Wohlenschwil
Aargauer lanciert die Modelinie Landjäger – und weckt Erinnerungen an «unsere Heimat, die Schweiz»

Vor 20 Jahren hat sich Mario Lang die Internet-Domain Landjäger gesichert, nun verkauft er unter diesem Label urchige Kleidungsstücke. Revolutioniert hat Lang die Modewelt nicht. Schlicht, aber auf die Zielgruppe gerichtet.

Andreas Fretz
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Mario Lang (r.), Gründer des Modelabels Landjäger, präsentiert seine Stücke.

Mario Lang (r.), Gründer des Modelabels Landjäger, präsentiert seine Stücke.

zVg

Es klingt ein bisschen wie eine Bieridee. Und bei dieser Bieridee geht es um die Wurst. Genauer: um Landjäger. Gemäss Wikipedia sind Landjäger umgerötete Rohwürste. Und diese haben es Mario Lang aus Wohlenschwil irgendwie angetan. «Landjäger wecken wohl in den meisten von uns Erinnerungen an Schulwanderungen und Klassenlager, Feuer im Wald und vor allem aber an eines: unsere Heimat, die Schweiz», sagt der 47-jährige Wohlenschwiler.

Die Schweiz, die Swissness und das Urchige, das mag Lang. Er schläft in Bettwäsche mit Schweizer Sujets und als 20-Jähriger ging er mit der Sennenkutte in die Disco. Schon vor 20 Jahren hat er sich die Internet-Domain Landjäger.ch gesichert. Lange lag sie brach. Als er vor etwas mehr als einem Jahr aus Spass einige T-Shirts mit Schweizer Kreuz anfertigte, war das die Geburtsstunde der Modelinie Landjäger.

Unterschiede zwischen Luftfahrt und Modelinie nicht gross

«Wenn ich etwas anpacke, dann will ich es wissen», sagt Lang. 2007 hat er eine Firma gegründet, die Helikopterflüge vermittelt. Zehn Mitarbeitende hat diese heute, generiert einen Umsatz von 3,2 Millionen Franken und ist auch in Deutschland und Österreich tätig.

Die Unterschiede zwischen der Luftfahrt und seiner Modelinie seien gar nicht so gross, findet Lang. Die Farben Rot und Weiss dominieren seine Kleidungsstücke und seien auch aus der Luftfahrt nicht wegzudenken. «Ich erinnere da an die Swiss, die Rega und nicht zuletzt an die Patrouille Suisse, der wir übrigens ein eigenes T-Shirt gewidmet haben», sagt Lang.

Kritik an der Produktion in Indien

Die Liebe zu Textilien liege in seinen Genen, führten doch seine Gross- und Urgrosseltern eine weitherum bekannte Schneiderei. Revolutioniert hat Lang die Modewelt nicht: Schweizer Kreuz, Edelweiss, Steinbock und Hirschgeweih zieren die Polo-Hemden, T-Shirts und Hoodies. Ein bisschen patriotisch, urchig und ländlich hip. Schlicht, aber auf die Zielgruppe gerichtet. Dass man seine Mode leicht schubladisieren kann, stört Lang nicht im Geringsten, gegen rechte Assoziationen wehrt er sich.

Von der Qualität seiner Baumwollprodukte überzeugt

Auch die Kritik in den sozialen Medien, dass seine Swissness-Produkte made in Indien sind, steckt er weg. «Man darf das kritisieren», sagt er. «Es war nie mein Anspruch, ein reines Schweizer Produkt herzustellen. Und schliesslich waren es geschäftliche Argumente, die nach Indien führten. In der Schweiz zu produzieren, wäre schlicht zu teuer.» Von der Qualität seiner Baumwollprodukte ist er überzeugt.

Fliegerei ist nach wie vor das Hauptstandbein

Im vergangenen Frühling sollte der Onlineshop eigentlich starten. Dann kam die Pandemie, die Produktion stoppte, die Lieferketten waren unterbrochen. Erst im Herbst ging es richtig los. Dafür fanden auch Stoffmasken mit Swissness Charakter den Weg ins Sortiment. Der Erfolg von Landjäger überrascht Lang. Der Shop macht bereits einen Umsatz von 2000 bis 3000 Franken täglich. Längst musste er Ware nachbestellen. Im Februar trifft eine neue Lieferung ein.

Für den Vertrieb ist Vater René Lang zusammen mit seiner Frau Brigitte ab dem Lager im luzernischen St.Erhard zuständig. Zunächst waren sie im Stundenlohn angestellt, seit Dezember arbeiten sie Vollzeit. Mario Lang ist für die Entwicklung und Leitung des Labels zuständig. Für den leidenschaftlichen Helikopterpiloten ist die Fliegerei aber nach wie vor das Hauptstandbein.