Abstimmung
Ennetbaden lehnt das «Burkaverbot» so deutlich ab wie keine andere Aargauer Gemeinde – so erklärt das der Ammann

Vor elf Jahren hat Ennetbaden die Minarett-Initiative so deutlich abgelehnt wie keine andere Aargauer Gemeinde. Die Gemeinde hat nun auch die Verhüllungs-Initiative am deutlichsten abgelehnt.

Philipp Zimmermann
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Gemeindeammann Pius Graf steht im Ennetbadener Gemeindehaus vor der Drohnenaufnahme von Fotograf Michel Jaussi. (13.12.2019)

Gemeindeammann Pius Graf steht im Ennetbadener Gemeindehaus vor der Drohnenaufnahme von Fotograf Michel Jaussi. (13.12.2019)

Bild: Alex Spichale

Das Ennetbadener Abstimmungsresultat zum Verhüllungsverbot sticht heraus: Die Stimmbürger haben die Vorlage so deutlich abgelehnt wie keine andere Gemeinde im Kanton Aargau. Der Nein-Anteil ist schweizweit der dritthöchste: Der Ja-Anteil der Stimmen liegt nur bei 30,9 Prozent. Schweizweit liegt er bei 51,2 Prozent, aargauweit bei 53,6 Prozent.

Gemeindeammann Pius Graf (SP) überrascht dieses Resultat nicht. Er sagt:

«Es reiht sich ein in viele Abstimmungen zuvor.»

Er verweist auf die Minarett-Initiative, über welche die Schweiz im November 2009 abgestimmt hat. «Ennetbaden war schweizweit eine der Gemeinden mit der höchsten Ablehnung», erinnert sich Graf. Tatsächlich war der Ja-Anteil der Stimmen mit 35,0 Prozent in Ennetbaden so tief wie sonst nirgends im ganzen Kanton Aargau.

Nur fünf weitere Aargauer Gemeinden lehnten die damalige Vorlage ab: Baden (41,7), Mellikon (46,2), Kaiserstuhl (47,1), Aarau (47,7) und Lenzburg (49,6).

Ennetbaden hat in 90,6 Prozent aller Abstimmungen seit 1990 so entschieden, wie es der Bundesrat empfahl. Das ist schweizweit der vierthöchste Wert, wie eine Analyse von CH Media im Februar ergab.

Ennetbaden ist bekannt als Ort, der links-grün bis links-liberal wählt und abstimmt. Pius Graf erklärt das klare Nein gegen das Verhüllungsverbot denn auch wie folgt:

«Das hängt mit der Weltoffenheit, der Internationalität und ein Stück weit mit dem Bildungsstand unserer Einwohnerinnen und Einwohner zusammen, welche in ihrem Demokratieverständnis keine Kleidervorschriften im Gesetz festsetzen und Symbolpolitik betreiben wollen.»

Das Burkaverbot sei in Ennetbaden selbst kein Thema gewesen. Es gab im Dorf keine Veranstaltung dazu. «Ich habe hier auch noch nie eine Burka gesehen», sagt der Gemeindeammann.

Bei den Nationalratswahlen 2019 wählte Ennetbaden so sozialdemokratisch wie keine andere Gemeinde: Mit 29,1 Prozent der Stimmen lag die SP im Dorf an der Spitze – mit doppelt so vielen Stimmen wie die SVP. Davon können andere Aargauer SP-Ortsparteien nur träumen.

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