Ehrendingen

6000 Einwohner bis 2030: Das Bauland in Ehrendingen wird knapp

Folge des starken Wachstums: Ehrendingen muss Bauland einzonen. AZ-Archiv/DM

Folge des starken Wachstums: Ehrendingen muss Bauland einzonen. AZ-Archiv/DM

An einer Zukunftswerkstatt mit der Bevölkerung hat der Gemeinderat beschlossen, dass Ehrendingen künftig nicht mehr ungebremst wachsen soll. Der Gemeinderat plant nun eine Revision der Bau- und Nutzungsordnung.

Ehe Renato Sinelli im Herbst als Gemeindeammann zurücktritt, lanciert er noch ein letztes zukunftsweisendes Projekt: Die Revision der Bau und Nutzungsordnung (BNO) soll in den kommenden Jahren ein moderates Wachstum Ehrendingens ermöglichen, wie er sagt. «Es geht uns langsam das Bauland aus.» Mit einer Zonenplanrevision soll nun Bauland eingezont werden.

An einer Zukunftswerkstatt mit der Bevölkerung hat der Gemeinderat beschlossen, dass Ehrendingen künftig nicht mehr ungebremst wachsen soll. Sinelli rechnet damit, dass die Gemeinde im Jahr 2030 rund 5500 bis 6000 Einwohner zählen wird.

Derzeit wohnen rund 4250 Menschen in Ehrendingen (siehe Grafik). «Dies würde einem moderaten Wachstum in den nächsten Jahren entsprechen.» Für den Ausbau der Abwasserreinigungsanlage Oberes Surbtal sei mit dieser Bevölkerungsprognose gerechnet worden.

Millionäre über Nacht

Wo genau in Ehrendingen neues Bauland geschaffen werden könnte, wolle er nicht prognostizieren, sagt Sinelli. Bereits hätten Landbesitzer den Wunsch deponiert, ihre Fläche möge eingezont werden.

«Über Nacht könnten sie so zu Millionären werden, weil ihr Boden 400 bis 800 Franken pro Quadratmeter statt wie bisher 4 bis 8 Franken Wert wäre. Der Gemeinderat muss sich darum unbedingt über eine Mehrwertabschöpfung Gedanken machen.»

Jede Gemeinde könne selber bestimmen, wie sie eine Mehrwertabschöpfung regeln möchte, sagt Sinelli. Eine finanzielle Abgabe der neuen Baulandbesitzer an die Gemeinde wäre sinnvoll, sagt der Ammann.

Dieses Geld müsste die Gemeinde zwingend für Infrastruktur verwenden. Gleichzeitig erachtet Sinelli eine Überbauungspflicht als notwendig. «Besitzer von neu eingezontem Bauland müssen vertraglich dazu gezwungen werden, das Land innerhalb von 15 Jahren zu überbauen.»

In der Vergangenheit hätten einige Landbesitzer die Flächen unbebaut gehortet, beispielsweise in der Absicht, es den Enkeln zu überlassen. Dies müsse mit der Revision der Bau- und Nutzungsordnung verhindert werden. «Man könnte festlegen, dass das Land wieder ausgezont wird, falls es innerhalb von 15 Jahren nicht bebaut wird.»

Wie hoch werden die Gebäude?

Die Gemeinde müsse sich ausserdem Gedanken zur Frage machen, wie hoch die Gebäude künftig gebaut werden dürfen. Sinelli plädierte in einem Gespräch mit der az im März dafür, in gewissen Zonen Bauten zu erlauben, die höher sind als bisher möglich.

Im Zuge der Zonenplanrevision müsse die Gemeinde ausserdem zusätzliches Gewerbeland bereitstellen. «Unser Gewerbe kann sich im Dorfinneren nicht entwickeln, an den heutigen Standorten gibt es kein Potenzial.»

Die grosse Herausforderung bei einer BNO-Revision sei die Erhaltung der Landschaft. «Wir müssen sparsam und sorgsam mit ihr umgehen, das hat die Bevölkerung an der Zukunftswerkstatt gefordert.»

Diesen Sommer soll an der Gemeindeversammlung ein Kredit gesprochen werden, der die Revision der Bau- und Nutzungsordnung möglich macht. Im Idealfall könnte sie ab 2017/2018 in Kraft treten, sagt Sinelli. Während rund 15 Jahren soll die neue Bau- und Nutzungsordnung bestand haben, also ungefähr bis ins Jahr 2030.

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