Baden
8000 Franken Steuergelder: Baden spendiert Stadtangestellten Massage

300 Mitarbeitende der Stadtverwaltung Baden kommen in den einmaligen Genuss einer Massage. Das kostet 8000 Franken - alles Steuergelder. Politiker kritisieren dies.

Pirmin Kramer
Merken
Drucken
Teilen

Die Nachricht versteckt sich auf Seite 21 des Geschäftsberichtes der Stadt Baden: Unter den Mitarbeitern habe man eine Umfrage durchgeführt, heisst es dort - Handlungsbedarf gebe es unter anderem bei der Arbeitsbelastung.

Bei den Massnahmen, die nun umgesetzt würden, ist das Stichwort «Massageangebot» aufgeführt.

Ein Massageangebot für Mitarbeitende der Stadtverwaltung - was genau muss man sich darunter vorstellen? Eilt ein Physiotherapeut herbei, wenn die Stadträte nach einer langen Sitzung über Nackenschmerzen klagen?

Antworten auf diese Fragen gibt Christine Bodmer, Leiterin Personal der Stadt.

«Wir wollten von unseren Angestellten wissen, was wir als Arbeitgeberin besser machen können. Einige der Massnahmen, die wir nun ergreifen, brauchen erst Zeit, bis sie sichtbar werden. Wir wollten aber auch für Verbesserungen sorgen, die sofort spürbar sind. Alle Mitarbeitenden der Stadtverwaltung mit mindestens einem 30-Prozent-Pensum dürfen sich darum nun einmal eine halbe Stunde lang massieren lassen.»

Das einmalige Angebot gelte seit Februar bis Juli für rund 300 Mitarbeitende. Die Massagen kosteten die Stadt Baden 8000 Franken. Zwei Sitzungszimmer stehen zur Verfügung: eines beim Stadthaus an der Rathausgasse, ein weiteres beim Klösterli an der Mellingerstrasse.

«Mir ist bewusst, dass in Zeiten, in denen Ausgaben und Einnahmen sehr gut abgewogen werden müssen, ein solches Massageangebot für Kritik sorgen könnte», sagt Bodmer.

«Man darf aber nicht vergessen, dass in der Privatwirtschaft und teilweise auch in anderen Städten mehr in das Wohlbefinden der Angestellten investiert wird.»

Zu den Badener Politikern, denen der steigende beinflussbare Nettoaufwand Sorge bereitet, zählt Conrad Munz (FDP).

«Dass die Stadt ein attraktiver Arbeitgeber sein möchte, daran gibt es nichts auszusetzen. Den Mitarbeitern aber Massagen anzubieten, das geht zu weit - auch wenn es die Stadt ‹nur› 8000 Franken kostet.» Um ihre Fitness müssten sich die Mitarbeiter in ihrer Freizeit kümmern, findet Munz.

SVP-Einwohnerrat Serge Demuth sagt: «Für mich ist dieser Umgang mit Steuergeldern völlig verantwortungslos.»

Die einmaligen 8000 Franken seien an sich nicht tragisch, es werde anderweitig mehr Geld zum Fenster hinausgeworfen.

«Der Stadtrat aber zeigt mit ständig neuen Ausgaben, die alles andere als zwingend erforderlich sind, dass er wirklich noch nicht begriffen hat, was auf unsere Stadt die nächsten Jahre zukommen wird.»