Baden
Abteilung muss schliessen: Badener Pflegezentrum «Sonnenblick» ist unterbelegt

Erst noch sind die Bewohner in das Regionale Pflegezentrum Baden «Sonnenblick» eingezogen – mit langen Wartelisten. Doch das ist längst passé. Das Pflegezentrum ist unterbelegt – 28 Betten sind derzeit frei. Jetzt muss eine Abteilung schliessen.

Erna Lang-Jonsdottir
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Das Alters- und Pflegeheim Sonnenblick in Wettingen an der Mooshaldenstrasse 6 empfängt seine ersten Bewohner nach dem Umbau
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Die neu renovierte Restaurantsumgebung.
Peter und Sonja Schryber ziehen als erste Neubewohner ins Heim.
Die grünen Balkone.
Die neu renovierten Räumlichkeiten des Sonnenblicks, ein Aufenthaltsraum.
Die Bauarbeiten auf Etage zwei sind noch am laufen.
Die Bauarbeiten auf Etage zwei sind noch am laufen.
Peter und Sonja Schryber ziehen als erste Neubewohner ins Heim.
Der Umzugswagen bringt die letzten Better vor den Sonnenblick.
Sonja Schryber zieht als erste Neubewohner ins Heim.
Die neu renovierte Restaurantsumgebung.
Peter und Sonja Schryber ziehen als erste Neubewohner ins Heim.
Das Alters- und Pflegeheim Sonnenblick in Wettingen an der Mooshaldenstrasse 6 empfängt seine ersten Bewohner nach dem Umbau.

Das Alters- und Pflegeheim Sonnenblick in Wettingen an der Mooshaldenstrasse 6 empfängt seine ersten Bewohner nach dem Umbau

Chris Iseli

Die Zeiten, als es beim Regionalen Pflegezentrum Baden (RPB) lange Wartelisten gab, sind vorbei: Im Hauptgebäude in Baden stehen derzeit neun Betten leer.

Auch die 50 Zimmer im «Sonnenblick» konnten nicht – wie von Direktor Marc Pfirter behauptet – per Dezember 2012 voll belegt werden.

Im Gegenteil, etwa 19 Betten sind dort noch frei. Dies hat jetzt Konsequenzen: «Die Geschäftsleitung hat entschieden, die Abteilung im zweiten Obergeschoss mit den 14 Betten ab dem 1. September vorübergehend zu schliessen», bestätigen Andrea Martin-Fischer, stellvertretende Direktorin des RPB, und Daniela Oehrli, Stadträtin und Präsidentin der Kommission RPB, Recherchen der Aargauer Zeitung.

Entwicklung überrascht

Kündigungen soll es keine geben. «Wir setzen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf anderen Abteilungen ein», betont Martin-Fischer.

Kommentar: Leere Betten sind ein Rätsel

Ein schwerer Unfall, eine Hirnverletzung, eine Behinderung für immer. Und jetzt? Wer kann Menschen mit einem solchen Schicksal 24 Stunden lang pflegen und betreuen? Die Suche nach guten Plätzen für Langzeitpflegebedürftige ist unglaublich schwierig. Oberärzte haben sogar bestätigt, dass diese Menschen in ein schwarzes Loch im Pflegesystem fallen, weil der geeignete Platz fehlt. Oft werden diese «schweren Fälle» von der Rehabilitation in Alters- und Pflegeheime verlegt, und weil man dort mit ihnen nicht klar kommt, landen sie letztlich in einer psychiatrischen Klinik.
Jetzt diese Meldung: das Regionale Pflegezentrum Baden und der Sonnenblick sind unterbelegt. Die Spitex kann nicht schuld daran sein - eine 24-Stundenbetreuung bietet sie nicht. Direktor Marc Pfirter war optimistisch, alle vier Abteilungen bis Ende 2012 auszulasten. Wo liegt der Hund begraben? Das Loch im Pflegesystem kann nicht plötzlich gesättigt sein.

Leere Betten auf verschiedenen Abteilungen sei eine Verzettlung der Kräfte. «Konzentrieren wir die Betten auf weniger Abteilungen, können wir das Personal gezielter einsetzen», erklärt sie die Schliessung der Abteilung im 2. Stock.

Martin-Fischer ist von der rückläufigen Entwicklung in diesem raschen Tempo überrascht: «Wir haben mit einem Knick gerechnet, aber nicht so schnell.»

Ursache für die grosse Anzahl leerer Betten sieht sie in der Zunahme von Kurzaufenthaltern – «im Sonnenblick haben wir aufgrund der Spezialangebote eine hohe Anzahl von Kurzaufenthaltern».

Seit der Einführung des neuen Abrechnungssystems DRG seien Spitäler und psychiatrische Kliniken unter Druck, ihre Patienten so schnell wie möglich zu verlegen.

Vision zu optimistisch

Einen weiteren Grund für den Rücklauf sieht Martin-Fischer in der vom Gesetzgeber gewollten Strategie «ambulant vor stationär».

Dieses Prinzip – zuerst alle Möglichkeiten der ambulanten Versorgung ausschöpfen, bevor ein Pflegebedürftiger in einer Institution aufgenommen wird – hat vor allem Organisationen wie die Spitex gefordert, sich zu professionalisieren.

Stadträtin Oehrli zeigt sich weniger überrascht vom Rücklauf. Leere Betten seien eine Tendenz, die auch bei andern Pflegeinstitutionen beobachtet würden, sagt sie.

Zudem brauche es Zeit, Abteilungen zu füllen. «Das haben wir 2002 gesehen, als wir im RPB von 168 auf 200 Patienten aufstocken wollten. Das dauerte drei Jahre.»

Martin-Fischer ist davon überzeugt, dass sich die Auslastung der Betten stabilisiert. «Anmeldungen verlaufen zyklisch», sagt sie.

Dass Marc Pfirters Vision betreffend die Auslastung des Sonnenblicks optimistisch waren, bestreiten Oehrli – «er ist ein grosser Optimist» – und Martin-Fischer nicht.

«Wir hätten mehr Zeit für eine Vollbelegung einberechnen müssen», sagt Martin-Fischer. Marc Pfirter war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.