Ist es die Aufgabe der Grosseltern, ihre Enkelkinder zu erziehen? «Nein, wir sind da, um unsere Enkelkinder zu verziehen», sagte Grossvater vor 30 Jahren und lachte. «Nein», sagt auch Kathie Wiederkehr, Betriebsleiterin Karussell Familienzentrum Region Baden, die selber Mutter von zwei erwachsenen Kindern ist. 

«Grundsätzlich ist die Erziehung die Aufgabe der Eltern», fügt sie an. Damit haben die beiden zwar Recht. Trotzdem kann die Frage nach der richtigen Erziehung die Geister scheiden und Eltern sowie Grosseltern vor grosse Herausforderungen stellen.

«Diese werden kaum öffentlich diskutiert, weil sie heikel sind und manchmal mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen.» Um den öffentlichen Diskurs über die Rolle der Eltern und Grosseltern zu eröffnen, richtet das Familienzentrum Karussell den Fokus ihrer Herbst-Veranstaltungsreihe auf das Zusammenleben der Generationen.

Auf die Grosseltern angewiesen

Ein Grund für die Wahl dieses Schwerpunktthemas ist die Tabuisierung dessen sowie die Tatsache, «dass sich die Rolle der Grosseltern in den letzten 30 Jahren stark verändert hat», sagt Wiederkehr.

Während die Enkelkinder früher eher als Feriengäste abgegeben wurden, sind heute viele Familien regelmässig auf die Grosseltern angewiesen. Hinzu komme, dass eine neue Generation von Grosseltern herangewachsen sei.

«Viele Grossmütter und Grossväter arbeiten noch oder sind sonst sehr aktiv und wollen ihre Freiheit haben.» Dieser Wandel wirft Fragen auf: Müssen Grosseltern denn allzeit bereit sein? Und generell: Wie geht man damit um, wenn sich Wertvorstellungen und die gegenseitigen Erwartungen nicht decken?

Eine schwierige Frage – besonders für Eltern, die auf die Grosseltern angewiesen sind. «Neulich hat sich eine Mutter im Familienzentrum mit der Frage gequält, ob sie ihre Mutter auf gewisse Dinge ansprechen soll oder nicht.»

Sie habe es letztlich unterlassen, weil sie befürchtet habe, ihre Mutter würde das Enkelkind nicht mehr betreuen wollen. Dieselben Sorgen können Grosseltern haben. Aus Angst, ihre Enkel zu verlieren, gehen auch sie Problemen aus dem Weg.

Grosseltern verlieren ihre Enkel

Der gesellschaftliche Wandel stellt noch vor ganze andere Schwierigkeiten: «Heute sind 40 Prozent aller Ehen geschieden. Manche Grosseltern verlieren dadurch ihre Enkel und umgekehrt.»

Wie kann eine Beziehung gestaltet werden, um den Kontakt nicht zu verlieren? Was tun, wenn plötzlich vier Grossmütter gepflegt werden müssen? «Die Fragen um das Generationen-Thema sind vielfältig», sagt Wiederkehr und betont: «Interessierte, die an einer Veranstaltung teilnehmen möchten, müssen jedoch keine Probleme haben, um mitzureden.» Es gehe grundsätzlich darum, voneinander zu lernen, sich über Klischees Gedanken zu machen und je nachdem Rollen neu zu definieren.

Das Familienzentrum Karussell bietet vier Veranstaltungen zu diesen Themen an (siehe Text rechts). Diese wurden in Zusammenarbeit mit lokalen Veranstaltern organisiert, die sich mit Altersfragen auseinandersetzten.