Hubers Aufwisch

ABB, Stadtfinanzen, Wahlnomination, Billig-Flug: Alles schon vergessen

Schön war's: Die Badenfahrt 2017 bleibt in bester Erinnerung – auch dank Kredit von der Stadt. Archiv

Das alte Jahr längst zurückgelassen, sind wir im 2019 bereits flott unterwegs. Und manches ist schon fast vergessen. Zum Beispiel der Verkauf der Stromnetzsparte der ABB an Hitachi. Da erinnert man sich kaum an die 125-Jahr-Jubiläumsfeier im 2016, als des pionierhaften Geistes von Charles Brown und Walter Boveri gedacht wurde, die 1891 in Baden die BBC gegründet hatten. Konzernchef Ulrich Spiesshofer schickte aus diesem Anlass noch eine SBB-Lok im ABB-Look auf die Reise. Wie viele der 6000 Mitarbeitenden bald auch auf die Reise geschickt werden (nicht durch den Gotthard-Basistunnel, der von der ABB elektrotechnisch bestückt wurde), ist noch nicht bekannt.

Übrigens, was in Baden auch interessieren sollte: Derselbe Spiesshofer eröffnete zwei Jahre vor dem 50-Jahr-Jubiläum des Forschungszentrums in Dättwil das Labor für Leistungselektronik. Wie viel davon nach 2020 übrig bleibt, wissen wohl auch nicht die Aktionäre, die durch diesen Deal ihre Taschen füllen.

Vergessen ist auch die Badener Finanzdebatte um Steuerfuss und Sparmassnahmen in der Verwaltung. Vertagt wäre wohl die bessere Bezeichnung. Denn das Schreckgespenst der Steuerfusserhöhung ist nur so weit vertrieben, wie die grossen Investitionen noch nicht zum Tragen kommen. Umso mehr hätte man sich von der einwohnerrätlichen Spezialkommission, die dem Stadtrat beim Budget 2019 zur Seite gestanden hatte, etwas Wegweisendes versprochen. Das Resultat: Nach vielen Sitzungen wurden statt echter Einsparungen primär Mehreinnahmen durch höhere Gebühren beschlossen.

Die politisch zusammengesetzte Kommission nahm durch ihre (unter Verschluss gehaltenen) Entscheide eine eigentliche Diskussion über Einsparungen in der Verwaltung vorweg. Für eine wirkliche Verwaltungsanalyse, wie sie seit fünf Jahren gefordert wird, hätte es externe Spezialisten benötigt, die unvoreingenommen den städtischen Haushalt prüfen und sich auch vor unattraktiven Sparvorschlägen nicht zu scheuen brauchen. Wettingen hat dies mit ihrer «Leistungsorientierten Verwaltungsanalyse» gemacht.

Wettingen hatte eine andere Finanzdebatte: Soll die öffentliche Hand das Jubiläumsfest zum 975. Geburtstag der Gemeinde im 2020 (Budget: 2,8 Mio. Franken) mit 450'000 Franken unterstützen? Der vom Gemeinderat beantragte Kredit wurde nun vom Einwohnerrat auf 300 000 Franken reduziert, wobei die umstrittene Kreditabrechnung des «little Wettige»-Kredits der Badenfahrt 2017 an der kritischen Haltung nicht ganz unschuldig gewesen sein dürfte.

Und so wird es in Baden gehandhabt: Für die Badenfahrt 2017 (Budget: 6 Mio. Franken) stellte die Stadt eine Defizitgarantie von 150'000 Franken bereit, die wie immer nicht benutzt werden musste. Ob der Stadtrat nun einen kleinen Kredit für ein «little Bade» am 10-tägigen Wettinger Jubiläumsfest auf die Beine stellen will, ist noch ungewiss. Sonst wäre da noch die Spanischbrödlizunft, deren weiser Rat immer gute Querschläger-Ideen ausheckt.

Kurzaufwisch 1: Wenn nach einem Jahr als Gemeinderätin (Aline Schaich, SP, Obersiggenthal) bereits die Demission wegen hoher Arbeitsbelastung kommt, dann hat nicht nur sie, sondern auch die Partei bei der Nomination ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Die Wählerschaft muss sich da etwas verschaukelt vorkommen.

Kurzaufwisch 2: Kanti-Schüler demonstrieren gegen den Klimawandel und bekommen hierfür schulfrei. Nun ja, für eine richtige Demo hätte man eigentlich die Schule schon richtig schwänzen müssen, meine ich. Interessanter wäre jedoch zu erfahren, wie viele dieser Klima-Demonstrantinnen und -demonstranten jeweils mit den Eltern per Billig-Airline irgendwohin in die Ferien fliegen.

Roman Huber ist ehemaliger Redaktor dieser Zeitung und pickt in seiner Kolumne aus dem jüngsten Geschehen heraus, was in der Region beschäftigt.

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