Giovanni hat sich wieder einen geleistet. Wie ein unbedarfter Einbrecherlehrling hat er sich verhalten. Und zwar in einem Hotel in Spanien. Skandalös, findet jedenfalls Gianna. Aber von vorne: Gianna und Giovanni waren mit einem in der Region bekannten Reiseveranstalter unterwegs. Mit einer Gruppe von vielen Gleichgesinnten, in guter Gesellschaft. Das Ziel war Andalusien, im komfortablen Reisebus. Was heisst hier «komfortabel»? Königsklasse! Man hat jede Menge Ellenbogen-, Bein- und Gedankenfreiheit. Hin und zurück nach Rütihof knapp 5000 Kilometer, und jeder einzelne wird auf dem königlichen Hintern zum Erlebnis.

Abends landet die Gruppe im royalen Hotel. Da muss es schnell gehen, schliesslich ist bald Verpflegung angesagt, natürlich mit den Gruppengschpändli und am Buffet. Der Chauffeur verteilt die Zimmer samt Türkarten (Schlüssel, das war einmal). Giovanni und Gianna bekommen ein Zimmer im vierten Stock. Gianna lagert die Beine hoch (das muss noch drinliegen vor dem Buffet), Giovanni will die Hotelbar und den Swimmingpool besichtigen. (Wie sich später herausstellt, schafft er es nur zur erstgenannten, was ja auch nicht wirklich überrascht.) «Bin gleich wieder da», sagt er zu Gianna. «Nimm die Zimmerkarte mit», gibt sie ihm mit auf den Weg. Was vielreisende Hotelgäste natürlich schon längst wissen: Auf der Karte steht keine Zimmernummer. Sie ist auf dem Kartenbehälter notiert, und den wiederum lässt Giovanni im Zimmer. Genauso wie sein Handy. Was ihn jedoch keineswegs beunruhigt, jedenfalls im Moment nicht. Eine halbe Stunde und eineinhalb Bierchen später verändert sich seine Situation jedoch dramatisch.

Er macht sich auf den Weg zu seinem Zimmer. Aber in welches, Herrgottnochmal? Vierter Stock, das ist klar. Aber die Zimmernummer? 407, oder doch 409? Eventuell 411 oder 413? Tja, probieren wir es doch aus, sagt er sich, das kann ja keine Hexerei sein. Also den Lift rauf (für Könige stehen standesgemäss drei Lifte zur Verfügung), vierter Stock, den Gang entlang. Leise wie ein Langfinger steckt er die Karte bei Zimmer 407 rein. Kein Surren, nichts. Bei den nächsten vier Zimmern ebenfalls Fehlanzeige. Ha, sagt er sich, ich rufe doch einfach Gianna an! Die zweifellos aufmerksame Leserschaft wird jetzt sofort rufen: «Giovanni, du hast das Handy gar nicht dabei!» Stimmt.

In der Lounge trifft Giovanni zwei Reisegschpändli an, denen er seine Malaise schildert. «Nimm doch unser Handy, und ruf Gianna an», wollen sie ihm helfen. «Nett von euch, aber Giannas Nummer? Keine Ahnung! Sie ist auf meinem Telefon gespeichert.» Nächster Rettungsanker ist die Réception. Aus für Giovanni unerfindlichen Gründen erscheint sein Name nicht auf der Liste.

Also muss es Giovanni wohl oder übel nochmals versuchen und betritt den Lift. Beim Schliessen der Tür sieht er Gianna aus dem Nachbarlift aussteigen. Was er noch knapp feststellen kann: Sie wirkt nicht sehr locker, um es vorsichtig zu formulieren. Nach weiteren vier Liftfahrten kommt es zum Treffen mit Gianna und zum Happy End. Er kann sie überzeugen, die Geschichte mit grossmütigem und königlichem Humor zu nehmen.

PS: Es war übrigens Nummer 408 – auf der anderen Gangseite.