Der 975. Geburtstag von Wettingen im Jahr 2020 soll gross gefeiert werden: mit Feierlichkeiten durch das ganze Jahr und dem Höhepunkt einer zehntägigen Jubiläumsfeier vom 14. bis 23. August 2020. Das Fest mit dem Titel «Atmosphäre» kostet natürlich Geld. Insgesamt wurden 2,8 Millionen Franken budgetiert. Der Grossteil davon soll mit Einnahmen von Sponsoren, Vereinen und Eintritten finanziert werden.

Das nach intensiven Vorbereitungsarbeiten erstellte Budget wies am Ende einen negativen Betrag von 450'000 Franken aus, erklärt Paul Koller, Präsident des Organisationskomitees. Diesen Betrag will nun die Gemeinde beisteuern, um ein ausgeglichenes Budget für die Jubiläumsfeier sicherzustellen. Das entsprechende Kreditbegehren wird nächsten Donnerstag an der ersten Einwohnerratssitzung des Jahres zur Genehmigung vorgelegt – und für Diskussionen sorgen.

Die Finanzkommission (Fiko) stellt einen eigenen Antrag an den Einwohnerrat: Sie fordert die Reduktion des Beitrags der Gemeinde um 150'000 auf 300'000 Franken. Grossmehrheitlich sei die Fiko der Meinung, dass dieser Betrag für das Fest genüge; für eine der am höchsten verschuldeten Gemeinden im Kanton. «Mehr können wir uns nicht leisten», sagt Fiko-Präsident und CVP-Einwohnerrat François Chapuis. Die Finanzkommission verlangt zudem, dass verbindlich festgelegt wird, den Betrag als Kredit im Budget 2020 aufzunehmen. Ausserdem soll die Gewinnverteilung bereits im Voraus klar geregelt werden, um ein erneutes «Little Wettige» zu vermeiden. Sie fordert deshalb die Gründung eines Vereins, in dessen Statuten festgehalten wird, dass allein der Gemeinderat Wettingen entscheidet, wie der Gewinn verteilt werden soll.

Realistisches Budget

Auch OK-Präsident Paul Koller weiss darum, dass es sich bei den 450'000 Franken um einen stolzen Betrag handelt. Doch: «Das Budget, das wir aufgrund der Vorarbeiten erstellt haben, basiert auf realistischen Einschätzungen», so Koller. Bei einer Reduktion dieses Betrags wäre nicht mehr das gleiche Fest möglich: «Dann müssen wir entweder andere Einnahmen finden oder die Leistung reduzieren.» Bei einer Ablehnung des Kreditbegehrens, wie auch des Fiko-Antrags, würde es zudem eng mit der Zeitplanung.

Um für das Fest und den Beitrag zu weibeln, ging das OK bei den Fraktionen vorbei, erzählt Koller. Eine der Aussagen, die ihnen am häufigsten begegnete, war, dass die 450 000 Franken ein arroganter Beitrag sei: «Aber wir müssen das in Relation setzen. Was kriegen wir dafür?» Sie hätten gespürt, man will dieses Fest, aber nicht unbedingt für diesen Preis.

Das zeigen auch die Fraktionsberichte der verschiedenen Parteien. SP/Wetti Grüen, die CVP und die SVP unterstützen den Antrag der Finanzkommission, die EVP gibt sich zurückhaltender: «Aus der Information des OK-Präsidiums haben wir den Eindruck eines angemessenen Realitätsbezuges in der Planung des Festes erhalten. Wenn Leute von Wettingen für Leute aus Wettingen etwas Tolles auf die Beine stellen, schweisst dies langfristig zusammen.»

Riesiges Interesse

Koller fände es toll, wenn der Betrag von 450'000 Franken trotz aller Bedenken durchkomme. Die Feierlichkeiten werden «in der Bevölkerung etwas bewegen», ist sich Koller sicher. Das habe man schon bei der ersten Informationsveranstaltung im Dezember gesehen: «Es hatten sich 170 Vereine angemeldet und mehr als 200 Personen sassen im Rathaussaal – so viele wie sich hier wohl noch nie eingefunden haben.»

Egal, wie die Abstimmung über das Kreditbegehren ausgehen wird, die Vereine können sich so oder so ab 1. Februar für das Fest anmelden: «Ich beisse mir lieber die Zunge ab, als zu sagen, dass wir bei einer Ablehnung des Kredits alles hinschmeissen», sagt Koller. «Dann werden einfach nur die Karten neu gemischt».