Wettingen
Abtretende Standortförderin: «Wettingen ist nicht St.Moritz»

Die abtretende Standortförderin Sandra Frauenfelder über Autobahntafeln und steigende Sterne

Carla Stampfli
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Für einmal nicht in ihrem Büro im 2.Stock des Rathauses: Sandra Frauenfelder geniesst die Aussicht auf dem Dach. Chris Iseli

Für einmal nicht in ihrem Büro im 2.Stock des Rathauses: Sandra Frauenfelder geniesst die Aussicht auf dem Dach. Chris Iseli

Chris Iseli

Seit sieben Jahren leitet Sandra Frauenfelder die Standortförderung. Doch nun ist Schluss: Ab 1. November wird sie eine neue Stelle in Uster antreten – und das tun, was in Wettingen ihr Ziel war: Als Standortförderin versuchen, die Attraktivität der Gemeinde zu steigern, Rahmenbedingungen für Bevölkerung und Gewerbe zu verbessern sowie Kontakte zu pflegen. Vor dem Wechsel ins Zürcher Oberland blickt die 50-Jährige auf ihre Amtszeit zurück.

Sandra Frauenfelder, 2009 haben
Sie die Standortförderung gemeinsam mit Gemeindeammann Markus Dieth aufgebaut. Nun hat er gute Chancen, Regierungsrat zu werden. War das der Grund für Ihren Rücktritt?

Sandra Frauenfelder: Dass wir nun bestenfalls gemeinsam aufhören, war nicht ausschlaggebend! Die mögliche Wahl von Markus Dieth war vielmehr ein Faktor, der mir die Entscheidung leichter gemacht hat. Hauptgrund war das Angebot, die Standortförderung von Uster aufzubauen.

Sandra Frauenfelder

Die 50-Jährige leitet seit 1. September 2009 die Standortförderung Wettingen. Zuvor war die Betriebsökonomin fünf Jahre Standortförderin in Dietikon. Nach ihrem Rücktritt plant der Gemeinderat, die Stelle wieder auszuschreiben. Doch zuvor wird im Rahmen des Sparpakets LOVA eine Neuausrichtung der Stelle geprüft. Bis dahin wird die Standortförderung mit rund 50 Prozent des heutigen Personalaufwands weitergeführt. (az)

Wenn Sie auf die letzten sieben Jahre zurückblicken, glauben Sie, Ihren Job gut erledigt zu haben?

Ich glaube, dass ich stolz sein kann, ja. Es ist mir gelungen, die Standortförderung erfolgreich zu verankern und Wettingen über die Region hinaus als attraktiven Wohn- und Arbeitsort zu positionieren. Es gab aber auch einige Projekte, die viel Zeit und Durchhaltewillen benötigten. Beispielsweise die Autobahntafel für Wettingen auf der A1. Dahinter steckt rund sechseinhalb Jahre Arbeit. Für Projekte wie diese muss man sich nicht zu schade sein, immer wieder nachzufragen.

Warum glauben Sie, hat sich das Image von Wettingen verbessert?

Es sind vor allem die zahlreichen Events, die wir in den Jahren organisiert haben. Der Festbereich «Little Wettige» am Stadtfest Baden 2012 zum Beispiel oder Wettingens Teilnahme an der SRF-Sendung «Donnschtig-Jass» im letzten Jahr. Anlässe wie diese haben der Gemeinde zu mehr Attraktivität verholfen. Der bislang grösste war aber die Tour de Suisse, die im Sommer 2010 bei uns einen Etappenhalt einlegte. Dieser Event hat uns extrem geholfen, Wettingen weit über die Region hinaus bekannt zu machen.

Auch, weil es bei der Zielankunft im Sportzentrum Tägerhard einen Massensturz gab ...

... das war sehr bedauerlich, hat aber tatsächlich zu einer hohen Medienpräsenz geführt. Doch man muss auch sehen: Wettingen ist nicht St. Moritz. Man sagt nicht, jetzt gehe ich nach Wettingen und verbringe dort eine Woche Ferien. Mit Anlässen wie der Tour de Suisse haben wir aber die Möglichkeit, Personen auf uns aufmerksam zu machen, die Wettingen nur vom Hörensagen oder vom Vorbeifahren kennen.

Wenn Sie das heutige Wettingen mit demjenigen von 2009 vergleichen: Inwiefern hat sich die Gemeinde verändert?

Enorm! Es wurden unter anderem Schulhäuser gebaut und Grossprojekte wie die Sanierung des ‹Tägi› lanciert. Doch hinter diesen Entwicklungen steht nicht per se die Standortförderung. Genauso wenig wie ich sagen kann, dass eine Firma wegen mir, Sandra Frauenfelder, nach Wettingen gezogen ist. Meine Aufgabe ist es vielmehr, im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein und das richtige Netzwerk zu bieten. Auf diese Weise kann ich eine Person, eine Firma davon überzeugen, sich bei uns niederzulassen – oder was noch viel wichtiger ist: dass sie hierbleibt.

Was sind denn die Gründe, warum jemand nach Wettingen zieht?

Umfragen bei Firmen haben gezeigt, dass vor allem die gute Erreichbarkeit und die gute Verfügbarkeit von hochqualifizierten Fachkräften ausschlaggebend sind. Wir sind optimal gelegen, kurz vor Zürich und in der Nähe von ETH, Universität und Instituten wie dem PSI. Bei den Neuzuzügern ist es neben der Erreichbarkeit auch die Lage. Zudem haben wir optimale Ausbildungsmöglichkeiten und eine breite Palette an Familienangeboten. Das macht das attraktive Gesamtpaket Wettingen aus.

Wettingen präsentiert sich unter dem Slogan «Ein Stern an der Limmat». Ist es ein steigender oder ein sinkender?

Auf alle Fälle ein steigender Stern! Dafür gibt es mehrere Gründe. So haben wir fast keine freien Wohnungen mehr, attraktive Bauparzellen sind auch nur noch wenige vorhanden und täglich erreichen uns Anfragen von Firmen, die sich bei uns niederlassen wollen. Dass Wettingen ein boomendes Dorf ist, bestätigt auch eine aktuelle Studie der UBS: Sie bewertete die hiesige Büro- und Verkaufsfläche mit der Note ‹sehr gut›. Zudem stieg die Anzahl Beschäftigte in den letzten Jahren um rund vier Prozent, die Anzahl Firmen um 45 Prozent auf 1130.

Den Unternehmen statteten Sie regelmässig Besuche ab. Jeweils mit dabei war auch Markus Dieth. Wie verlief die Zusammenarbeit?

Sehr gut! Markus Dieth liess mir stets die Freiheit, verschiedene Ideen Projekte zu verwirklichen. Diese Tatsache war für mich ein exzellenter Nährboden. Geholfen hat mir auch, dass er als Grossratspräsident und Gemeindeammann zu Kontakten kam, zu denen ich sonst keinen Zugang gehabt hätte. Er lebt Wettingen und setzte sich immer zu 100 Prozent mit Herzblut ein.

Gibt es ein Projekt, das Sie noch hätten verwirklichen wollen, aber keine Zeit mehr hatten?

Nein, eigentlich nicht. Auf was ich nun gespannt bin, ist, wie sich das Generationenprojekt weiterentwickelt. Es wurde kürzlich lanciert und soll anhand einer Dienstleistungsbörse in den Quartieren das Miteinander zwischen verschiedenen Generationen fördern.

Welches sind die weiteren Themen, die nach Ihrem Rücktritt unbedingt weiterverfolgt werden sollen?

Die Events! Hier müssen wir unbedingt am Ball bleiben. Denn es gibt zahlreiche Möglichkeiten, wie man Wettingen noch attraktiver positionieren kann. Mit «Little Wettige» zum Beispiel, das bei der Badenfahrt 2017 wiederum zu Gast sein wird. Auch die Führungen, etwa auf der Klosterhalbinsel, sollten weiterhin stattfinden und ausgebaut werden. Nicht zuletzt darf der Wanderführer mit elf Routen in und um Wettingen nicht in Vergessenheit geraten. Dabei geht es nicht unbedingt darum, externe Leute ins Dorf zu locken, sondern der Bevölkerung das Naherholungsgebiet auf eine andere Art und Weise zu zeigen.

Ab 1. November werden Sie Standortförderin von Uster. Sehen Sie Parallelen zwischen der Gemeinde im Zürcher Oberland und Wettingen?

Das Umfeld ist sicher ähnlich. Uster liegt nahe bei Zürich und ich kann auf die Kontakte zurückgreifen, die ich einst als Standortförderin von Dietikon geknüpft habe. Genau wie Wettingen befindet sich Uster in einer spannenden Phase; es sind viele Projekte am Laufen, beispielsweise wird derzeit ein grosses Hallenbad gebaut. Es freut mich, dass ich den Rucksack, den ich in Wettingen erwirtschaftet habe, nun in Uster einsetzen darf.

Überwiegt die Freude oder die Trauer, dass Sie Wettingen verlassen?

Ein Abschied hat wie immer zwei Seiten. Am meisten zu schaffen macht mir, dass ich die vielen guten Bekanntschaften, die in den sieben Jahren entstanden sind, nicht mit nach Uster nehmen kann. Das sind Kontakte sowohl aus der Bevölkerung als auch aus dem Gewerbe.

Was wünschen Sie Wettingen für die Zukunft?

Dass weiterhin Standortförderung gemacht wird. Ob sich nun eine Person, wie ich es war, darum kümmert oder ein Team, spielt letztendlich keine Rolle. Hauptsache ist, dass Wettingen als Standort gefördert wird. Die Gemeinde hat noch grosses Potenzial.

Wie wird man eigentlich Standortförderin?

Eine breite Ausbildung mit Vertiefung im Marketing ist sicher hilfreich. Das wichtigste aus meiner Sicht ist jedoch ein grosser Dienstleistungsgedanke gepaart mit dem Interesse, einen Standort weiter zu entwickeln. Diese Aufgabe bietet einem eine unglaubliche Vielfalt an spannenden Herausforderungen.

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