Baden

ABB-Chef glaubt an Standort Baden – wählt Partnerfirma Hitachi die Stadt als Sitz für Hauptquartier?

Robert Itschner, Chef von ABB Schweiz

Robert Itschner, Chef von ABB Schweiz

Robert Itschner sprach am Podium über die Chancen der Digitalisierung das Joint Venture mit Hitachi.

Robert Itschner, seit 2018 Vorsitzender der Geschäftsleitung der ABB Schweiz, hielt diese Woche in der Stanzerei auf Einladung der FDP Baden ein Referat zu den Chancen der Digitalisierung für die Industrie in der Schweiz. Er äusserte sich unter anderem auch über den Verkauf der Stromnetzsparte an das japanische Unternehmen Hitachi, der letzten Dezember bekannt gegeben wurde. Itschner legte dar, dass sich das Stromnetzgeschäft von ABB und Hitachi sehr gut ergänzten und Hitachi ein starker Partner sei. Im Saal interessierte derweil vor allem die Frage, ob Baden als Standort für das Hauptquartier von Hitachi infrage kommt. «Das Head Quarter des Joint Ventures wird in der Schweiz sein, es ist aber noch offen, in welchem Kanton», sagte Robert Itschner. 

Auf die Frage aus dem Publikum, welche Faktoren den Entscheid für eine Standortwahl geben werden und welche Nachteile Baden allenfalls haben könnte, antwortete er: «Hierfür gibt es keine einfache Formel, es werden naturgemäss verschiedene Faktoren berücksichtigt. Für die Schweiz und Baden sprechen insbesondere die Innovationskraft, die gut ausgebildeten Fachkräfte und die Produktivität. Sie müssen sich das ein wenig unromantisch vorstellen», sagte er zur Fragestellerin, «solche Entscheide werden zum Teil recht trocken und nüchtern gefällt, ohne viele Emotionen.» 

Thierry Burkart: «Aargauer Politik ist gefordert»

FDP-Ständeratskandidat Thierry Burkart aus Baden, der andere Protagonist des Podiums, sagte dazu: «Die Aargauer Politik muss sich dafür einsetzen, dass der Europasitz von Hitachi nach Baden kommt. Es gibt zwar keine Garantie, aber man darf davon ausgehen, dass die Arbeitsplätze in Baden sicherer wären, wenn sich der Hauptsitz hier befindet.» Der Einfluss, den die Politik in dieser Frage nehmen könne, sei beschränkt. «Entschieden wird die Frage in Japan. Aber wir können für den Standort Baden weibeln.» Das habe er bereits mehrfach getan, sagte Thierry Burkart: Als Vizepräsident der parlamentarischen Freundschaftsgruppe Schweiz - Japan habe er gute Kontakte zu offiziellen japanischen Vertretern und zur Botschaft, denen er schon mehrfach die Vorzüge des Standorts Baden aufgezeigt habe.

Badener Standortförderer:«Wir haben gute Karten»

Baden als Hauptstandort von Hitachi in der Schweiz? Die Stadt habe gute Karten, sagt Thomas Lütolf, Leiter der städtischen Standortförderung. «Aus Sicht der Stadt handelt es sich um eine wichtige Chance. Wir haben gemeinsam mit dem Kanton unser grösstes Interesse signalisiert.» Und man werde auch mit Hitachi Kontakt aufnehmen, sobald der Zeitpunkt reif sei. «Für Baden spricht das grosse Fachkräftepotenzial. In der Region sind viele Experten dieser Branche verwurzelt. Auch betreffend Personal- und Infrastrukturkosten stehen wir im Vergleich zur anderen Schweizer Standorten sehr gut da. Wir hoffen, dass Hitachi diese Stärken erkennen wird.» Dass Robert Itschner sagte, es seien sachliche Fakten, die bei der Standortwahl entscheiden, sei aus Sicht der Stadt Baden eine gute Nachricht, ist Lütolf überzeugt.

Robert Itschner äusserte sich am Podium, das von Hans Fahrländer moderiert wurde, auch zur Zukunft der Arbeitsplätze in der Stromnetzsparte in Baden. «Ich glaube nicht, dass der Wechsel zu Hitachi grundsätzlich ein grösseres Risiko für die Arbeitsplätze darstellt, die wir hier am Standort Baden haben. Entscheidend für die Sicherung der Arbeitsplätze ist, dass wir wettbewerbsfähig bleiben und uns auch in Zukunft in einem anspruchsvollen Markt behaupten.» Die Power-Grids-Einheit in Baden habe hierfür die absolut beste Voraussetzung.

Zu reden gab auch der Wechsel an der ABB-Konzernspitze: Die Hoffnung der Grossaktionäre in den Schweden Björn Rosengren sind gross. Als Chef des Industriekonzerns Sandvik hatte er den Aktienkurs seit 2015 zeitweise mehr als verdoppelt, und Grossaktionäre äusserten die Forderung, dies müsse nun auch mit dem Kurs der ABB-Aktie passieren. Auf die Frage, was ihm bei diesen Forderungen durch den Kopf gegangen sei, antwortete Itschner: «Diese Einschätzung überrascht mich nicht, weil wir ein wirklich interessantes, zukunftsfähiges Portfolio und nach wie vor einen fantastischen Ruf bei den Kunden haben. Weil wir zu unserem Wort stehen und liefern, auch wenn es mal Probleme gibt. Das sind Qualitäten, die meiner Meinung nach belohnt werden sollten.»

Ex-ABB-Schweiz-Chef Somm appelliert an Unternehmen

Beim Thema Digitalisierung meldete sich auch Edwin Somm zu Wort, ehemaliger Chef von ABB Schweiz und somit einer von Robert Itschners Vorgängern: «Ich bin der Auffassung, dass die Menschen, die durch die Digitalisierung frei werden, von den Unternehmen weitergebildet werden müssen. Sie dürfe nicht einfach dem Staat überlassen werden», forderte Somm.

Dazu sagte Robert Itschner: «Wir müssen eine Struktur schaffen, in der die Menschen das Gefühl haben, dass die Digitalisierung eine Chance ist und nicht primär eine Bedrohung.» Die Unternehmen stünden diesbezüglich in der Tat in der Verantwortung: «Wir müssen den Leuten die Möglichkeit geben, auch in fortgeschrittenem Alter betreffend Ausbildung noch einmal eine Entwicklung zu machen.» Aber das sei nicht nur eine Aufgabe der Unternehmen, sondern auch der Universitäten beziehungsweise der Bildungslandschaft sowie des Staates, sagte der ABB-Schweiz-Chef.

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