Gebenstorf
Abschiednehmen ist im Leben allgegenwärtig

Die Spitalseelsorgerin Valeria Hengartner weiss: Wenn Kinder trauern, fragen sich Eltern, was sie tun sollen.

Melanie Borter
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Valeria Hengartner begleitet Menschen, die trauern. M. Borter Valeria Hengartner begleitet Menschen, die trauern. M. Borter Valeria Hengartner begleitet Menschen, die trauern. M. Borter

Valeria Hengartner begleitet Menschen, die trauern. M. Borter Valeria Hengartner begleitet Menschen, die trauern. M. Borter Valeria Hengartner begleitet Menschen, die trauern. M. Borter

«Wenn Kinder trauern» lautete der Titel einer Veranstaltung, die von der Gruppe der katholischen Pfarrei «Action and Fun für Familien» im Gemeindesaal in Gebenstorf organisiert wurde. «Es freut mich, dass Sie den Weg hierher gefunden haben», begrüsst Valeria Hengartner die Anwesenden. Sie ist Spitalseelsorgerin und führt durch den Abend.

Noch immer ein Tabuthema

«Trauer ist in unserer Gesellschaft nach wie vor ein tabuisiertes Thema», sagt sie. Tatsache sei, dass man nicht über seine Trauer spreche, zumindest nicht, solange sie einen begleite; man versuche, die Trauer zu kaschieren oder – noch schlimmer – sie zu unterdrücken. «Es ist aber wichtig, dass Erwachsene und Eltern trauern können. Nur so können Kinder lernen, damit umzugehen», ist Hengartner überzeugt. Die Trauer sei die natürliche Gefühlsregung auf Verluste: Trauer helfe, mit Verlusten umzugehen. «Es ist deshalb wichtig, dass wir die Trauer fühlen – ohne dabei zu ‹zerfliessen›.»

Kinder leben uns eindrücklich vor, dass das ganze Leben aus Abschiednehmen besteht. Sie trauern, wenn die Oma, die sie so lieb hatten, gestorben ist; sie trauern aber auch, wenn die Zirkusvorstellung zu Ende ist, wenn am Kindergeburtstag das letzte Päckchen ausgepackt ist oder wenn sie ohne Absicht eine Schnecke zertrampelt haben. «Abschiednehmen ist in unserem Leben nicht nur normal, sondern allgegenwärtig. Immer schliesst der nächste Moment ein Abschied des vergangenen ein», gibt Hengartner zu bedenken. Wie aber soll man mit der Trauer eines Kindes umgehen?

«Man soll Kinder ernst nehmen»

«Man soll sie in erster Linie ernst nehmen, man soll das Kind trösten, auch wenn die Trauer aus der Perspektive von Erwachsenen unbegründet ist», rät Hengartner. Aussagen wie «Das ist nicht so schlimm» oder «Du musst nicht traurig sein», seien Gift für eine normale Entwicklung des Umgangs mit Trauer. Kinder brauchten in Trauersituationen – etwa dann, wenn eine geliebte Person gestorben sei – die Gewissheit, dass sie nicht allein seien. «Vor allem aber müssen wir Kindern das Gefühl geben, dass es in Ordnung ist, wenn sie trauern», hält Hengartner fest.