Baden

Aargauer Obergericht bestätigt 80'000 Franken Genugtuung – Frauenärztin brachte Patientinnen in Lebensgefahr

Gynäkologin muss wegen Betrug und Urkundenfälschung vor Gericht

TeleM1-Bericht zum Prozess vor dem Bezirksgericht - gegen die Genugtuungszahlungen hat sich die Gynäkologin jetzt ohne Erfolg vor dem Obergericht gewehrt.

Eine umstrittene Gynäkologin brachte schon vor Jahren in Baden mehrere Patientinnen durch schwere Operationsfehler in Lebensgefahr. Nun hat sich das Obergericht mit dieser Sache beschäftigen müssen.

Die Gynäkologin, eine heute 68-jährige Österreicherin, hatte bei einer Patientin die Gebärmutter regelrecht aufgeschlitzt und eine Arterie zerrissen. Die starke Blutung bemerkte sie erst nicht, obwohl sie der Anästhesist darauf aufmerksam gemacht hatte. Später schaffte sie es nicht, eine Blutung unter Kontrolle zu bringen und wartete zu lange, um eine Ambulanz anzufordern. Die beiden Frauen mussten im Kantonsspital Baden notoperiert werden. Bei einer Frau mussten Gebärmutter und Eileiter entfernt werden.

Im November 2018 kam es vor dem Bezirksgericht Baden zu einem grossen Prozess gegen die Frauenärztin. Das Gericht sprach sie schuldig wegen diverser Fälle von Betrug, Urkundenfälschung und Misswirtschaft. Nebst einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilte das Gericht die Ärztin zu Genugtuungszahlungen von 50'000 respektive 30'000 Franken an jene zwei Frauen. Dazu kamen Schadenersatzzahlungen in Höhe von rund 45'000 Franken sowie Gerichts- und Anwaltskosten für Gegenparteien.

Aus Afghanistan angereist

Die Gynäkologin ging wegen der Genugtuungszahlungen und rund 12'000 Franken Anwaltskosten der Privatklägerinnen in Berufung – ohne Erfolg. Das Aargauer Obergericht hat ihre Beschwerde nun abgelehnt und die Schuldsprüche bestätigt. Gegen die bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten hatte die Frauenärztin keine Berufung eingelegt. Das Bezirksgericht Baden hatte die Beschuldigte in drei Fällen vom angeklagten Vorwurf der eventualvorsätzlichen schweren Körperverletzung freigesprochen. Eine Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung war, wegen Verjährung, nicht mehr möglich gewesen.

Wie aus dem Urteil des Obergerichts hervorgeht, kann die Ärztin die Kosten zurzeit nicht begleichen. Für den Prozess vor dem Bezirksgericht reiste sie aus Afghanistan an, wo sie seit vier Jahren in einem Krankenhaus praktiziert. 2015 bestätigte das Bundesgericht ein sieben Jahre zuvor verhängtes Berufsausübungsverbot des Aargauer Gesundheitsdepartements gegen die Gynäkologin.

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