor den Kopf gestossen fühlen. Es bestehe die Gefahr, dass sich einige Nachbarn abwenden und abspringen, so Kaufmann. «Wir hoffen, dass die Gemeinden möglichst bald den Stand kommunizieren.»

Die 60'000-Einwohnerstadt war am Wochenende auch bei den Einwohnerräten ein Thema. Simon Binder, der Stadtparteipräsident der CVP, machte sich im Rat schon mehrfach für Zusammenschlüsse stark. «Es wäre so wichtig, wenn Baden mit umliegenden Gemeinden fusionieren könnte, um die Region als Ganzes zu stärken. Dennoch ist es schwierig, dafür Mehrheiten zu finden, denn viele Bewohner aus umliegenden Gemeinden fürchten sich vor einem Identitätsverlust.»

Badens Nachbarn hätten mehr Mitspracherecht

Binder ist überzeugt, dass Fusionen für die ganze Region ein grosser Gewinn wären. «Als bevölkerungsreicher Ort hat man kantonal und national viel mehr Gewicht.» Dass Züge der SBB den Halt in Baden auslassen, wie dieses Jahr einige Male geschehen, «würde nicht passieren, wenn Baden zu den zehn grössten Städten der Schweiz zählen würde».

Für die ganze Region sei wichtig, wie sich Baden weiter entwickle, «und als Teil der Stadt hätten die umliegenden Orte viel mehr Mitspracherecht über die zahlreichen Projekte mit überregionalem Charakter, über die heute in Baden entschieden wird», führt Simon Binder aus. Ein Zusammenschluss der Gemeinden um Baden wäre eine logische Folge, glaubt er: «Was zusammengewachsen ist, gehört auch zusammen.» Die Grenze zwischen Baden und Wettingen etwa sei von Auge nicht mehr erkennbar.

Der mögliche Verlust von regionaler Identität, von den Gegnern oft vorgebracht, werde überschätzt und könne und müsse durch entsprechende Initiativen erhalten werden, ist Binder überzeugt. Er wuchs in Rütihof auf, einem Stadtteil von Baden. «Dort herrscht noch immer ein Rütihöfler-Groove, die Menschen sind stolz auf ihren Ort. Doch gleichzeitig bereut es niemand, dass Rütihof ein Teil der Stadt Baden ist.»

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