Baden
ABB-Baugesuch «Hochhaus Ost» auf Eis gelegt

Die Bauprofile für das 70 Meter hohe Hochhaus Ost in Baden sind plötzlich verschwunden. Die ABB Immobilien AG hat das Baugesuch für das Hochhaus zurückgezogen. Damit ist die Planung Innenstadt Nord vorläufig blockiert.

Roman Huber
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«Tenedor» (Sieger)

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Zur Verfügung gestellt

Aufmerksame Beobachter haben festgestellt, dass sich die Silhouette des ABB-Areals verändert hat: Die Bauprofile für das rund 70 Meter hohe Hochhaus Ost sind vor kurzem verschwunden.

Bei der ABB bestätigt man: «Die ABB Immobilien AG hat das Baugesuch für das Hochhaus und das Parking Brown-Boveri-Platz zurückgezogen. In diesem Zusammenhang wurde auch das Baugespann entfernt.»

Der Grund dafür ist das hängige Beschwerdeverfahren beim Sondernutzungsplan für das Areal zwischen Eisenbahnlinie, BBC-Strasse und Haselstrasse. Der genehmigte Sondernutzungsplan ist Bedingung, damit eine Bauherrschaft überhaupt ein Baugesuch einreichen kann. Er regelt Gestaltung und Grösse der Bauten, Erschliessung sowie weitere Vorschriften und Massnahmen.

Keine gemeinsame Lösung gefunden

Vor zwei Jahren ist der Sondernutzungsplan verabschiedet und öffentlich aufgelegt worden. Die AXA, neben der ABB Immobilien AG Grundeigentümerin auf diesem Areal, hat für ihre Mieterschaft Einsprache erhoben.

Rechenzentrum als Hindernis

Unter dem «Quadro» befindet sich ein Rechenzentrum. Gemäss Sondernutzungsplan soll in den Vorschriften dazu der folgende Absatz absichern, dass man beim Bau des Hochhauses allfälligen Schäden vorbeugt:

«Die benachbarten Gebäude sind vor Erschütterungen und anderen Beeinträchtigungen durch die Bautätigkeit und die Bauten zu schützen. Die notwendigen technischen Massnahmen werden im Baubewilligungsverfahren festgelegt. Bei speziellen Gefährdungssituationen werden die technischen Massnahmen anhand einer Gefährdungsanalyse definiert. Die Gefährdungsanalyse wird vorgängig durch die Beteiligten verabschiedet.»

Unter dem Bürogebäude Quadro, neben dem das Hochhaus zu stehen kommen soll, befindet sich nämlich der Informatik-Provider von ABB und Alstom. Bei den Bauarbeiten könnten die sensiblen Informatikgeräte durch Erschütterungen zu Schaden kommen, lauten die Befürchtungen.

«Entsprechende Massnahmen würden im Rahmen des Baugesuches beziehungsweise der Bewilligung festgelegt», erklärt Jarl Olesen, Leiter Planung und Bau der Stadt Baden. Die Einwendungen habe man zuerst am Verhandlungstisch regeln wollen, so Olesen. Doch man einigte sich nicht. Bei den Vorschriften zur Sondernutzungsplanung fügte man darum einen Absatz ein (Spalte rechts). So beschloss der Stadtrat im Januar 2014 die Sondernutzungsplanung «Baden Nord, Teilgebiet A2» mit den entsprechenden Änderungen gegenüber der Auflage. Darin figurierte auch der zusätzliche Absatz betreffend Erschütterungen beim Bau.

Aufwändiges Beschwerdeverfahren

Weil Alstom involviert ist, führten die Wege über die Alstom-Zentrale in Paris. Die Verhandlungen mit der Alstom seien lange gegangen, jedoch abgeschlossen. Da keine Einigung erzielt werden konnte, muss jetzt der Kanton über die nicht zurückgezogenen Beschwerden entscheiden. Ein Entscheid sei wohl nicht vor Sommer 2015 zu erwarten. «Für die Stadt ist es wichtig, dass der Gestaltungsplan rechtskräftig werden kann, damit eine rechtliche Grundlage für die Bebauung dieses Gebiets entsteht», erklärt Olesen.

Die Stadt Baden ist beteiligt als Bauherrin des Brown-Boveri-Platzes, der über dem erstellten Parkhaus zu liegen kommen wird. Der auf 2017 terminierte, mit rund 3,8 Millionen Franken budgetierte öffentliche Platz verspätet sich, was der städtischen Finanzlage und dem Nachholbedarf an Investitionen (Schulhausplatz, Kurtheater, Schulbauten etc.) zwar entgegenkommt. Die Blockade hat jedoch weitreichende Folgen: Solange Parkhaus und Hochhaus nicht gebaut sind, können weder die Arbeitsplätze in den Pavillons an der Römerstrasse noch die Parkplätze auf den Verenaäckern umgesiedelt werden. Damit dürfte sich die Realisierung der Wohnüberbauungen Römerstrasse und Verenaäcker um einiges verzögern.

Vor fünf Jahren herrschte in Baden Nord Aufbruchstimmung. Dem Flächenbedarf der ortsansässigen Firmen wurde in der Revision der Bau- und Nutzungsordnung und des Entwicklungsrichtplans Baden Nord Rechnung getragen: Die zulässige Bruttogeschossfläche wurde um 46 000 Quadratmeter, was einer Fläche von rund neun Fussballfeldern entspricht. Diese Nachverdichtung sollte über zwei Hochhäuser am östlichen Rand der Zone Innenstadt Nord geschehen. Zudem konnten die ABB-Hallen 36 bis 38 erneuert und aufgestockt werden. Dies wurde mit dem kürzlich eingeweihten erweiterten Trafo-Center) realisiert.