Stetten
Abfallsünder kümmerts einen Dreck: Projekt soll Littering-Problem bekämpfen

Wie ein Littering-Projekt sowohl die Strassen vom Müll befreien und einen sozialen Aspekt erfüllen soll.

Dana Liechti
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Die Littering-Situation in Stetten ist prekär: Vor allem Jugendliche lassen ihren Abfall überall liegen
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Das Littering-Problem von Stetten
Die Littering-Situation in Stetten ist prekär: Vor allem Jugendliche lassen ihren Abfall überall liegen
Die Littering-Situation in Stetten ist prekär: Vor allem Jugendliche lassen ihren Abfall überall liegen

Die Littering-Situation in Stetten ist prekär: Vor allem Jugendliche lassen ihren Abfall überall liegen

Sandra Ardizzone

Der Müll ist überall: Zigarettenstummel liegen auf den Strassen, Bierflaschen stehen unter Treppen, Plastikverpackungen hängen in den Gebüschen.

Ein Problem, das viele Gemeinden kennen. Stetten ist eine davon. Doch letztes Jahr hat Barbara Fischer, Vizeammann des 2000-Seelen-Dorfes, eine Idee entwickelt, um gegen das Abfallproblem anzukämpfen: Das Littering-Projekt, das sie dem Gemeinderat vorschlug, wurde von diesem sofort akzeptiert. Es sieht vor, dass vier Dorfbewohner, entweder Sozialhilfebezüger oder Arbeitslose, wöchentlich in der Gemeinde auf Abfalltour gehen.

«Es ist eine Win-win-Situation», sagt Fischer: «Die Sozialhilfebezüger wollen nicht auf der faulen Haut liegen.» Mit dem Projekt werde nicht nur das Dorf sauberer, sondern Fischer könne auch vier Personen eine Struktur bieten.

Die Probephase ist so gut verlaufen, dass das Littering-Projekt nun einen festen Platz in der Gemeinde bekommen hat.

Auch andere Gemeinden würden sich bei ihr über die Umsetzung des Littering-Konzeptes erkundigen. Schade sei nur, dass nicht mal ein solches Projekt etwas am Verhalten der Abfallsünder, meistens Jugendliche, ändere: «Ich denke, Littering ist einfach ein allgemeines Problem unserer Gesellschaft.»

Jedoch könne man schon sehen, dass das Dorf jede Woche vom Abfall befreit werde. Und dazu tragen im Moment zwei Sozialhilfebezüger bei. «Am Anfang waren es vier Personen, doch eine davon hat einen Job gefunden und die andere musste krankheitsbedingt aufhören mit dem ‹Fötzele›», sagt Fischer.

Das «Badener Tagblatt» hat eine Projektteilnehmerin, die nicht beim Namen genannt werden möchte, bei der Säuberungs-Aktion durch Stetten begleitet. «Ich bin jeweils etwa eineinhalb Stunden unterwegs», sagt die Sozialhilfebezügerin, während sie mit einer Greifzange eine Plastikflasche aus dem Gebüsch holt. Sie trägt eine leuchtend orange Weste und ist an diesem kalten Tag eingepackt in Mütze, Handschuhe und Stulpen.

Sie findet die Abfall-Situation in Stetten schlimm: «Es ist erschreckend, wie viel Abfall herumliegt. Ich habe eine Zeit lang in Frankreich gelebt, und dort ist es wirklich schlimm mit dem Littering. Ich dachte, in der Schweiz wäre es besser, aber als ich zurückkam, habe ich gesehen, dass es auch hier ein Problem ist.»

So muss die eifrige Frau tatsächlich nach fast jedem Meter etwas von der Strasse klauben oder aus den Gebüschen fischen. Besonders schlimm ist es bei der Schule: Dort hängen überall Säcke und Verpackungen in den Büschen. «Dafür ist aber die Schule zuständig», sagt sie. Sie selbst findet das Littering-Projekt toll: «Das Säubern kann ich jeweils mit einem Spaziergang verbinden. Und ich würde auch privat solchen Abfall auflesen und in den Mülleimer schmeissen.»

Das Speziellste, was sie bis jetzt gefunden hat, war ein Bilderrahmen. Mittlerweile sind es vor allem noch Zigaretten, leere Bierdosen und achtlos weggeworfene Plastikverpackungen, die sie in den grossen Sack stopft, während sie in zügigem Schritt durch das Unterdorf läuft. Ihr Litteringteam-Partner macht derweil den oberen Teil des Dorfes sauber, sie wechseln sich monatsweise ab.

Nach etwas mehr als einem halben Jahr ziehen alle Beteiligten eine positive Bilanz. «Es haben uns ältere Leute aus dem Dorf darauf angesprochen, und gesagt, dass sie toll finden, was wir machen», sagt die Projektteilnehmerin.

Auch Barbara Fischer ist zufrieden: «Das allererste Mal waren unsere Helfer drei Stunden lang unterwegs, weil es so viel Abfall hatte. Mittlerweile brauchen sie viel weniger lang. Wir sind froh, wenn die Strassen dann jeweils wenigstens eine Woche lang etwas sauberer daherkommen. Wir werden auf jeden Fall damit weitermachen.»

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