Fislisbach
Aargauer Menü-Tüftlerin wurde Kochweltmeisterin in Luxemburg

Zwei Jahre hat Sabrina Voser zusammen mit ihrem Team auf die Weltmeisterschaft hin trainiert – in ihrer Freizeit ist sie oft mit dem Töff unterwegs.

Christine Fürst
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Sabrina Voser in der Küche des Restaurants Zunfthaus zur Waag in Zürich

Sabrina Voser in der Küche des Restaurants Zunfthaus zur Waag in Zürich

Schweiz am Sonntag

Preise abzusahnen ist für Sabrina Voser nichts Neues: Schon als Lehrling war sie zweimal Zweitplatzierte beim Schweizer Kochwettbewerb Gusto in den Jahren 2006 und 2007, Drittplatzierte beim European Cooking Cup in Mainz und Zweitplatzierte beim kantonalen Dessertwettbewerb. Doch für die goldene Medaille hatte es für die Köchin aus Fislisbach noch nicht gereicht. Bis jetzt: Sie holte mit der Juniorennationalmannschaft des Schweizer Kochverbandes in Luxemburg im November den ersten Platz in der kalten und warmen Küche.

Zwei Jahre hat sie mit ihrem Team auf diese Weltmeisterschaft hin trainiert. Jeweils an den Wochenenden trafen sie sich im bernischen Witzwil bei ihrem Trainer Rasmus Springbrunn. In der Küche einer Strafanstalt hatten sie die Möglichkeit, ihre Gerichte auszutüfteln und zu kreieren.

24 Stunden durchgearbeitet

«Es war nicht immer einfach dort, zum Teil haben wir 24 Stunden in unseren Ferien und der Freizeit durchgearbeitet», sagt Sabrina Voser rückblickend. Das Team wurde vor zwei Jahren neu zusammengewürfelt, jeder kommt aus einem anderen Kanton. «Wir waren ehrgeizig und hatten dasselbe Ziel, Weltmeister zu werden, vor Augen», sagt sie.

Für die kalte Küche bereitete das Team einen Ausstellungstisch bestehend aus einer Showplatte, vier Finger-Food-Speisen, einem Vier-Gang-Menü, drei Desserttellern und ein grosses Schaustück zu. «Wir tüftelten so lange an den Speisen herum, bis jeder zu 100 Prozent hinter diesem Tisch stehen konnte.»

Schon als Kind hatte Sabrina Voser in der Küche herum hantiert. Zu Weihnachten jeweils verwandelte sie Mutters Küche in eine Backstube und zauberte die verschiedensten Guetzlisorten, lernte die Gemüse- und Früchtesorten im Garten kennen und pflegte den Kräutergarten. «Ich bin gerne in der Natur und lasse mich inspirieren», sagt die 22-Jährige. Ihre Küche besteht aus frischen Kräutern, frischem Saisongemüse und Obst.

Doch nicht alle Kräuter finden sich in Vosers Küche: «Peterli und Schnittlauch kann ich gar nicht sehen - ich nehme lieber etwas Spezielles wie Bergthymian, um einem Gericht den letzten Schliff zu geben.» Und sie fügt mit einem Lachen an: «Fast Food geht gar nicht - ausser vielleicht ab und zu mal Pommes. Ich lebe auf einem anderen Gout.»

Viel Ruhe und Geduld

Mit viel Geduld und Ruhe arbeitet Sabrina Voser an ihren Kreationen. Für die Weltmeisterschaft hatte sie zu Hause oder bei ihrem Trainer geübt: «Ich habe am liebsten meine Ruhe, dann kann ich stundenlang an den Menüs rum tüfteln.» Doch dazu gehören auch Verletzungen: Schnell ist ein Finger zwischen dem geschliffenen Messer und dem Gemüse oder der Unterarm am heissen Bachofenblech. Diese Verletzungen nimmt sie jedoch mit Humor für ihren Traumberuf in Kauf.

Wenn die Fislisbacherin nicht in der Küche ist, ist sie unterwegs. «Ich bin ein aktiver Mensch, bei mir muss immer etwas los sein», sagt sie. Sie geht ins Fitness, aufs Snowboard, in den Garten und lenkt sich ab beim Auto- oder Töfffahren. Und sie hat sich für eine Weiterbildung angemeldet: In Bern wird sie im Mai eine Stuntman-Ausbildung beginnen, neben ihrem 100-Prozent-Job im Zunfthaus zur Waag in Zürich. Was sie sich denn wünscht für die Zukunft? Mit einem Lachen sagt sie: «Vielleicht werde ich auch mal Chefin.»

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