Prozess
Aargauer Internet-Betrüger ergaunerte Viertel-Million Franken

Ein Jahr lang beklaute ein Aargauer seinen Arbeitgeber, einen Zürcher Metallbaukonzern. Er verkaufte diverse Elektronikartikel über Plattformen wie Ricardo. Nun hat er vom Bezirksgericht Zürich die Quittung erhalten. Das Urteil: 2 Jahre bedingt.

Attila Szenogrady
Drucken
Teilen
Der Betrüger klaute diverse Elektronikartikel und verscherbelte sie über verschiedene Kanäle. (Symbolbild)

Der Betrüger klaute diverse Elektronikartikel und verscherbelte sie über verschiedene Kanäle. (Symbolbild)

Keystone

Von Neuenhof aus hat ein Aargauer Angestellter eines Metallkonzerns auf Kosten seiner Arbeitgeberin diverse Elektronikartikel für rund 240'000 Franken bestellt und gewinnbringend weiterverkauft. Dank eines umfassenden Geständnisses kam der Schweizer mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten davon.

„Der Beschuldigte ist raffiniert vorgegangen und hat eine grosse kriminelle Energie an den Tag gelegt“, erklärte der Gerichtspräsident Alain Kessler anlässlich der Urteilseröffnung vom Donnerstag. Fest steht, dass der heute 33-jährige Angestellte eines Schweizer Metallkonzerns im Herbst 2013 aufflog und von der Polizei festgenommen wurde.

Während einer Untersuchungshaft von 18 Tagen legte der Schweizer aus Neuenhof ein umfassendes Geständnis ab. Demnach hatte er zwischen Juni 2012 und Juli 2013 im Namen seiner Arbeitgeberin diverse Elektronikartikel für über 240'000 Franken bestellt, für sich abgezweigt und gewinnbringend über Plattformen wie „ricardo.ch“ weiterverkauft.

Tatmotiv: Schulden

Vor Gericht führte der Aargauer aus, dass er anfänglich durch eine versehentliche Falschbestellung auf die Idee gekommen sei. Nachdem niemand etwas bemerkt habe, sei er in die Versuchung geraten, es selber zu probieren. Mit Erfolg.

Als Tatmotiv gab der Beschuldigte finanzielle Schulden an. So hätten er und seine arbeitstätige Freundin trotz Doppelverdienst über ihre Verhältnisse gelebt. Unter anderem hätten sie sich eine zu teure Wohnung geleistet und ein kostspieliges Auto geleistet. Zudem habe seine Partnerin nicht mit Geld umgehen können. Nicht zuletzt sei er zu stolz gewesen, um seinen vermögenden Vater um Unterstützung zu bitten.

Zahlreiche falsche Bestellungen

So kam es dazu, dass der Beschuldigte in erster Linie von Neuenhof aus zahlreiche falsche Bestellungen tätigte. Vor allem im Kanton Aargau. Wobei er vorwiegend von Neuenhof aus operierte und die Waren häufig direkt beim Lieferanten abholte. Zu seinen bevorzugten Zulieferern zählte die „Brack Electronics AG“ in Mägenwil. Alleine dieses Unternehmen machte einen Schaden von rund 35'000 Franken geltend. Den grössten Schaden von über 160'000 Franken trug allerdings die geprellte Arbeitgeberin des professionellen Betrügers.

Dank Reue und Geständnis zwei Jahre bedingt

Vor Gericht zeigte sich der Aargauer nicht nur umfassend geständig, sondern auch reumütig. „Es war schlecht und beschämend, was ich getan habe“, sah er ein. Er wolle jedenfalls für den gesamten Schaden aufkommen, stellte er seinen Opfern in Aussicht.

Da die Verhandlung im Rahmen eines abgekürzten Verfahrens stattfand, kam es zu einem kurzen Prozess. So hatten sich die Parteien bereits im Vorfeld auf Schuldsprüche wegen gewerbsmässigen Betrugs sowie Urkundenfälschung sowie auf eine bedingte Freiheitstrafe von 24 Monaten geeinigt. Worauf das Gericht den Urteilsvorschlag einstimmig absegnete.

Es liess seine Bedenken in eine längere Probezeit von vier Jahren einfliessen. So lastete es dem Beschuldigten rein egoistische Gründe für seine Delikte an. Der Beschuldigte ist heute bei einer anderen Firma angestellt und besucht einen Kurs für Führungsmanagement.

Aktuelle Nachrichten