Stadtfest
Abt Martin: «Twitterer sollten intelligent und humorvoll sein»

Gesitreiches vom Geistlichen: Abt Martin Werlen vom Kloster Einsiedeln referierte im Rahmen des Stadfestes in der katholischen Kirche in Baden und erklärte, warum er gerne twittert.

Pirmin Kramer
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«Ich freue mich sehr, dass ich mit Ihnen heute über etwas plaudern kann, von dem die meisten keine Ahnung haben», sagte Abt Martin (@AbtMartin) Werlen zu Beginn seines Vortrages. Die katholische Kirche in Baden war beim Auftritt des Einsiedler Abtes bis auf den letzten Platz besetzt.

Aber nur zwei Besucher hoben ihre Hand, als er fragte, wer ein Twitter-Konto besitze. «Vor 100 Jahren hätte auch höchstens einer seine Hand in die Höhe gestreckt, wenn man gefragt hätte, wer einen Telefonanschluss hat.»

«Twitter setzt Humor voraus»

Twitter sei ein recht modernes Kommunikationssystem, erklärte der Abt den Besuchern. «Und es setzt einiges voraus - zum Beispiel, dass man ein bisschen intelligent ist, dass man Humor hat, dass man sich kurz fassen kann und die Dinge auf den Punkt bringt.» Das alles in einem Menschen zu finden, sei nicht allzu häufig der Fall.

«Twitter ist eine gute Schule, um diese vier Dinge zu üben.» Man könne sich fragen, was ein Abt mit Twitter anfangen könne, fuhr er fort. «Ich bin nicht bei Twitter, damit ich etwas sagen kann, sondern dass ich hören kann, was die Leute beschäftigt.»

Hinter Werlen war in der Kirche eine Leinwand aufgestellt, auf dem er seinen Twitter-Account zeigte. Und er twitterte: «Hast du schon mal was von Bahngleichnissen gehört? Ich versuche das den Leuten hier in der Stadtkirche Baden zu erklären.»

Bahngleichnisse seien Gedanken, die er jeweils im Zug twittere. So schrieb er auf der Fahrt nach Baden: «Bahnfahren ist schon eine heisse Sache. Erst recht, wenn man schwarz fährt...»

«Ich erreiche eine neue Gruppe»

Die Begegnungen, die er während seiner Zugfahrten mache könne, seien stets überaus bereichernd, so Werlen. «Es lesen heute viele über Twitter meine Bahngleichnisse, die sonst die Bibel nicht lesen», sagte Werlen.

Er könne über Twitter eine Gruppe von Menschen erreichen, die seine Botschaften vor der Zeit der Social Media vermutlich nicht gehört hätten.

Man verpasse den Anschluss unter Umständen, wenn man Twitter nicht benutze. «Zeitungen zum Beispiel, sollten sich modernen Kommunikationsformen nicht verschliessen. Medien müssen heute lernen, auf vielen Ebenen zu kommunizieren», sagte er.