Im Jahr 1045 wurde Wettingen zum ersten Mal urkundlich erwähnt. 2020 ist das genau 975 Jahre her. Und das soll gebührend gefeiert werden: In 372 Tagen findet vom 14. bis 23. August zehn Tage lang unter dem Motto «Atmosphäre» ein grosses Volksfest statt. In den letzten Monaten konnten sich Vereine und andere mit ihren Ideen für einen Platz am Fest bewerben: «Insgesamt sind 115 Anmeldungen eingegangen», sagt Paul Koller, Präsident des Organisationskomitees «975 Jahre Wettingen». «Wir sind positiv überrascht über die Anzahl der Anmeldungen und vor allem auch über deren Vielfalt», schwärmt dieser.

Bewerbungen kamen nicht nur von Wettinger Vereinen und Einwohnern, sondern auch aus Nachbarsgemeinden, eines der erklärten Ziele des OKs. So werden zum Beispiel Neuenhof und Baden ebenfalls einen Beitrag beisteuern. Aber auch auf Zürcher Boden, genauer in Otelfingen und in Niederweningen, hat das OK für sein Fest geweibelt und Infoveranstaltungen durchgeführt, um die Gemeinden dafür zu begeistern. Das hat geklappt: «Otelfingen hat sich auch mit einem Konzept beworben.»

Nun hat für das OK, bestehend aus insgesamt 17 Personen, eine Art Auslegeordnung begonnen: die Platzierung der Bewerber. «Wir wollen eine vernünftige Zuteilung», sagt Koller. Die Bewerber werden in Themenbereiche zusammengefasst und an die drei Festgebiete angepasst, die auf der Zirkuswiese, der Hardmatt sowie beim Sportzentrum Tägerhard zu finden sind. «In der Hardmatt wird zum Beispiel eher Jugend- und Kleinkunst anzutreffen sein», so Koller. «Auf einer kleineren Bühne soll es beispielsweise diverse Theateraufführungen geben.» Etwas lauter wird es beim Sportzentrum Tägi zugehen. Neben Lunapark und «dem grössten Riesenrad der Schweiz» wird sich hier auch die Open-Air-Bühne befinden. Auf dem Erdbeerfeld in der Nähe haben zwischen 3000 und 4000 Besucher Platz, die täglich in den Genuss von zwei bis drei namhaften «Attraktionen», wie es Koller nennt, kommen werden.

Dabei soll es sich um lokale, regionale und nationale Künstler handeln. Die Vorbereitungen sind bereits im Gang: «Der Landwirt hat die Fruchtfolge dieses Jahr so gelegt, dass das Feld keinen Schaden nehmen wird.»

Finanzierung sorgte für Spannungen

Das ganze Fest kostet insgesamt 2,8 Millionen Franken, ein umstrittenes Thema zu Beginn dieses Jahres. Der Einwohnerrat musste bei seiner ersten Sitzung im Januar über einen Kredit von 450'000 Franken als Gemeindebeitrag an das 975-Jahr-Jubiläumsfest entscheiden. Dieser wurde nach einem Antrag der Finanzkommission auf 300'000 Franken gekürzt (die AZ berichtete). Das machte der Vorfreude des OKs aber keinen Abbruch: «Auch das ist ein schöner Betrag, mit dem wir arbeiten können», findet Koller.

Eine der Einnahmequellen werden die «Festbändeli» sein. Die Preise dafür sind wie folgt festgelegt: Ein Tagespass kostet 10, ein Festpass 40 Franken. Besucher unter 16 Jahren bezahlen keinen Eintritt. Im Oktober startet der Vorverkauf. Von Gratiseintritten werden die Anwohner der drei Festgebiete profitieren können. Damit diese so gut wie möglich geschützt sind, werden die Festgebiete abgegrenzt: «Es wird Eingangsbereiche geben». Ausserdem werden die Anwohner in den nächsten Monaten zu einem Infoanlass eingeladen, an dem sie auch ihre Bedenken und Anliegen einbringen können.

RVBW-Bus als Werbeträger

Anfang Juli war das OK ausserdem drei Tage lang mit einem auffällig gelben Mobil am «Wettiger Fäscht», das 2020 nicht stattfinden wird, anwesend. Das Interesse an der «Atmosphäre» sei gross gewesen, so Koller, nur: «Einige wussten noch gar nichts davon.»

Um mehr Menschen zu erreichen, wird ab nächstem Mittwoch ein leuchtendgelber RVBW-Bus der Linie 3 im Einsatz stehen, bis zum Ende des Festes. Der Bus soll «Atmosphäre» verbreiten – und die Vorfreude schüren.