«Phantom Lady»
Aargauer Fussballmäzenin wird von Englands Presse gefeiert

Als Katharina Liebherr von ihrem Vater den FC Southampton erbte, waren Fans und Presse wenig begeistert. Dies hat sich aber geändert, der Club mit der geheimnisvollen Mäzenin mit Heimatort Obersiggenthal ist auf Champions-League-Kurs.

Pirmin Kramer
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Katharina Liebherr im Stadion in Southampton: Ihr Heimatort ist Obersiggenthal, sie wohnte in Ennetbaden.

Katharina Liebherr im Stadion in Southampton: Ihr Heimatort ist Obersiggenthal, sie wohnte in Ennetbaden.

IMAGO

Britische Medien nannten sie im Januar 2014 die «Phantom Lady»: Katharina Liebherr, Besitzerin des FC Southampton, gilt als öffentlichkeitsscheue Mäzenin, deren Biografie weitgehend unbekannt ist. Ihr Alter wurde letztes Jahr in Zeitungen wahlweise mit 35, 36 oder 37 Jahren angegeben. Die Frau ohne Twitter- und Facebook-Account sei eine Anomalie im öffentlichkeitshungrigen Fussballbusiness, schreibt «The National».

Gemäss Handelsregister ist ihr Heimatort Obersiggenthal, und sie lebte in Niederrohrdorf und Ennetbaden, ehe sie letztes Jahr nach Wollerau SZ zog. Obwohl sie also kaum Spuren hinterlässt, ist Katharina Liebherr in England inzwischen jedem Fussballkenner ein Begriff: Ihr FC Southampton ist auf Champions-League-Kurs – obschon im Sommer die fünf besten Spieler für 117 Millionen Franken verkauft wurden.

«Ein Sensationsteam in Schweizer Hand», «überirdische Erscheinung» oder «wundersamer Aufschwung» lauten die Schlagzeilen über Liebherr und den Fussballverein. Sie habe den Verein durch stürmische Zeiten der Veränderung geführt, lobt die «Daily Mail».

Die «Saints», wie die Mannschaft genannt wird, befinden sich seit 2009 in Händen der Liebherrs. Als der Verein in der dritten Liga vor der Insolvenz stand, kaufte und rettete ihn Markus Liebherr – für angeblich nur gerade 13 Millionen Euro. Sein Vater hatte mit seinem Baumaschinenkonzern ein Familienimperium aufgebaut; die Nachkommen besitzen gemäss «Bilanz» ein Milliardenvermögen. Ein Angehöriger der Liebherr-Familie lebt in Nussbaumen, Willi Liebherr, der als reichster Aargauer gilt.

Nach dem Tod von Markus Liebherr im Jahr 2010 erbte Tochter Katharina den FC Southampton – und begann dort 2013, in das Geschäft einzugreifen. Als Geschäftsführer Nicola Cortese den Verein verlassen musste – auch er lebte zeitweise in Ennetbaden und kennt die Liebherr-Familie gut – geriet die Mäzenin ins Rampenlicht.

Sie wurde in der Presse als «Traumzerstörerin» bezeichnet, hatte der FC Southampton unter Cortese doch die Rückkehr in die höchste Liga geschafft. Liebherr interessiere sich gar nicht für Fussball, wurde kolportiert. Als sie im Frühling den in England fast unbekannten ehemaligen Schweizer Eishockey-Nationaltrainer Ralph Krueger an die Südküste holte und zum Vorstandsvorsitzenden machte, gab es nur wenige Kommentare, die so positiv waren wie derjenige in «The National»: Krueger sei eine typische Liebherr-Wahl, die zeige, dass sie wie ihr Vater denke – Krueger verbinde sportliches und ökonomisches Wissen. Im Gegensatz zu Liebherr scheut Krueger das Rampenlicht nicht – er gilt inzwischen als Sprachrohr Liebherrs und sagte über sie im «SonntagsBlick»: «Es war erfrischend, diese Frau kennenzulernen.» Schon in den ersten Gesprächen habe er gemerkt, «dass wir gleich ticken». Sie sei eine «tolle Frau».

Die neue Konstellation im Verein vermochte die Fans diesen Sommer aber nicht zu überzeugen – es machte sich gar Ernüchterung breit. Als die Konkurrenz den «Saints» die wichtigsten Spieler wegkauften, zweifelten die Fans, ob am ersten Spieltag überhaupt noch elf konkurrenzfähige Spieler auflaufen würden. Southampton galt als Abstiegskandidat, und das Vertrauen in die Führungsriege schwand.

Und nun reiten die Saints auf einer Erfolgswelle, liegen auf Platz vier in der Tabelle, vor grossen Vereinen wie Tottenham und Liverpool. Arsenal-Coach Arsène Wenger – auch seine Mannschaft hat bisher weniger Punkte gesammelt als die Südengländer – bezeichnete die Southampton-Verantwortlichen als «Wundertäter».

Auch die «Daily Mail», welche Liebherr erst kritisiert hatte, gesteht nun ein: «Katharina Liebherr macht einen guten Job.» Von dem Meinungsumschwung in den Medien lässt sie sich aber nicht beirren, bleibt ihrer zurückhaltenden Linie treu, sonnt sich nicht im Scheinwerferlicht.

«The National» vermutete denn auch, dass Katharina Liebherr jetzt, wo der Vorstand nach ihren Wünschen zusammengesetzt ist, eine «hands-off-ownerin» sein wird; eine Besitzerin also, die sich zurückhält und wieder von der Bildfläche verschwinden wird, auf der sie vor gut zwölf Monaten aufgetaucht war.

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