Pandemie
70 Corona-Fälle im Fislisbacher Altersheim – zwei Menschen sind an dem Virus gestorben

Rund 50 Bewohner und 20 Angestellte sind im Fislisbacher Alterszentrum mit dem Coronavirus infiziert worden. Wie konnte es dazu kommen? Verwaltungsratspräsidentin Edith Saner antwortet.

Pirmin Kramer
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Im Alterszentrum in Fislisbach ist die Hälfte der Bewohnerinnen und Bewohner positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Im Alterszentrum in Fislisbach ist die Hälfte der Bewohnerinnen und Bewohner positiv auf das Coronavirus getestet worden.

AZ-Archiv

«Wir haben das menschenmögliche getan, um einen Ausbruch zu verhindern», sagt Edith Saner, Verwaltungsratspräsidentin des Alterszentrums am Buechberg in Fislisbach. «Doch leider sind 50 Bewohner und 20 Angestellte positiv auf das Coronavirus getestet worden.» Zwei Personen sind vergangene Woche nachweislich an den Folgen des Virus gestorben. Bei einer weiteren Person sei unklar, ob Corona die Todesursache war.

Von den 118 Bewohnerinnen und Bewohnern hat sich also fast jede zweite Person angesteckt, wie «Blick» als erste Zeitung berichtete. «Wir können nur mutmassen, warum sich das Virus derart verbreiten konnte», sagt Saner. Vor zwei, drei Wochen sei der erste Fall aufgetreten. «Wir gehen davon aus, dass es durch Mitarbeiter ins Alterszentrum gelangte, die ohne Symptome waren. Als danach erste Menschen Husten und Fieber hatten, haben wir diese zwar sofort isoliert, aber es war schon zu spät», sagt Saner zur AZ. Die Schutzmassnahmen seien jederzeit eingehalten worden – sogar im Sommer galten im Alterszentrum am Buechberg, im Gegensatz zu anderen Institutionen, nach wie vor strenge Regeln.

Warum kein Massentest gemacht wird

Wie kann der Betrieb nun aufrechterhalten werden, trotz 20 Angestellten, die ausfallen? «Der Effort des Personals ist riesig, wirklich bewundernswert», sagt Edith Saner, die amtierende Aargauer Grossratspräsidentin. «Viele haben ihre Ferien gestrichen, andere haben ihre Pensen aufgestockt, alle leisten Überstunden. Und wir konnten auch kurzfristig Mitarbeitende engagieren. Das gesamte Personal lässt sich nicht unterkriegen, und sie unterstützen einander gegenseitig.»

Die Bewohnerinnen und Bewohner befinden sich in Quarantäne in ihren Zimmern, der Austausch der Bewohner untereinander sei nicht möglich, emotional sei dies natürlich nicht einfach, erklärt Saner weiter. «Aber wir lassen kontrollierte Besuche von Angehörigen weiterhin zu, wollen unsere Bewohner nicht komplett isolieren.» Auch Angehörige des Zivilschutzes stehen im Einsatz, sie gehen zum Teil einzeln mit den Bewohnern spazieren.

Alles werde dafür getan, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern – einen Massentest sämtlicher Bewohner, wie das andere Pflegeinstitutionen in der Schweiz teilweise machen, habe man aber nicht durchgeführt. «Wir testen, sobald jemand Symptome zeigt. Ein Massentest wäre eine Momentaufnahme und könnte zu falscher Sicherheit führen. Denn wird der Test zu früh im Infektionsverlauf durchgeführt, kann es fälschlicherweise zu einer negativen Diagnose kommen.»

Saner, die auch Präsidentin des Branchenverbands Vaka ist, dem Verbands der aargauischen Spitäler, Kliniken und Pflegeinstitutionen, macht sich Sorgen, dass das Pflege- und Betreuungspersonal in den Kantonen knapp werden könnte. «Wir haben keine genauen Zahlen, aber in vielen Langzeitpflegeinstitutionen befinden sich die Bewohner in Quarantäne. Dies hat zur Folge, dass viel mehr Personal benötigt wird. Etwa, um das Essen auf die Zimmer zu bringen.»

Auch im Alterszentrum im Grüt in Mellingen gab es vor wenigen Tagen Coronafälle. Vier Angestellte wurden positiv getestet. Mitte Woche sind die Massnahmen verschärft worden: Alle Bewohner, die das Haus verlassen und speziell über die Feiertage zu Angehörigen gehen, müssen danach für mindestens zehn Tag in Quarantäne gehen, heisst es auf der Webseite. Das Alterszentrum wird bestimmen, wann die Bewohner wieder ins Heim kommen können.

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