Bier gilt in vielen Köpfen heute noch als Männerdomäne. Um dem entgegenzuwirken, wurde letztes Jahr in den USA der internationale Frauen-Bierbrautag ins Leben gerufen. Dieses Jahr nahm die Schweiz daran teil – speziell auch unsere Region. Brauerin Sophia Wagner von der Wettinger Brauerei Lägerebräu stellte gemeinsam mit zwei Brauerinnen aus Rapperswil und Stabio TI das erste nur von Frauen gebraute Bier der Schweiz her: Das «Gikiginger» – ein rötliches, scharf-würziges Craft-Bier mit einem Stich Ingwer.

«Ich hatte vorher nie ein Bier gebraut mit Ingwer», sagt Sophia Wagner. Auf 1000 Liter Bier hätten sie sieben Kilogramm Ingwer beigefügt. Vom Geschmack her entspricht das sogenannte Frauenbier keinen Geschlechterklischees wie etwa, dass es besonders weich, leicht oder süss sein muss. Im Gegenteil: Durch die rötliche, eher herbe Malzmischung und die Schärfe durch den Ingwer ist das «Gikiginger» ein Bier mit dezidiertem Charakter und voll im Geschmack. Ab dieser Woche wird es im Biergarten der Lägerebräu ausgeschenkt, nur solange Vorrat. Ende Mai haben die Brauerinnen das Bier in einer Zürcher Bar vorgestellt. Die Reaktionen seien gemäss Sophia Wagner seht gut gewesen. «Es wurde als ein erfrischendes Bier wahrgenommen, passend zum Sommer», sagt sie.

Vom «Gikiginger» gibts nur 1000 Liter.

Vom «Gikiginger» gibts nur 1000 Liter.

Mit dem «Gikiginger» beginnen die drei Brauerinnen, die heute eher männliche Bierwelt zurückzuerobern. Gemäss dem Direktor des Schweizer Brauerei-Verbandes, Marcel Kreber, ist Bier nämlich historisch gesehen alles andere als eine Männerdomäne. «Im Mittelalter waren die Frauen für Bier und Brot zuständig», sagt er. Die Dominanz der Männer in Sachen Bier habe erst später angefangen, parallel zu anderen Gesellschaftsbereichen.

Von den 17 Brauereien des Verbands, die gemeinsam für über 96 Prozent der in der Schweiz verkauften Biere zuständig sind, werden heute gerade mal zwei von Frauen geleitet. Genaue Angaben zur Anzahl Brauerinnen in der Schweiz habe der Verband nicht, dafür Zahlen zum Frauenanteil unter den Bierkonsumenten. Und diese zeigen: Zwischen 15 und 20 Prozent der Biertrinkenden sind Frauen – Tendenz steigend. Zudem verrät Marcel Kreber: «Wir stellen fest, wie immer mehr Frauen an Biersommelierkursen teilnehmen.» Sei 2011 noch keine Frau an solchen Kursen mit dabei gewesen, betrage der Frauenanteil dort heute ein Drittel. Dass vermehrt Frauen als Brauerinnen arbeiten, sei deshalb wahrscheinlich. «Brauen muss kein Männerberuf sein. Die Männer, die heute als Bierbrauer arbeiten, sich auch nicht alles Bodybuilder.»

Von der Bäckerin zur Brauerin

In ihrer Heimat Bayern hatte Sophia Wagner zuerst eine Bäckerlehre absolviert. «Dann wollte ich mal etwas anderes machen als Brot backen», sagt sie. Weil Brot und Bier nahe beieinander liegen, habe sie mit dem Bierbrauen angefangen. «Ich habe zuerst einfach mal gemacht und mir nicht viel dabei gedacht. Heute ist Bierbrauen meine absolute Leidenschaft.»

Weil in Deutschland das Reinheitsgebot gilt, wonach Bier nur Hopfen, Malz, Hefe und Wasser enthalten darf, suchte sie letztes Jahr in der Schweiz einen Job. «Ich wollte Spezialbiere brauen und experimentieren», sagt sie. So kam sie nach Wettingen zur Lägerebräu. Eine Anstellung zu finden, sei für sie als Frau nicht einfach gewesen. «Es gibt Betriebe, die keine Brauerinnen wollen.» Die Arbeit sei für eine Frau zu anstrengend, werde jeweils argumentiert.

Marco Wipfli, Geschäftsführer der Lägerebräu, bestätigt: «Gewisse Arbeiten sind für Sophia zu anstrengend.» Solche würden dann einfach von ihren Arbeitskollegen übernommen. In der Lägerebräu arbeiten neben Sophia Wagner noch ein Brauer und ein Braumeister. Der Frauenanteil beträgt also ein Drittel. «Eine Brauerin lockert das Arbeitsklima auf und bringt eine andere Sichtweise in den Betrieb», sagt er.