Baden
830000 Franken für 232 Velo-Ständer? Kritik an Badens Hightech-Velostation

In Baden soll es eine bewachte Velostation geben für 232 Velos. Doch das kostet die Stadt 830000 Franken. Obwohl der Bedarf nach weiteren Velo-Abstellplätzen soweit unbestritten ist, beanstanden Bürgerliche die Pläne des Stadtrates.

Pirmin Kramer
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Baden will überwachte Velostation: Veloständer für 830000 Franken?

Baden will überwachte Velostation: Veloständer für 830000 Franken?

Keystone

Bereits vor der Sitzung des Einwohnerrates am Dienstag sorgt die geplante Velostation für emotionale Voten: «In einer Zeit, in der wir sparen müssen, will der Stadtrat 830 000 Franken für 232 Velo-Parkplätze ausgeben – meiner Meinung nach eine bodenlose Frechheit», schreibt Stefanie Heimgartner (SVP), Vizepräsidentin des Einwohnerrates, auf Facebook.

Die provisorische, bewachte Velostation soll gemäss Vorlage Fahrräder dank elektronischem Zutrittsystem vor Diebstahl und Vandalismus schützen. Das Projekt des Stadtrates sieht derzeit 232 Veloabstellplätze vor, als Betreiberin hat sich die Sozialfirma Lernwerk angeboten.

Als einer der ersten Politiker öffentlich Kritik geäussert hat SVP-Präsident Serge Demuth. «Der Stadtrat scheint noch immer nicht begriffen zu haben, dass die Stadt Baden einer finanziell höchst unsicheren Zukunft entgegensteuert», schreibt er auf Facebook.

Zum Baukredit von 830 000 Franken kämen jedes Jahr die beantragten Betriebskosten von 98 000 Franken hinzu; gleichzeitig entgingen der Stadt jährliche Parkplatzeinnahmen von 36 000 Franken, rechnet Demuth vor. «In den nächsten 15 Jahren würde die Velostation also 2,8 Mio. Franken kosten.»

SP wünscht zusätzliche Waschanlage

Kritik an der Vorlage äussert auch die FDP-Fraktion. Die Forderung nach mehr Veloabstellplätzen sei zweifelsohne berechtigt. Der Standort auf dem Südhausareal scheine ebenfalls der richtige zu sein.

Die Höhe der Kosten für die Realisierung und den späteren Betrieb einer bewachten Velostation sei in diesem Umfang aber nicht angebracht. Stattdessen sollten günstigere, gedeckte Veloabstellplätze realisiert werden, fordert die FDP-Fraktion, und kündigt an: «Wir werden die Anträge ablehnen.»

Der Bedarf nach weiteren Velo-Abstellplätzen beim Bahnhof sei zwar unbestritten, schreibt auch die CVP. Die Vorlage zur provisorischen, bewachten Velostation sei aber lückenhaft, und die entstehenden jährlichen Folgekosten seien beträchtlich. Die CVP-Fraktion steht der Vorlage kritisch gegenüber und bevorzugt eine unbewachte Variante.

Während die bürgerlichen Parteien die Kosten der geplanten Velostation kritisieren, gefällt der SP das Projekt – sie würde sogar einen Ausbau begrüssen:

Die Velostation fördere die nachhaltige Mobilität, was insbesondere auch im Hinblick auf den Umbau des Schulhausplatzes notwendig sei. «Auch den möglichen Ausbau der Dienstleistungen begrüssen wir, würden uns da aber zusätzlich auch noch eine Velo-Waschanlage wünschen.»

Der Baukredit geht auf eine Vorlage der Einwohnerrätin Beatrice Schilling (Grüne) zurück. «Für einen Bahnhof in der Grösse und Wichtigkeit von Baden ist eine Velostation schlicht ein Muss», schreibt die Partei. Eine Velostation sei viel mehr als nur ein Veloabstellplatz:

«Eine Velostation ist ein wichtiger Puzzlestein für eine nachhaltigere Mobilität. Es können dort auch wertvollere Velos samt Helm und Gepäck sicher und geschützt abgestellt werden.»

Der vorgesehene Betreiber könnte zwölf Arbeitsplätze für Langzeitarbeitslose schaffen und Dienstleistungen rund ums Velo anbieten, die Fahrräder etwa putzen und pumpen, argumentiert die Grüne Fraktion. «In anderen Städten bewähren sich Velostationen mit ähnlichen Modellen sehr.»

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