Otelfingen/Baden

Achim Lück erhält Bigler-Preis für Theater mit Gänsehauteffekt

Bigler-Preisträger Achim Lück beobachtet seine Theaterschüler bei den Proben zu einem Stück über den im KZ ermordeten jüdischen Schlagertexter Fritz Löhner-Beda. Alex Spichale

Bigler-Preisträger Achim Lück beobachtet seine Theaterschüler bei den Proben zu einem Stück über den im KZ ermordeten jüdischen Schlagertexter Fritz Löhner-Beda. Alex Spichale

Oberstufenlehrer Achim Lück fühlt sich geehrt. Dabei ist sein Theaterstück alles andere als Heile Welt. «Und ein Lied erklingt» soll den Oberstufenschülern einen emotionalen Zugang zur Zeit des Zweiten Weltkrieges ermöglichen.

«Nicht schon wieder diese Nazi-Scheisse», sagt eine Schülerin im Theaterstück. Sie enerviert sich, dass im Unterricht die Themen 2. Weltkrieg und der Holocaust besprochen werden. Kurze Zeit später wechselt die Schulzimmer-Szene aus dem Heute nach Wien ins Jahr 1938, vor dem Anschluss Österreichs: Zwei Frauen führen eine Kabarett-Nummer auf mit Hitler-kritischen Texten.

So beginnt das Theaterstück «Und ein Lied erklingt», das von Achim Lück geschrieben wurde, und zeigt auch gleich die Idee dahinter: Die Szenen wechseln zwischen der Vergangenheit während der Nazi-Zeit und der Gegenwart mit seinem Diskurs zur Vermittlung des 2. Weltkrieges in der Schule.

Liedermacher wurde deportiert

Für diese Auseinandersetzung wurde Achim Lück, Lehrer an der Sekundarschule «Unteres Furttal» in Otelfingen, der Bigler-Preis verliehen. «Dieser Preis ist eine grosse Ehre für mich», sagt Lück. Überhaupt sei es eine intensive Zeit gewesen: «Besonders die Begegnung mit Frau Bigler, wie auch mit Überlebenden von ‹Buchenwald› haben mich berührt.»

Lieder für die SS

Der Würenloser hatte beschlossen, ein Theaterstück über den damals bekannten jüdischen Schriftsteller und Liedermacher Fritz Löhner-Beda (siehe Box) zu schreiben, der ins KZ Buchenwald verschleppt und 1942 in Auschwitz ermordet wurde.

«Ich ging vom ‹Buchenwaldlied› aus, das 1938 geschrieben wurde. Der Text dazu stammt von Löhner-Beda, was lange nicht bekannt war.» In Konzentrationslagern war es üblich, zur Unterhaltung der SS jüdische Künstler zu zwingen, klassische oder volkstümliche Musik zu komponieren und aufzuführen.

Das Lied sollte Schikane für die KZ-Häftlinge sein, um ihnen den Lebenswillen zu brechen.

«Der betrunkene KZ-Kommandant zwang die Häftlinge, das «Buchenwaldlied» stundenlang in der Kälte zu singen», erklärt Lück. Doch das Lied mit seinem Text über Mut und Freiheit wurde zur Hymne der Häftlinge. «Das Lied gab ihnen Kraft».

Der Lehrer wundert sich, dass die KZ-Leiter den Text überhaupt zugelassen haben.» Das macht auch folgender Ausschnitt aus dem «Buchenwaldlied» deutlich: «O Buchenwald, ich kann dich nicht vergessen, / Weil du mein Schicksal bist. / Wer dich verliess, der kann es erst ermessen / Wie wundervoll die Freiheit ist! / O Buchenwald, wir jammern nicht und klagen, / Und was auch unsere Zukunft sei – / Wir wollen trotzdem ‹ja› zum Leben sagen, / Denn einmal kommt der Tag – / Dann sind wir frei!»

Die Lieder von Löhner-Beda stehen im Mittelpunkt des Stücks und werden auch gesungen. «In der Bar zum Krokodil» wurde von den Jugendlichen gar in einen Rap verwandelt. Lück glaubt, dass das «Buchenwaldlied» beim Publikum Gänsehaut auslösen wird.

Im Theaterstück kommt Löhner-Beda nicht als Person, sondern über seine Musik und seine beiden Töchter vor. Lück: «Diese waren nur wenig jünger als meine Schülerinnen und Schüler, als es an der der Türe klopfte und ihr Leben damit beendet war. Sie wurden vergast.»

Beat Schlatter: Jüdischer Komponist

Professionelle Schauspielerinnen und ein Schauspieler konnten für das Stück gewonnen werden: Unter ihnen ist auch Beat Schlatter als Hermann Leopoldi, der mit Löhner-Beda das «Buchenwaldlied» geschrieben hatte.

Achim Lück konzipierte das Theaterstück als Schulprojekt mithilfe eines Teams von Lehrpersonen. Die Schülerinnen und Schüler des Theaterkurses der drei neunten Klassen werden das Stück im Juni im Kurtheater Baden aufführen. Regie führen Deborah Loosli und Heidi Portmann.

«Wenn man im Unterricht schwierige Themen wie den Holocaust thematisiert, ist die Herangehensweise ausschlaggebend», sagt Lück. Gerade bei einem Film wie «Schindlers Liste», der an einem Protagonisten aufgehängt ist, könnten sich die Schüler gut identifizieren.

Lück: «Wenn sie aber sogar ein Theater aufführen zum Thema, dann geht das über die Sinne wie Stimme, Körpersprache oder auch die historischen Kostüme. Ich merke gut, dass die Schüler stark beeindruckt sind.»

Theater: «Und ein Lied erklingt»

Kurtheater Baden, Uraufführung.

Do, 27. Juni, 20 Uhr.

Vorverkauf: Online über kurtheater.ch oder Info Baden 056 200 84 84

Meistgesehen

Artboard 1