«Ich würde mich freuen, mit einem bürgerlichen Stadtrat regieren zu dürfen.» So liess sich beim freisinnigen Treffen nach dem ersten Wahlgang FDP-Kandidat Roger Huber verlauten. Ob der Wunsch des freisinnigen Stadtammann-Kandidaten, der 1,8 Prozent Wählerstimmen vor seinem bürgerlichen Kontrahenten Markus Schneider (CVP) und 2,8 Wählerprozente hinter Geri Müller (team) liegt, auch in Erfüllung gehen wird, ist offen.

Alarmierend knapp

Das Resultat von Peter Courvoisier (1898 Stimmen/FDP) – lediglich 16 Stimmen Vorsprung auf Ruth Müri (team, 1882) – ist jedenfalls nicht gerade beruhigend für das bürgerliche Lager und müsste bei FDP, CVP und SVP höchst alarmierend sein. Denn für sie steht die bürgerliche Mehrheit in der Stadtregierung auf dem Spiel. Gelingt es Müri im zweiten Wahlgang den FDP-Kontrahenten zu überholen, ist die linksgrüne Mehrheit im Stadtrat perfekt.

Ob sich die Bürgerlichen für den zweiten Wahlgang zusammenraufen werden, ist zurzeit offen. Zweifellos darf Courvoisier die FDP und SVP geschlossen hinter sich wissen. Die CVP hat jedoch Courvoisier die Unterstützung noch nicht zugesagt. «Wir möchten erst die parteiübergreifenden Gespräche im Hinblick auf den zweiten Wahlgang der Stadtammannwahl abwarten und uns erst dann zur Stadtratswahl offiziell positionieren», erklärt Matthias Gotter, Präsident der CVP Baden.

Wenn es auch unausgesprochen bleibt, so ist nicht auszuschliessen, dass sich – je nach Ausgang dieser Gespräche – die CVP bei der Stadtratswahl hinter die team-Kandidatin Ruth Müri stellen würde. Ein solcher Deal wäre dann möglich, wenn Geri Müller seine Position als chancenlos betrachten und zugunsten Markus Schneider verzichten würde.

Wohin gehen die 955 Stimmen?

Ob GLP-Kandidat Sander Mallien (490 Stimmen) bei der Stadtratswahl nochmals antreten werde, wolle er mit der Partei erst besprechen. Die Zeichen würden eher auf Verzicht stehen, so Mallien. Dann wären mit den Stimmen von Stella Palino (276) und denjenigen von Heinz Blaser (189) theoretisch 955 Stimmen neu zu verteilen.

Es kann davon ausgegangen werden, dass die Stimmen von Stella Palino an Ruth Müri gehen werden, quasi von Frau zu Frau. Wohin die 189 Blaser-Stimmen und auch die 490 Mallien-Stimmen gehen werden, darüber können die Parteistrategen derzeit nur mutmassen.

Malliens Entscheid noch offen

Selbst bei der GLP hält man sich darüber bedeckt, verweist jedoch auf die politische Herkunft der GLP. Sie etablierte sich als Splitterpartei der Grünen und bezeichnet sich als gesellschaftlich wie wirtschaftlich liberal mit dem Gedankengut einer nachhaltigen Umweltpolitik, will sich aber gegen links abgrenzen. Die GLP bezeichnet sich als Partei der Mitte. Weil auch die team-Kandidatin Müri nicht als klassische Links-Politikerin einzuordnen ist, dürfte sie laut bestätigter Einschätzung aus dem GLP-Umfeld wohl die Mehrheit der GLP-Stimmen übernehmen. Diese Annahme wird dadurch bestätigt, dass die GLP im Badener Einwohnerrat mehr Übereinstimmung mit dem team baden und der CVP hat als mit der FDP.

Die Frage lautet nun, wie es um das Potenzial von Peter Courvoisier und dessen Wähleranteil steht. Während die Linksgrün den freisinnigen Kandidaten eher als «ausgeschossen» einstuft, sieht man das bei der FDP anders. «Wir sind überzeugt, dass sich eine Mehrheit der Wählerinnen und Wähler im zweiten Wahlgang hinter Courvoisier stellen werden», erklärt Lukas Breunig, Wahlkampfleiter bei der FDP.