USA vs. Baden
6240 Kilometer: Ein Wahlamerikaner mit Badener Geist

Für die Badenfahrt nimmt Marco Zurmühle immer wieder einen weiten Weg auf sich.

Frederic Härri
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«UsVers» an der Oberen Halde ist Marco Zurmühles Lieblingsbeiz an dieser Badenfahrt. (Severin Bigler)

«UsVers» an der Oberen Halde ist Marco Zurmühles Lieblingsbeiz an dieser Badenfahrt. (Severin Bigler)

SEVERIN BIGLER

Wenn sich einige in diesen Tagen über die lange Anreise von Aarau oder Zürich an die Badenfahrt beklagen, kann Marco Zurmühle nur müde lächeln. Denn Zurmühle hat eine Strecke von 6240 Kilometern auf sich genommen und ist extra für das Fest aus den USA zurückgekehrt. Für den 61-Jährigen ist das jedoch keine Besonderheit: «Seit 1977 habe ich keine Badenfahrt und kein Stadtfest verpasst.»

Seit knapp 20 Jahren lebt Zurmühle in Westport im US-Bundesstaat Connecticut. Es habe ihn schon immer gereizt, einmal ins Ausland zu gehen, sagt er. Als er – als Banker bei einer Schweizer Grossbank angestellt – 1998 die Möglichkeit erhielt, vom beschaulichen Baden an die Ostküste der USA zu ziehen, schlug er zu. Von 1991 bis 1994 hatte er schon einmal in den USA gelebt, damals im New Yorker Stadtteil Manhattan. In der amerikanischen Grossstadt hat Zurmühle auch seine heutige Ehefrau kennengelernt, «an einem Tina-Turner-Konzert», wie er sagt. Mit ihr, ebenfalls Schweizerin, hat er zwei Kinder im Alter von 21 und 18 Jahren.

Badenfahrt bedeutet Heimat

Mit der Familie kehrt Zurmühle ein- bis zweimal im Jahr in die Schweiz zurück. So auch dieses Jahr, als die Familie ihren Sommerurlaub bei Freunden und Verwandten verbrachte. Man sei immer noch sehr stark hier verwurzelt, sagt er. Insbesondere mit Baden verbinde ihn einiges. Hier ist er geboren, hier hat er bis zu seinem Umzug gewohnt. Zudem hat er viele Jahre für den Volleyballclub Kanti Baden (VBC) gespielt und ist Ehrenpräsident des Vereins. An der letzten Badenfahrt vor zehn Jahren war der VBC mit einer eigenen Beiz vertreten. Auch dieses Jahr besucht Zurmühle mit den ehemaligen Mannschaftskollegen das Fest. Während der Badenfahrt wohnt er bei einem langjährigen Schulfreund in Wettingen.

Aus Sicht von Marco Zurmühle hat sich die Badenfahrt über die Jahre kaum verändert. «Die Badenfahrt ist immer gleich gut», findet er. Einzig falle ihm auf, dass immer mehr Leute kämen. Im Allgemeinen zeichne sich das Volksfest durch viele gute Ideen und Abwechslung aus.

Besonders gefalle ihm, dass es auch ruhige Restaurants und ein breites Musikangebot gebe. Seit Freitagabend hat Zurmühle keinen einzigen Tag an der Badenfahrt verpasst. Sein Highlight sei bisher die «UsVers»-Beiz gewesen, die er «die Bücherbar» nennt. Daneben habe ihn besonders die «Ouroborus»-Projektion am Stadtturm beeindruckt: «Dieses Projekt ist sackstark.»

Die schönsten Augenblicke der Badenfahrt:

Das grosse Schlussfeuerwerk über Baden.
44 Bilder
Die Samariter haben an der Badenfahrt alle Hände voll zu tun – vor allem wegen alkoholisierten Festbesuchern.
Mit dem Deckel beim Ländliparkhaus werden die speziellen Versus-Shirts gedruckt. Jedes ist ein Unikat.
Lisa Christ siegt bei der Anti-Miss-Wahl mit Slam Poetry.
Kurz vor Schluss der Badenfahrt ist klar: Viele der kunstvollen Beizen werden in unterschiedlichen Formen weiterleben. Im Bild: Die Badenfahrt-Beiz «UsVers».
Am letzten Festwochenende stehen die Besucher zum Teil bis zu einer Stunde Schlange.
Die Rakete der Universall-Beiz auf dem Schlossbergplatz.
In der Nacht auf Samstag wollten zwei junge Männer an einer Bar Becher stehlen, um sie gegen Bares einzutauschen. Doch die beiden Diebe machten die Rechnung ohne einen Gemeindeammann aus dem Zurzibiet.
Bei der Pascha Bar wird heute kein Konzert zu hören sein.
Festpässe sind ausgegangen: Neu lässt das OK Papierbändeli verkaufen.
Manchmal wird es an der Badenfahrt zu laut. Mehrere Beizen haben sich deswegen einen Rüffel eingefangen.
Badenfahrer ärgern sich über volle Busse und Wartezeiten. Transportunternehmen reagieren nun auf den Besucherandrang.
Die neue Miss Baden kommt aus Ehrendingen - sie heisst Ginette.
Das "usVers"-Team freut sich über 10'000 Franken Preisgeld.
Für Badenfahrer die zweitbeste Beiz: «beschränkt».
Kein Fake: Die Aussicht auf die Stadt von der Parzelle 5554 des Vereins Leviathan.
Im Festgebiet «Unten» schmückt die Beiz «Nour – Kafi Royal» die Limmatpromenade mit einem Setzkasten-Bau gefüllt mit Kräutern und Pflanzen.
Heinz Blaser packt an der Badenfahrt mit an.
Auf der "Schrottbodenalp" wird Theater gespielt.
Danzen auf Charlie's Dampfer.
Die Beiz "Beetli Schmied" des Vereins Baradore
Kreativ: die Beiz Zuflucht unter den Bögen.
Die Beiz "Kubbbeiz zum chliine Björn" des Aargauischen Kubbverbands, vor der immer wieder Kubb gespielt wird.
Wer verliebt sich bei diesem Anblick nicht in das malerische Baden?
Umgekehrt: Die Zürcher Zünfte beehren die Aargauer Badenfahrt.
Die schönsten Augenblicke der Badenfahrt
Exklusiv: Die Spanischbrötlibahn durfte als erste durch den neuen Bustunnel fahren.
Hoch hinaus.
Auch für Kinder ist die Badenfahrt ein Heidenspass.
Die SNCF-Lokomotive 30.R.1244 war am ersten Festsonntag mit ihrem Halt in Baden ein Publikumsmagnet.
Bei diesem Anblick schlägt wohl so manches Kinderherz höher – und nicht nur.
Hier steigt zehn Tage lang Party: unter der Hochbrücke.
Die Kreativität kennt keine Grenzen an der Badenfahrt: ein Pool in der Bar.
Die Raketenbeiz – ein Hingucker.
Jauchzen und Kreischen in der Lunapark-Region.
Innig: Ein Kuss während des Konzerts der Pedestrians
Mit allen Sinnen dabei: Der Dirigent des Wasserspiels, das beim Tränenbrünneli aufgeführt wird.
Leidenschaftlich: Adrian Stern bei seinem Konzert
Aufregend: Eine temporeiche Fahrt im Lunapark
Ausgelassen: Die Party-Nacht im Oceans Club
Konzentriert: Gezielter Wurf an den Kubb-Meisterschaften im Kurpark
Vorfreude: Blick aus dem Führerstand der Dampflock
Dynamisch: Ein Mädchen misst seine Kraft am Box-Automaten
Kreischend: Das Service-Team der Polygon-Bar in bester Laune

Das grosse Schlussfeuerwerk über Baden.

Alex Spichale

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