Wein
Aargauer Rebbauer: «Die Blütezeit der Reben ist so früh wie nie zuvor»

Herrliches Wetter begünstigt die Trauben des Jahrgangs 2011. Trotzdem: Die Trockenheit macht Aargauer Rebbauern Sorgen. Der Wassermangel wird sich früher oder später auch auf die Trauben negativ auswirken.

Hans Lüthi
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«Rebenblüten duften wunderbar»: Peter Rey, Rebbaukommissär.

«Rebenblüten duften wunderbar»: Peter Rey, Rebbaukommissär.

AZ

Blütebeginn der Reben schon im Mai, das gab es erstmals seit Menschengedenken im Jahr 2007. «Aber jetzt sind wir noch früher dran, die ersten Blauburgunder-Trauben blühten in Ennetbaden schon am 13. Mai», sagt Peter Rey, Leiter der Fachstelle für Weinbau in Liebegg-Gränichen.

«Jetzt ist Anfang Juni und der Blühet in den Rebbergen weitgehend vorbei», sinniert Rey bei einem Besuch im Fricktaler Rebberg Oeschgen. Normal sehen die jungen Trauben um den 20. Juni so aus, «wir haben einen Vegetationsvorsprung von drei Wochen».

Der Fachmann hat nach dem Austrieb einen Stillstand befürchtet, aber das ist bis jetzt nicht eingetroffen. Offensichtlich waren die tief wurzelnden Rebstöcke bisher in der Lage, genug Flüssigkeit aus den tieferen Bodenschichten zu holen.

Nur ein Bruchteil Niederschläge

Wo es noch ein paar letzte Blüten hat, duften diese und der ganze Rebberg wunderbar nach Parfum. Die weissen Trauben der Sorte Riesling × Sylvaner sind bereits erstaunlich gross, dank des sonnigen Wetters gab es keine Verrieselung. Optisch ist er erst durch breite Risse im Boden sichtbar, der akute Wassermangel, der auch den Reben immer mehr zu schaffen macht.

Während der Mai 2010 viel zu nass war, gab es diesmal von März bis Mai kaum Niederschläge. Der Mai brachte 3 bis 5 statt der üblichen 100 Millimeter Regen, «die ersten Junitage immerhin um die 25 Millimeter». Ohne einige Tage intensiven Landregen wird sich der Wassermangel früher oder später auch für die Trauben negativ auswirken, ist der Rebbaukommissär überzeugt. «Jungreben und Terrassen mussten bereits bewässert werden, denn sie trocknen am schnellsten aus», erklärt Peter Rey.

In 100 Tagen schon die Ernte

Im Juni des letzten Jahres betrug der Vegetationsrückstand 10 Tage, mit dem diesjährigen Vorsprung von drei Wochen ergibt sich ein voller Monat Differenz zwischen 2010 und 2011. Auch für die frühen Jahre gilt die Regel, dass zwischen dem Ende der Blütezeit und der Traubenlese rund 100 Tage vergehen. Bei den Riesling × Sylvanern «bedeutet das eine Ernte schon in der ersten Septemberwoche, genau wie im Hitzesommer 2003».

Mit der blauen Hauptsorte Pinot noir (Blauburgunder) kann man bei schönem Wetter bis in den Oktober hinein zuwarten - in der Hoffnung auf zusätzliche Öchslegrade. Ob es erneut jede Menge Wägungen über 100 Öchsle gibt wie beim legendären 2003er wird sich zeigen müssen. Der Vorsprung legt zwar eine gute Basis, aber genug Wasser und ein prächtiger Sommer und Herbst sind für eine Spitzenqualität nötig.

Hauptfeind noch wenig aktiv

«Der falsche Mehltau, unser Hauptfeind, war bisher überhaupt kein Thema», freut sich Peter Rey. Aber das kann sich fast über Nacht ändern, wenn es bei über 15 Grad Celsius auch viel Feuchtigkeit gibt. Dann breitet sich die Blattkrankheit fast explosionsartig aus.

Der echte Mehltau gilt als Problem für südliche Länder und für das Wallis. Fazit des Rebbaukommissärs nach dem viel zu warmen Frühling: «Die Voraussetzungen für einen sehr guten Jahrgang 2011 sind intakt - aber der Sommer dauert noch sehr lange.»

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