Schon bevor man die «Täfern» betrat, hörte man schallendes Gelächter, Gläserklirren und gut gelaunte Stimmen. An den Tischen sassen die Gäste, die noch einmal Abschied nahmen von ihrer «Täfern». Von Trauerstimmung konnte aber nicht die Rede sein – im Gegenteil. Die Gäste stiessen am letzten Wochenende noch einmal an, erzählten sich Räubergeschichten aus der Töfflibuben-Zeit und tauschten Erinnerungen aus. Das Handy wurde ausnahmsweise nicht für ein «Food-Foto» auf Instagram gezückt, sondern für ein letztes Erinnerungsfoto aus dem Dättwiler Restaurant schlechthin.

Besonders euphorisch ging es am Stammtisch zu und her. Dicht gedrängt sassen dort die gestandenen Männer, die bereits vor gut 30 Jahren in der «Täfern» mit einem Bier angestossen hatten. Mittendrin: der Regierungsrat und ehemalige Badener Stadtammann Stephan Attiger. «Hier haben wir uns jeweils am Freitag nach dem Schaffen getroffen», erzählt Attiger. «… und sind bis am Sonntag geblieben!», fügt Reto Friedli, der Bruder von Wirt Markus Friedli, hinzu. Und schon verfällt die Runde wieder in herzhaftes Gelächter. «Wir lachen jetzt, aber im Hinterkopf sitzt schon die Wehmut», gibt Jürg Renold zu. Der Stammtisch werde fehlen.

«Du Markus, wo kommt denn eigentlich der Stammtisch hin?», ruft Attiger sogleich dem Wirt zu. «Den nehmen wir mit nach Hause nach Rütihof», erklärt Markus Friedli. Sofort prostet die Gruppe und Attiger stellt erfreut fest: «Ja dann treffen wir uns halt künftig bei dir in Rütihof!»

Ein letzter «Kafi Grusig»

Auch andere Gäste schwelgten in Erinnerungen. «Meine Frau und ich hatten hier unser Hochzeitsessen», erzählt Marcel Laub, der bereits seit 35 Jahren in der «Täfern» einkehrt. Er trinkt einen «Kafi Grusig» – Kaffee mit Pernod. «Ich bin vermutlich der Einzige, der das trinkt, aber sie haben trotzdem auf der Kasse eine Taste für «Kafi Grusig» programmiert.» Genau diese kleinen, aber wertvollen Gesten und die Bodenständigkeit scheinen die «Täfern» auszumachen. Markus und Rosmarie Friedli genossen es sichtlich, noch einmal von Tisch zu Tisch zu gehen und mir ihren Gästen zu plaudern. Neben vielen netten Worten brachten einige Gäste auch Geschenke mit, um sich für die Gastfreundschaft zu bedanken.

Am Samstag besuchte die ganze Familie des Wirtepaars die «Täfern» und gemeinsam mit dem Personal sassen die Friedlis nach dem Abendservice in der Gaststube und liessen die Ära «Täfern» ausklingen «Es war sehr emotional, aber auch ein wunderschöner und würdiger Abschied», betont Markus Friedli. Bis in die frühen Morgenstunden sassen sie gemeinsam in der Gaststube. Dann wurden die Lichter gelöscht und nach 137 Jahren kehrte Ruhe ein in der «Täfern».