«Töff». Das war das erste Wort, das Noe Zumstein sagen konnte. Und so überraschte es wenig, dass er auch schon bald Töff fahren wollte. Genauer Motocross. «Ausgerechnet Motocross», dachten sich dagegen seine Eltern. Sie, die beide sportbegeistert sind und viele verschiedene Sportarten betreiben, konnten mit Motorsport gar nichts anfangen. Trotzdem erfüllten sie ihrem Sohn seinen Wunsch. Im Alter von fünf Jahren sass Noe zum ersten Mal auf einem Töff. Und es hat ihn sofort gepackt. Mittlerweile fährt der 10-Jährige aus Künten seit mehreren Jahren Rennen, hat gar schon erste internationale Einsätze hinter sich und gehört in seiner Altersklasse (U12, 65 ccm) zur absoluten Spitze der Schweiz.

Auch die Eltern haben ihre kritische Haltung gegenüber dem Motorsport längst revidiert. «Motocrossfahren ist so viel mehr als einfach nur Gas geben. Ich kenne kaum eine andere Sportart, die psychisch und physisch derart komplex ist. Die Fahrer erbringen auf dem Töff enorme körperliche Leistungen, müssen das gesamte Rennen über die Konzentration hochhalten können und dürfen sich keine Fehler erlauben. Diese Leistung ist absolut beeindruckend», so Vater Erich Kohler, selber erfolgreicher Triathlet und mehrfacher Teilnehmer der Ironman-WM auf Hawaii.

Kaum Freizeit

Dass die Motocross-Fahrer körperliche Höchstleistungen erbringen müssen, zeigt sich auch daran, dass sie deutlich mehr neben als auf dem Motorrad trainieren. Das ist auch bei Kevin Brumann nicht anders. Der 14-jährige Ehrendinger absolviert vier Konditionseinheiten pro Woche. Auf dem Motorrad sitzt er dagegen «nur» ein bis zwei Mal. Hinzu kommen die Renneinsätze am Wochenende. «Wenn man im Motocross erfolgreich sein will, muss man einen grossen Willen haben und bereit sein, auf vieles zu verzichten. Freizeit bleibt nur sehr wenig übrig», sagt Kevin Brumann.

Bis zu 45 Wochenenden pro Jahr ist die Familie Brumann – auch Kevins ältere Geschwister Cyrill und Zoé fahren Motocross – für ihre grosse Leidenschaft unterwegs. Über 30’000 Kilometer legt die Familie jährlich zurück. Viele davon in ihrem Camper. Das schweisst die Brumanns zusammen. «Es ist ein unglaubliches Privileg, so viel Zeit mit unseren Kindern verbringen zu können», sagt Mutter Désirée.

Aber natürlich ist es auch ein enormer finanzieller und zeitlicher Aufwand. Denn selbst für die Trainings müssen im Motocross-Sport weite Strecken zurückgelegt werden. In der Schweiz gibt es bloss sechs fixe Strecken. Und auch die werden nur im Sommer betrieben und nicht jeden Tag. Wer also auch im Winter trainieren will, der muss ins nahe Ausland reisen. Meistens nach Italien, wo allein die Region Mailand mehr als 100 Motocross-Pisten aufweist.

Zumstein vor grösstem Erfolg

Der Lohn für den grossen Aufwand sind die sportlichen Erfolge. Und die konnte Kevin Brumann in diesem Jahr gleich reihenweise feiern. Der 14-Jährige dominiert als Neuling die nationale 125-ccm-Klasse nach Belieben. 17 von 18 Läufen hat er gewonnen und das, obwohl er einer der Jüngsten in dieser Rennklasse ist, in der Fahrer bis 25 Jahre startberechtigt sind. Den Schweizer-Meister-Titel hat er sich bereits 3 Rennen vor Schluss der Saison gesichert.

Noe Zumstein will es ihm gleichtun. Auch er will den Schweizer-Meister-Titel gewinnen. Einen zweiten und einen fünften Platz braucht er dafür bei der letzten von insgesamt vier Stationen des Scott Kids Cups. «Ich bin schon etwas nervös vor den letzten Rennen», gesteht Noe Zumstein vor seinem Einsatz an diesem Wochenende im Zürcher Oberland. Verständlich, denn der Titel wäre sein bislang grösster Erfolg. Und er wäre nach Kevin Brumann der zweite Aargauer Nachwuchsfahrer, der in dieser Saison einen nationalen Titel holt.

Das sind jedoch nicht die einzigen Gemeinsamkeiten der beiden. Auf die Frage, was ihnen am Motocrossfahren am besten gefällt, lautete die Antwort der beiden unisono: «Die Sprünge.» In der kommenden Saison fliegen die beiden Aargauer Motocross-Talente regelmässig gemeinsam durch die Luft. Noe Zumstein wechselt ins Team Patrick Walther Racing, für das auch Kevin Brumann fährt. So werden die beiden ab der kommenden Saison regelmässig gemeinsame Trainingstage absolvieren.