Wiedereröffnung

Aargauer «Gault Millau»-Liebling beendet Lockdown – und kehrt mit neuen Kreationen zurück

Manuel und Alexandra Steigmeier empfangen im Restaurant Fahr wieder Gäste.

Manuel und Alexandra Steigmeier empfangen im Restaurant Fahr wieder Gäste.

Trotz anfänglicher Zweifel öffnet das Restaurant Fahr in Künten-Sulz wieder seine Türen. Mit neuen Kreationen und ohne Maskenpflicht.

Mitte März hatte sich das junge Wirtepaar des Restaurants Fahr auf den sozialen Medien mit den Worten «Bis bald, wir kommen wieder» in den Lockdown verabschiedet. Als sich im April ein warmer Sonnentag an den anderen reihte, war das nicht immer leicht zu ertragen. Es waren potenziell umsatzreiche Tage, die an Alexandra und Manuel Steigmeier und ihrem Restaurant mit der grosszügigen Terrasse vorbeizogen.

Wenige Monate zuvor waren sie vom Restaurantführer Gault Millau mit 15 Punkten ausgezeichnet worden. Als «Senkrechtstarter und aufsteigender Stern» wurden sie gefeiert. «Schon lange nicht mehr hat uns ein Jungkoch so überzeugt», schrieb die Gourmet-Bibel über Manuel Steigmeier und fragte: «Erleben wir hier den Aufstieg eines grossen Talents?» Mit drei weiteren Restaurants bildet das «Fahr» in Künten-Sulz die Spitze der Aargauer Gastroszene.

Gestern nun konnte das Paar, das im Herbst geheiratet hatte, sein Versprechen einlösen: Das «Fahr» hat wieder geöffnet. «Wir machen das mit einem guten Gefühl», sagt Manuel Steigmeier. Doch es gab auch Zweifel. Noch vor zwei Wochen zeigten sich die Steigmeiers skeptisch, ob eine Wiedereröffnung mit Schutzmasken und Abstandsregeln Sinn mache. Spitzengastronomie und das «Fahr-Erlebnis» seien unter diesen Umständen nicht realisierbar, so die Befürchtung. «Aber weil das Maskentragen im Service nun doch keine Pflicht ist, fällt uns dieser Schritt umso leichter», sagt Manuel Steigmeier und fügt an: «Aus finanziellen Überlegungen hätten wir auch mit einer Maskenpflicht die Türen wieder geöffnet.»

Vermieter verzichtet auf Einnahmen

Dass sie verhältnismässig gut über die Runden gekommen sind, verdanken sie auch ihrem Vermieter Viktor Bosshard, der gestern zu den ersten Gästen zählte. Bosshard hatte während des Lockdowns auf die Miete verzichtet. «Darüber sind wir unglaublich froh», sagt Manuel Steigmeier. Denn als junge Unternehmer seien sie längst nicht gegen jede Krise gewappnet. Für die sechs Mitarbeiter hatte das Paar Kurzarbeit beantragt, mit einem Take-away-Service sorgten sie für ein Lebenszeichen. «Es ging dabei weniger ums Geldverdienen, als vielmehr um die Botschaft: Uns gibt es noch», sagt Steigmeier.

Das Ehepaar Alexandra und Manuel Steigmeier in ihrem Restaurant Fahr. (Archiv)

Das Ehepaar Alexandra und Manuel Steigmeier in ihrem Restaurant Fahr. (Archiv)

Der Lockdown bot auch Chancen: an Menus tüfteln, in Kochbüchern schmökern, im Wald Fichtennadeln sammeln für Dessert-Kreationen. Nun kehrt das «Fahr»-Team in voller Stärke zurück. Sämtliches Personal ist an Bord, auf die Gäste warten komplett neue Gerichte. Wie gewohnt ist die Karte regional und saisonal ausgerichtet.

«Einige Produkte sind derzeit schwieriger zu bekommen», sagt Steigmeier, «aber im Grossen und Ganzen fehlt es an Nichts.» Auch platzmässig muss sich das «Fahr» dank der grosszügigen Räumlichkeiten kaum einschränken. Der Abstand der Tische betrug früher rund 1,7 Meter, nun sind es deren zwei. 42 Gäste finden Platz, kaum weniger als zu den normalen Zeiten. Nur auf die grossen Hochzeitsgesellschaften muss das frisch verheiratete Paar wohl noch etwas länger warten.

Die Aargauer Gault-Millau-Restaurants 2020:

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