Das Pflegeheim National in Ennetbaden ist sichtbar in die Jahre gekommen. Seit dem Sommer stehen hier an der Badstrasse Bauprofile, die deutlich machen, dass das ehemalige Hotel bald einem grösseren Neubau weichen muss. Obwohl das Gebäude das Ortsbild prägt und im Inventar der schützenswerten Bauten eingetragen war, hat sich die Gemeinde Ennetbaden 2012 dazu entschieden, dass es abgerissen und ersetzt werden darf. Nicht zuletzt hat das mit dem erschwerten Pflegebetrieb in den alten Mauern zu tun.

Hans Kaufmann, Leiter Immobilien bei der Stiftung Diakonat Bethesda, erklärt: «Das bestehende Haus ist in die Jahre gekommen. Wir möchten für unsere Bewohner und unsere Mitarbeiter eine gute Situation schaffen.» Eine Sanierung des Hauses sei deshalb keine Option gewesen, das «National» entspreche nicht mehr den heutigen Anforderungen.

Seit 2014 gehören die Wohn- und Pflegegruppen von Prosenio in der Region Baden zur Bethesda Alterszentren AG. Diese vereint Alters- und Pflegeheime in Basel, im Raum Zürich und im Raum Baden unter ihrem Dach. Seit 2015 gehört neben dem «National» auch das Ennetbadener Alters- und Pflegeheim Rosenau im ehemaligen Hotel Jura dazu. Die Aktiengesellschaft ist wiederum eine Tochter der Basler Stiftung Diakonat Bethesda.

Zeuge der Ennetbadener Hotelmeile

Der Abbruch des alten «National» und der geplante Neubau am Limmatknie werden das Ortsbild von Ennetbaden stark verändern. Der Sondernutzungsplan Goldwand, der im Zuge des Tunnelneubaus entstand, sieht eine einheitliche Bebauung an der Badstrasse vor. Nur das Hotel Bad Schwanen, das Anfang Jahr frisch saniert wiedereröffnet wurde, wird nach dem Abbruch des «National» noch von den Glanzzeiten des Kurbetriebs in den Kleinen Bädern zeugen.


Denn: Das «National» bildete einst zusammen mit dem «Jura», dem «Schwanen», dem «Sternen», dem «Adler», dem «Hirschen» und dem «Rebstock» eine regelrechte Ennetbadener Hotelmeile. 1810 erhielten die Ennetbadener Gastwirte vom Kanton die Bewilligung, eigene Privatbäder einzurichten. In den Gasthäusern entstanden rasch immer mehr Badezellen und die Kleinen Bäder konkurrierten bald mit den mondänen Badehotels jenseits der Limmat.

Im modischen Heimatstil erbaut 

Das «National» wurde erst 1913 als Hotel im damals modischen Heimatstil gebaut. Das Thermalwasser für seine 16 Badezellen erhielt das Hotel vom alteingesessenen «Rebstock». Mit seinem hohen Mansardwalmdach und seiner repräsentativen Fassade war das «National» ein Blickfang an der Ennetbadener Limmatpromenade.

Der Erste Weltkrieg setzte der Blütezeit der Badener Bäder ein Ende. Die kleineren Hotels in Ennetbaden verkrafteten den Gästeschwund zwar besser, aber der Kurbetrieb erholte sich nie mehr richtig. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging es weiter bergab. Das «National» schloss 1954 seine Türen und wurde zum Altersheim.

Klusbach muss umgelegt werden

Das Neubauprojekt des Ennetbadener Büros Gähler und Partner lag im Juni öffentlich auf. Laut Andreas Müller, Leiter Bau und Planung der Gemeinde Ennetbaden, hat es eine Einsprache gegen das Projekt gegeben. Zudem seien kleinere Ergänzungen nötig gewesen, diese werden in den nächsten Tagen öffentlich aufgelegt.

Nun warte man auf die Zustimmung des Kantons, der das Projekt noch prüft. «Die bauliche Situation ist hier nicht ganz einfach, weil man auf die Sicherheit des Tunnels und den Limmatraum Rücksicht nehmen muss», erklärt Müller. Ausserdem fliesst neben dem «National» der Klusbach in die Limmat, der für den Neubau umgelegt werden muss.


Andreas Müller ist zuversichtlich, dass der Kanton dem Projekt zustimmt, da es den Vorgaben des Sondernutzungsplans Goldwand entspricht. Wann der Baubeginn erfolgen werde, sei schwierig abzuschätzen, sagt Hans Kaufmann von der Bethesda-Stiftung.

Auch wieviel der Neubau kosten wird, könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Wenn das neue Alters- und Pflegeheim dereinst fertig gebaut ist, wird es statt heute 29 Zimmern neu 64 moderne Pflegezimmer sowie 17 Alterswohnungen bieten.