BT-Kolumne
Abwägen über das Weihnachtsfest: Nein oder doch Ja?

Simona Hofmann wägt ab: Gerade in unserer beschleunigten Zeit werden gemeinsame Tage des Innehaltens dringend benötigt. Weihnachten schenkt uns diesen lebensnotwendigen Luxus. Ein ernsthaftes «Ja und Nein» zum wichtigsten Fest im Jahr.

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Weihnachtsbaum.JPG

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Keystone

Ja:

Mindestens zweimal über den Weihnachtsmarkt schlendern

Das Zuhause mit Stil dekorieren

Handgemachte Zimtsterne knabbern

Den Garten illuminieren

Endlich wieder mal die ganze Familie treffen

Die Christbaumkerzen anzünden

Fondue chinoise mit 16 köstlichen Saucen schlemmen

Viel Alkohol geniessen

Inbrünstig gefühlvolle Weihnachtsklassiker singen

Überraschende und einfallsreiche Geschenke kriegen

Die Mitternachtsmesse besuchen

Aufs Sofa gekuschelt alte «Sissi»-Filme gucken

Romantische Nachmittags-Spaziergänge im Neuschnee

Liebe Freunde einladen

Bis Mittag im Bett lesen

Für einen guten Zweck spenden

Die Silber-Besteck-Erbstücke und die Porzellan-Teller

mit Goldrand auftischen

Dreimal täglich Gourmet-Genüssen frönen

BT-Kolumnistin Simona Hofmann Die Bewegungsschauspielerin und Regisseurin (35) ist seit 2005 auf Tournee im In- und Ausland mit eigenen Theaterkreationen und Engagements.

BT-Kolumnistin Simona Hofmann Die Bewegungsschauspielerin und Regisseurin (35) ist seit 2005 auf Tournee im In- und Ausland mit eigenen Theaterkreationen und Engagements.

AZ

Nein:

Die Nase gestrichen voll haben von olfaktorischen Belästigungen wie Glühwein-Schwaden und Käsefondue-Dünsten

Die ganze Bude mit Weihnachts-Kitsch überladen

Beim Notfallzahnarzt die ausgebissene Plombe ersetzen

Mit Laserlicht-Garten-Deko-Installationen die Nachbarschaft nerven

Nach einer knappen Stunde liegen sich alle in den Haaren

Den Baumbrand mit Löschdecke ersticken

Fondue-chinoise-Saucen-Bouillon-Fleischsaft-Sauereien auf allen Tellern

Viel Alka-Seltzer einnehmen

Ohrenkrebs kriegen beim Weihnachtsliedersingen und Zuhören- Müssen

Selbstgestrickte Woll-Socken und das legendäre Calida-Pyjama auspacken

Als fauler Christ mit der Schwiegermutter die Mitternachtsmesse ertragen

Nur uralte «Sissi»-Filme auf allen Kanälen

Erzwungenermassen durch Matsch und Dreck wandern

Von vielen nicht so lieben Freunden eingeladen werden

Nach 12 Stunden im Bett unsägliche Rückenschmerzen haben

Tonnenweise Spendenbrief-Altpapier entsorgen

Stundenlang antiquiertes, nie gebrauchtes Silberbesteck polieren, von Hand abwaschen und wieder im Keller versorgen

Die angefressenen Pfunde mit viel Schweiss wegtrainieren

Trotz allen bekannten und erlebten Nein -Situationen plädiere ich ganz klar für das Ja , weil ich es liebe, mit meiner Familie im Kerzenlicht tiefe Gespräche zu führen und über Banalitäten zu lachen, mit Freunden bis zur Morgendämmerung zu feiern und mit der Melodie von «O du fröhliche» durch die Badstrasse zu flanieren, um die schönste Weihnachtsbeleuchtung der Schweiz zu geniessen.

Lasst uns zusammen sein! Zum Menschsein gehört das Feiern. Feste verbinden Vergangenheit und Gegenwart, sind gelebte Traditionen und bringen Familie und Freunde zueinander.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

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