Repräsentative Umfrage
81 Prozent von Baden sagen Ja zur Fusion mit Ennetbaden

Vier von fünf Badenern wollen die Fusion mit Ennetbaden. Und die Nachbargemeinde zeigt sich trotz «erschwerter Situation» gesprächsbereit. Obwohl Ammann Pius Graf glaubt, dass die Affäre Geri Müller die ohnehin knappe Ausgangslage sicher nicht zugunsten einer Fusion verbessert hat.

Martin Rupf
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lick von Baden Richtung Ennetbaden – ab 2018 eine Gemeinde?

lick von Baden Richtung Ennetbaden – ab 2018 eine Gemeinde?

Martin Rupf

«Ja, ich will!» Was Braut und Bräutigam vor dem Altar bekräftigen, könnte sich schon bald zwischen Baden und Ennetbaden abspielen. Zumindest an Baden würde eine Fusion mit der Nachbarsgemeinde nicht scheitern, wie eine repräsentative Umfrage zeigt. Auf die Frage «Würden Sie einem Zusammenschluss mit Ennetbaden zustimmen?» antworteten 81,3 Prozent mit Ja. Konkret: Von 504 Befragten würden stolze 410 einer Fusion mit Ennetbaden zustimmen.

Ob diese Zuneigung ennet der Limmat auf Gegenliebe stösst, ist mehr als fraglich. Und das, obwohl es diesen Sommer noch so gut aussah. Denn an der Gmeind im Juni hiess eine knappe Mehrheit einen Antrag gut, wonach der Gemeinderat dem Stimmvolk einen Projektierungskredit zur Abstimmung vorlegen soll.

Mit diesem soll die Entscheidungsgrundlage für einen Zusammenschluss mit Baden allein oder zusammen mit anderen Gemeinden erarbeitet werden.

Die Rede war davon, dass die Stimmbürger bereits an der November-Gmeind über den Kredit hätten befinden können. Doch daraus wurde nichts: Nachdem Mitte August die Affäre um die Nacktfotos vom Badener Stadtammann Geri Müller aufgeflogen war, trat der Ennetbadener Ammann Pius Graf (SP) auf das Bremspedal: Die Gespräche mit der Stadt Baden seien noch nicht so weit fortgeschritten. Als Grund führte Graf damals an: «Der Gemeinderat von Ennetbaden wartete die Klärung der Situation ab.»

Graf: «Schlechtere Ausgangslage»

An der Gemeindeversammlung vorgestern Abend konnte Graf den Anwesenden aber mitteilen, dass die Gespräche zwischen der Gemeinde Ennetbaden und der Stadt Baden bezüglich eines möglichen Zusammenschlusses nun wieder aufgenommen werden. Bedeutet das also, die Situation in der Badener Exekutive ist für den Gemeinderat von Ennetbaden wieder geklärt? «Nein, eigentlich überhaupt nicht. Mann kann sogar sagen, die Situation für zielführende und erfolgreiche Verhandlungen ist sehr erschwert», so Graf deutlich. Man nehme die Gespräche aber gleichwohl wieder auf, «weil wir diesen Auftrag von der Bevölkerung gefasst haben und weil das Thema Fusion auch in unseren Legislaturzielen enthalten ist».

Graf betont aber auch, dass aktuelle Geschehnisse bei einem solchen «Jahrhundertprojekt» ausgeklammert werden müssen. «Alle Beteiligten müssen mit Professionalität und Distanz an die Sache gehen.»

Ob das Ennetbadener Stimmvolk dazu in der Lage ist, sei offen. «Die ohnehin knappe Ausgangslage hat sich wegen der jüngsten Geschehnisse in Baden sicher nicht zugunsten einer Fusion entwickelt», glaubt Graf. Denn Stimmbürger würden immer auch aus dem Bauch entscheiden, «erst recht bei einem emotionalen Thema wie Fusionen», so Graf.

Würden Baden und Ennetbaden heute fusionieren, würde die Gemeinde knapp 22 000 Einwohner zählen und wäre somit die grösste Aargauer Gemeinde. Ursprünglich sah der Fahrplan vor, eine mögliche Fusion auf Beginn der neuen Legislatur Anfang 2018 zu realisieren. «Das ist sehr ambitioniert; ich glaube nicht, dass dieser Fahrplan noch realistisch ist.» Dies umso weniger, als weitere Gemeinden hinzustossen könnten und dort dann der Prozess erst noch in Gang gesetzt werden müsste. Denn für Graf ist klar: «Eine Fusion nur von Baden und Ennetbaden macht wenig Sinn; weitere Nachbarsgemeinden müssen ins Boot geholt werden.»

Was sind die nächsten Schritte? Geri Müller: «Der Stadtrat hat eine Delegation festgelegt, um an einer gemeinsamen Sitzung mit dem Gemeinderat Ennetbaden, das weitere Vorgehen zu besprechen und zu konkretisieren.»

Lesen Sie nächste Woche im Badener Tagblatt, wie Badenerinnen und Badener zu einem Zusammenschluss mit Wettingen und Neuenhof stehen.

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